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Zwischen Judomatte und Hörsaal: Armin Pacariz im Interview über BWL-Studium und Spitzensport

Disziplin auf der Matte und im Studium: Armin Pacariz gibt Einblicke in sein Leben als Judoka und BWL-Student.

Deutsche Meistertitel, internationale Wettkämpfe und ein BWL-Studium an der Universität Münster: Armin Pacariz verbindet akademische und sportliche Ziele. Seit dem Wintersemester 2024/25 studiert er Betriebswirtschaftslehre an der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät und trainiert gleichzeitig auf internationalem Niveau. Im Interview erzählt Herr Pacariz, wie er Training, Wettkampfvorbereitung und Studium miteinander vereinbart, welche Parallelen er zwischen Judo und Wirtschaftswissenschaften sieht und warum er sich für die Universität Münster entschieden hat.

Lieber Herr Pacariz, wie sieht ein typischer Tag bei Ihnen aus, an dem Sie Training, Wettkampfvorbereitung und Vorlesungen unter einen Hut bringen müssen?

Mein Alltag ist sowohl in der Wettkampfvorbereitung als auch grundsätzlich sehr stark durch den Leistungssport geprägt. Da ich einen großen Teil des Jahres für internationale Trainingslager und Wettkämpfe unterwegs bin – allein im vergangenen Jahr war ich in elf verschiedenen Ländern –, muss ich mein Studium entsprechend flexibel organisieren. Dabei ist es für mich ein großes Privileg, dass wir an der Universität Münster die Möglichkeit haben, Vorlesungen online nachzuholen. Ich bin zum Beispiel gerade in Rom in einem Trainingslager. Mein Tagesablauf richtet sich dabei in erster Linie nach dem jeweiligen Trainingsplan. Nach der ersten Einheit, die etwa zwei Stunden dauert und gegen 9 Uhr endet, nutze ich die Zeit, um Vorlesungen zu schauen und Studieninhalte nachzuarbeiten. Danach folgen Regeneration und die nächste Trainingseinheit. Je nach Trainingsplan kommt teilweise am Nachmittag oder Abend noch eine dritte Einheit dazu. Wenn ich ausnahmsweise mal wieder etwas längere Zeit in Münster bin, läuft es ähnlich. Je nach Trainingsplan steht morgens Kraft, Laufen oder Technik auf dem Programm. Danach folgen die Vorlesungen, bevor es häufig zum Training nach Papendal in Holland oder nach Köln geht. Abends steht dann in der Regel noch Randori beziehungsweise Sparring mit internationalen Gegnern auf dem Plan. Danach nehme ich mir meistens noch Zeit, um das aus den Vorlesungen Gelernte zu wiederholen.

Judo lebt von Disziplin, Strategie und dem richtigen Timing. Welche dieser Fähigkeiten helfen Ihnen konkret im BWL-Studium – und was nehmen Sie umgekehrt aus der Wirtschaftswissenschaft mit auf die Judomatte?

Ich glaube, eine der wichtigsten Eigenschaften ist ganz klar die Disziplin. Sowohl im Spitzensport als auch im Studium gibt es Tage, an denen man vielleicht lieber etwas anderes machen würde. Entscheidend ist aber, sich trotzdem jeden Tag aufs Neue hinzusetzen und an seinen Zielen zu arbeiten. Auch das strategische Denken aus dem Judo hilft mir im Studium. Auf der Matte muss ich meinen Gegner analysieren, seine Bewegungen lesen, Situationen schnell einschätzen und meine Strategie entsprechend anpassen. Im Studium ist es natürlich eine andere Art von Analyse, aber die grundsätzliche Herangehensweise ist vergleichbar. Gleichzeitig entdecke ich immer mehr Parallelen zwischen BWL und Judo. Hinter dem technischen Teil des Judo steckt ein sehr komplexes System aus Bewegungsmustern, Prinzipien, Timing und Ursache und Wirkung. Eine Technik funktioniert nicht einfach dadurch, dass man sie möglichst stark ausführt, sondern weil viele einzelne Faktoren im richtigen Moment zusammenspielen.

Ähnlich ist es in der Wirtschaftswissenschaft. Viele Zusammenhänge wirken zunächst kompliziert, folgen aber bestimmten Strukturen und Prinzipien. Gerade dieses systematische und analytische Denken finde ich spannend. Was ich aus dem Sport wiederum besonders in die Universität mitnehme, ist der Umgang mit Rückschlägen. Im Spitzensport läuft nicht immer alles nach Plan. Man verliert Kämpfe, verletzt sich oder erreicht ein Ziel nicht beim ersten Versuch. Man lernt dadurch, sich nicht zu lange mit dem Rückschlag aufzuhalten, sondern zu analysieren, was man besser machen kann, und dann weiterzuarbeiten. Diese Einstellung hilft mir auch im Studium.

Welche Fragestellungen und Schwerpunkte interessieren Sie im Studium besonders und planen Sie, nach dem Bachelor noch ein Masterstudium?

Einen Master möchte ich mir auf jeden Fall offenhalten. Zunächst ist mir aber wichtig, den Bachelor erfolgreich abzuschließen und gleichzeitig mein großes sportliches Ziel, die Olympischen Spiele 2028, konsequent zu verfolgen. Für mich ist dabei nicht die Frage, ob ich mich zwischen Studium und Sport entscheiden muss, sondern vielmehr, wie weit ich beides miteinander verbinden kann. Einen Master kann ich mir grundsätzlich sehr gut vorstellen. Entscheidend wird für mich aber sein, welcher Zeitpunkt und welche Ausrichtung sich sinnvoll mit meiner sportlichen Entwicklung verbinden lassen. Ich möchte beide Wege offenhalten und die Möglichkeiten nutzen, die sich daraus ergeben.

Warum haben Sie sich für Münster als Unistadt entschieden? Und wie gut lässt sich hier das Leben als Leistungssportler mit dem Studium vereinbaren?

Für mich war relativ früh klar, dass ich BWL studieren möchte. Bei der Suche nach der passenden Universität habe ich mir deshalb auch Rankings und den Ruf der verschiedenen Hochschulen angesehen. Die Universität Münster ist gerade im Bereich der Wirtschaftswissenschaften sehr renommiert und hat einen hohen akademischen Anspruch. Da BWL ein sehr breit aufgestellter Studiengang ist, war mir wichtig, mich bewusst für eine Universität zu entscheiden, an der ich mich fachlich weiterentwickeln kann und die mir gleichzeitig gute Möglichkeiten bietet, Studium und Spitzensport zu verbinden. Dazu kommt meine persönliche Verbindung zu Münster. Ich bin gebürtiger Münsteraner und meine große Schwester hatte ebenfalls das Privileg, hier Pharmazie zu studieren. Dadurch hatte ich schon früh einen positiven Bezug zur Universität. Dass ich heute selbst hier studiere und gleichzeitig als Leistungssportler die Universität und meine Heimatstadt repräsentieren darf, bedeutet mir viel. Zudem durfte ich in Münster selbst den Titel „Sportler des Jahres“ erhalten, worauf ich besonders stolz bin.

Als Spitzensportler brauchen Sie Flexibilität, z. B. bei Prüfungsterminen oder in Wettkampfphasen. Wie erleben Sie die Unterstützung durch die Wirtschaftswissenschaftliche Fakultät und die Uni Münster?

Ich bin außerordentlich dankbar für die Unterstützung, die ich von der Universität Münster erhalte. Als Mitglied des Spitzensportteams der Universität Münster habe ich beispielsweise Zugang zu den Krafträumen und gleichzeitig Ansprechpartner, an die ich mich bei Fragen oder Problemen jederzeit wenden kann. Besonders hervorheben möchte ich auch die Unterstützung innerhalb meines Fachbereichs. Herr Prof. Dr. Kirsch hat sich bereit erklärt, mich als Ansprechpartner zu unterstützen und insbesondere die Koordination zwischen den Lehrstühlen zu übernehmen. Das ist für mich enorm wertvoll, weil ich durch internationale Trainingslager und Wettkämpfe einen großen Teil des Jahres nicht in Münster bin. Dadurch ist gerade bei meiner Situation eine gute Abstimmung wichtig, wobei mir auch die sehr kooperative Unterstützung des Prüfungsamts sehr hilft. Dafür bin ich der Universität Münster und insbesondere den Personen, die mich auf diesem Weg unterstützen, sehr dankbar.

Wo sehen Sie sich in fünf Jahren – auf der Judomatte, in der Wirtschaft oder in einer Kombination aus beidem?

Das kann ich heute noch nicht genau sagen. Zunächst möchte ich meine Zeit als Leistungssportler voll ausreizen und meine sportlichen Ziele verfolgen. Für mich steht dabei ganz klar das Ziel Olympia 2028 im Mittelpunkt. Eines weiß ich aber schon heute: Die Wirtschaft wird mich auch nach meiner aktiven Sportkarriere begleiten. Meine Leidenschaft und mein Interesse an wirtschaftlichen Zusammenhängen möchte ich unabhängig davon weiterverfolgen. Ob daraus später eine direkte Verbindung zwischen Sport und Wirtschaft entsteht oder ich mich stärker auf einen der beiden Bereiche konzentriere, wird sich zeigen.

   

Zwischen internationalen Wettkämpfen und Vorlesungen organisiert Armin Pacariz seinen Alltag als Judoka und BWL-Student an der Universität Münster.