Benchmarking-Ansätze im Verkehrswesen


Projektstatus abgeschlossen
Projektzeitraum 01.09.2011- 31.08.2013
Webseite http://www.wiwi.uni-muenster.de/ivm/forschen/projekte/Bench_11.html
Förderer ProgTrans AG
Schlüsselwörter Benchmarking, Best-Practice, Verkehr, Verkehrswissenschaft

Benchmarking wurde bisher vor allem zur Optimierung von betrieblichen Prozessen von Unternehmen eingesetzt. Zunehmend gibt es aber auch Anwendungen in anderen Bereichen, beispielsweise zur Optimierung von organisatorischen Prozessen in der Verwaltung oder der Leistungsfähigkeit von Produkten. Auch Rankings von Ländern, Städten oder Marken haben oft zum Ziel, nach Verbesserungsmöglichkeiten zu suchen und von den Besten zu lernen. In vielen Bereichen hat Benchmarking so zu einer spürbaren Verbesserung von Leistungsqualitäten und -quantitäten geführt. Nach der Liberalisierung von Netzsektoren wird Benchmarking heute auch als Instrument der Regulierung von natürlichen Monopolen in diesen Sektoren verwendet.

Auch im Verkehrswesen finden sich zunehmend Benchmarking-Anwendungen; allerdings sind sie zumeist wenig bekannt. Benchmarking wird sowohl im Güterverkehr als auch für den Personenverkehr verschiedener Verkehrsträger durchgeführt. Ebenfalls liegen Studien zu Verkehrsinfrastruktur und Verkehrssystemen vor. Auch für die Schweiz existieren einschlägige Studien. Betrachtet man die einzelnen Studien zum Benchmarking im Verkehrswesen genauer, so fällt auf, dass sie oftmals außer einem jedem Benchmarking inhärenten Vergleich der Untersuchungsobjekte nicht viel gemeinsam haben. So unterscheidet sich z.B. ein Benchmarking von städtischen Verkehrssystemen, das auf einem nicht-verdichteten Set von Indikatoren basiert, diametral von einem Benchmarking der Effizienz von Unternehmen im ÖSPV, das in Form von ökonometrischen, auf eine Kennzahl ausgerichteten Frontieranalysen (Effizienzgrenzen-Analysen) durchgeführt wird.

Die Anwendung sehr verschiedenartiger Verfahren im Verkehrswesen ist auch eine Folge unterschiedlicher Benchmarking-Zielsetzungen. Wenn z.B. kommunale Entscheidungsträger das heimische Verkehrssystem unter Nachhaltigkeitsgesichtspunkten vergleichen möchten, schließt dies den Einsatz effizienzorientierter Frontieranalysen aus. Soll hingegen die Effizienz eines städtischen Busunternehmens untersucht werden, ist die Anwendung solcher Verfahren fast schon zwingend.

Trotz der Vielfalt der Benchmarking-Anwendungen im Verkehrswesen existiert derzeit keine Studie, die die verwendeten Verfahren vergleicht und systematisiert. Auch ist uns bisher keine umfassende Analyse von Benchmarking-Zielen, der Konformität von Zielen und Verfahren sowie der Erfolge von Benchmarking bekannt. Dies gilt sowohl für die Schweiz als auch für andere europäische Staaten. Ebenso fehlt bisher ein systematischer Vergleich des Benchmarkings im Verkehrswesen mit Benchmarking in anderen Bereichen. Schließlich sind auch die Bedürfnisse unterschiedlicher Anwender- bzw. Nutzergruppen im Verkehrssektor in der Schweiz bisher unerforscht. Diese Lücken sollen durch das zweijährige Forschungsprojekt, das im Sommer 2011 beginnt, geschlossen werden. Projektpartner in diesem Vorhaben ist die Verkehrsberatung ProgTrans aus Basel.