Neue Studie: Wie hängt MINT-bezogenes Humankapital im Top-Management mit unternehmerischer Klimaanpassung und -resilienz zusammen?

Prof. Dr. David Bendig (l.), Dr. Thomas Schäper (m.l.), Dr. Katharina Hennes (m.r.), Dr. Colin Schulz (r.)
Mit wachsendem Klimadruck prüfen viele Unternehmen, wie sich Geschäftsmodelle und Wertschöpfungsketten an klimabezogene Risiken anpassen lassen. Die in Research Policy (VHB-JQ3: A; ABS: 4; IF: 8,0; FT50) veröffentlichte Studie untersucht, wie die Ausbildung von Top-Manager:innen mit dem berichteten Engagement von Unternehmen in Klimaanpassung und -resilienz zusammenhängt. Auf Grundlage der aufmerksamkeitsbasierten Perspektive (attention-based view) argumentieren die Autor:innen, dass eine Ausbildung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik (MINT) die Aufmerksamkeit von Führungskräften für Klimarisiken und -chancen prägen kann. Die Studie basiert auf einem Panel von 273 großen, börsennotierten US-Unternehmen, erfasst Klimaanpassung und -resilienz über eine textbasierte Analyse von Daten des Carbon Disclosure Project und berichtet Ergebnisse, die mit den aufgestellten Hypothesen vereinbar sind.
Die zentralen Ergebnisse:
- MINT-bezogenes Humankapital an der Spitze ist mit stärker berichteter Klimaanpassung und -resilienz verbunden: Top-Management-Teams mit mehr MINT-ausgebildeten Führungskräften berichten über mehr Klimaanpassung und -resilienz. MINT hebt sich von anderen Bildungshintergründen ab, wobei der Zusammenhang je nach Teilbereich variiert. Am stärksten ist der Zusammenhang für Ingenieur- und Informatikhintergründe ausgeprägt.
- Der organisationale Kontext beeinflusst, wie stark der Zusammenhang ist: Der Zusammenhang ist schwächer in stark innovativen Unternehmen mit etablierten Innovationsroutinen und stärker in Unternehmen mit weniger etablierten Innovationsroutinen, in denen MINT-Expertise zusätzliche Aufmerksamkeit und Problemlösungskompetenz einbringen kann.
- Externe klimabezogene Signale sind mit einem stärkeren Zusammenhang verbunden: Der MINT- Klimaanpassung und -resilienz-Zusammenhang ist stärker, wenn Klimawandel in Earnings-Call-Diskussionen stärkere Aufmerksamkeit erhält oder wenn Unternehmen stärker lokalen physischen Klimagefahren ausgesetzt sind.
Insgesamt legt die Studie nahe, dass MINT-ausgebildete Führungskräfte Top-Management-Teams dabei unterstützen können, klimabezogene Informationen zu interpretieren und Strategien zu Klimaanpassung und -resilienz zu diskutieren - besonders wenn interne Innovationsroutinen weniger etabliert sind oder externe klimabezogene Signale deutlich hervortreten.
Für die Praxis identifiziert die Studie Implikationen für Personalauswahl, Führungskräfteentwicklung und Politikgestaltung. Anstatt sich ausschließlich auf einen einzelnen Chief Sustainability Officer zu verlassen, können Unternehmen prüfen, wie MINT-bezogenes Wissen im Top-Management breiter verankert und technische, problemlösungsorientierte Fähigkeiten in Einstellung und Entwicklung angemessen berücksichtigt werden. Die Politik kann den Aufbau entsprechender Fähigkeiten durch Anreize oder Kooperationen mit Hochschulen unterstützen.
Die Studie „From expertise to action: STEM-related human capital in top management teams and corporate climate adaptation and resilience" von Prof. Dr. David Bendig, Dr. Thomas Schäper, Dr. Katharina Hennes und Dr. Colin Schulz (alle Universität Münster) ist hier frei zugänglich verfügbar: https://doi.org/10.1016/j.respol.2026.105516.
Kontakt für Rückfragen:
Dr. Thomas Schäper
Universität Münster
Institut für Entrepreneurship
Leonardo-Campus 9, 48149 Münster
E-Mail: thomas.schaeper@uni-muenster.de