Neue Veröffentlichung: "Europäische Flotten-CO₂-Standards: Auswirkungen auf Verbraucher und Hersteller"
In der Februar-Ausgabe 2026 des Wirtschaftsdienst ist der Artikel „Europäische Flotten-CO₂-Standards: Auswirkungen auf Verbraucher und Hersteller“ von Markus Dertwinkel-Kalt und Christian Wey erschienen. Der Beitrag analysiert die industrieökonomischen und klimapolitischen Wirkungen der europäischen Flottenregulierung im Automobilsektor.
Die Autoren zeigen: Die CO₂-Flottengrenzwerte wirken ökonomisch zwar ähnlich wie eine Pigou-Steuer, indem sie Fahrzeuge mit hohen Emissionen verteuern und Elektroautos relativ begünstigen. Allerdings weist das Instrument erhebliche Schwächen auf. Elektrofahrzeuge gelten regulatorisch als emissionsfrei, unabhängig vom tatsächlichen Strommix, sodass reale Emissionen ausgeblendet werden. Zudem ermöglicht das sogenannte Pooling Herstellern, ihre Emissionsziele gemeinsam zu erfüllen. Dies reduziert zwar kurzfristig Strafzahlungen, schwächt jedoch Investitionsanreize heimischer Hersteller und begünstigt insbesondere ausländische Elektroautoproduzenten, die zusätzliche Einnahmen aus solchen Kooperationen erzielen.
Die Analyse macht deutlich: Die jüngsten Lockerungen der Regulierung haben deutschen Herstellern zwar milliardenschwere Strafzahlungen erspart, untergraben jedoch die Glaubwürdigkeit und Planungssicherheit der Klimapolitik. Für Verbraucher entstehen ebenfalls ambivalente Effekte: von potenziell mehr Wettbewerb bis hin zu einer möglichen „Zweiklassen-Mobilität“, wenn einkommensschwächere Haushalte länger bei Verbrennerfahrzeugen bleiben.
Insgesamt lässt sich festhalten, dass komplexe Einzelregulierungen wie die Flottenstandardsoftmals mit erheblichen Fehlanreizen verbunden sind. Aus volkswirtschaftlicher Sicht erscheint ein verlässlicher, sektorübergreifender CO₂-Preis, etwa im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems für Gebäude und Verkehr (ETS 2), als effizienteres und konsistenteres Instrument zur Dekarbonisierung des Verkehrssektors.