Alumni Story: Stephanie Düker

Wie bringt man Nachhaltigkeit und genossenschaftliche Werte dorthin, wo sie wirklich etwas bewirken – in den Schulalltag? Stephanie Düker kennt die Antworten. Als Teammanagerin des Bildungsprojekts „Schülergenossenschaften – nachhaltig wirtschaften - solidarisch handeln“ beim Genoverband e.V. begleitet sie u.a. Schülerinnen und Schüler dabei, ihre eigene Schülerfirma in Anlehnung an die genossenschaftliche Rechtsform zu gründen und zu führen.

Dabei entstehen Lernorte, in denen junge Menschen wirtschaftliche Zusammenhänge nicht nur verstehen, sondern aktiv und verantwortungsvoll mitgestalten – demokratisch, solidarisch und praxisnah. Stephanie Dükers wirtschaftliches Fachwissen, ihre genossenschaftliche Überzeugung und ihre langjährige Erfahrung fließen unmittelbar in ihre Projektarbeit ein.

Ihr beruflicher Weg begann mit einer Ausbildung zur Bankkauffrau bei der WGZ BANK AG, gefolgt von einem Bachelorstudium in Public Administration mit Schwerpunkt European Studies an der Universität Münster, inkl. eines Studienjahres an der University of Twente. Es folgte ein Master in Volkswirtschaftslehre – ebenfalls in Münster. Ihre akademische Laufbahn setzte sie als wissenschaftliche Mitarbeiterin am Institut für Genossenschaftswesen (IfG) fort, bevor sie in die genossenschaftliche Beratung wechselte – zunächst beim Genossenschaftsverband – Verband der Regionen e.V. (heute Genoverband e.V.).

Im Interview berichtet Stephanie Düker von ihrem Weg von der Forschung in die Praxis, von den Besonderheiten genossenschaftlicher Strukturen – und davon, wie volkswirtschaftliches Denken neue Perspektiven für junge Menschen und die Gesellschaft eröffnen kann.

Liebe Frau Düker, Sie leiten beim Genoverband e.V. das Projekt „Schülergenossenschaften – nachhaltig wirtschaften - solidarisch handeln“. Wie bringen Sie dabei unternehmerisches Denken, Nachhaltigkeit und Bildung sinnvoll zusammen – und was begeistert Sie an der Arbeit mit jungen Menschen besonders?

Wir verbinden unternehmerisches Denken, Nachhaltigkeit und Bildung, indem Schüler*innen ihre eigene Schülergenossenschaft gründen – von einer ersten Geschäftsidee, über das Erarbeiten eines konkreten Business Plans bis hin zur eigenen Satzung. Das alles natürlich unterstützt mit speziell auf das Schulprojekt zugeschnittenen Materialien und gleichzeitig so nah an der „echten“ Gründung einer Genossenschaft wie möglich. 
Mich begeistert besonders, wie kreativ und engagiert die jungen Menschen sind. Der Nachhaltigkeitsaspekt ist zudem nichts, was wir vorgeben müssen – im Gegenteil! Häufig ist genau das der Antrieb, der die Schüler*innen motiviert mitzumachen, bspw. um den eigenen Schulkiosk nachhaltiger zu gestalten!

Was sind aus Ihrer Sicht die größten Herausforderungen für Genossenschaften in den kommenden Jahren – und welche Rolle können Bildung, regionale Vernetzung oder Nachhaltigkeit dabei spielen?

Wesentliche Herausforderungen sind sicherlich der demografische Wandel und damit einhergehende Nachwuchskräftemangel sowie die digitale Transformation und steigende Erwartungen an nachhaltiges Wirtschaften aufgrund des Klimawandels. Bildung ist dabei ein wichtiger Schlüssel für die Zukunft. Unsere Initiative bietet die Möglichkeit, junge Menschen frühzeitig für genossenschaftliche Werte wie Solidarität, Demokratie und Nachhaltigkeit zu begeistern. Sie schafft Bewusstsein, fördert unternehmerisches Denken und stärkt die Fähigkeit zur Mitgestaltung. Regionale Netzwerke zwischen Schulen und Genossenschaften schaffen Synergien, stärken die lokale Wirtschaft und fördern den Austausch von Wissen und Ressourcen. Schülergenossenschaften können hier als Brückenbauer wirken – sie verbinden Generationen, Institutionen und Ideen. Und ganz konkret: Es ergeben sich u.a. immer wieder Praktika und Ausbildungsverträge aus der regionalen Vernetzung.

Bevor Sie in die genossenschaftliche Beratung wechselten, waren Sie mehrere Jahre in Forschung und Lehre am Institut für Genossenschaftswesen tätig. Welche Erkenntnisse aus dieser Zeit prägen Ihre heutige Arbeit?

Die wissenschaftliche Arbeit hat mir ein fundiertes Verständnis für die Stärken und Herausforderungen genossenschaftlicher Organisationen vermittelt. Zudem habe ich gelernt, komplexe Zusammenhänge verständlich zu machen und wissenschaftliche Erkenntnisse praxisnah zu vermitteln. Diese Erfahrungen sind sowohl in der regulären Gründungsberatung von Genossenschaften, bspw. Initiativen zur Rettung von Gaststätten oder Dorfläden, als auch im Rahmen der Projektarbeit mit Schulen hilfreich. Es geht immer darum, die Mehrwerte von Genossenschaften für den Einzelnen vor Ort greifbar zu machen – egal in welchem Alter.

Wenn Sie an Ihre Studienzeit in Münster zurückdenken – was hat Sie persönlich und fachlich besonders geprägt? Gibt es etwas, das Sie heutigen Studierenden mitgeben würden, die sich für eine Karriere im Bereich Beratung, Bildung oder genossenschaftliches Wirtschaften interessieren?

Besonders prägend an meiner Studienzeit in Münster waren sicherlich die vielen großartigen Menschen, die ich in der Zeit kennenlernen durfte – oft auch außerhalb des Hörsaals, etwa beim Hochschulsport. Da sind Freundschaften entstanden, die bis heute über zum Teil weite Distanzen hinweg bestand haben.
Von daher ist mein Tipp: Nutzt die vielfältigen Möglichkeiten, die Münster und das ganze Umfeld der Uni auch jenseits der Vorlesungen und Seminare bieten. Sucht gezielt nach Schnittstellen zwischen Theorie und Praxis. Und vor allem – findet heraus, was für Euch persönlich wirklich sinnstiftend ist. Dann ist der Job später nicht nur Job, sondern macht im Idealfall richtig viel Spaß!

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