Seminar zur Internationalen Unternehmensrechnung WS 2026/27

Dozent(en)

Ansprechpartner

Wochentag, Zeit und Ort
Einführungsveranstaltung und Themenvergabe: 15. Juli 2026, 18:00 Uhr (Ort: J 372)

Blockseminar: 18. Januar 2027

(Optionaler) Segeltörn bei ausreichendem Interesse: Juni 2027

Datum der ersten Veranstaltung
15.07.2026

Veranstaltungssprache
Deutsch

1. Einordnung der Veranstaltung

  • Veranstaltung im Masterstudium "Seminar Accounting I/II" (Master BWL PO 2019/2020/2022: anrechenbar als ACM 05 oder ACM 06; Master BWL PO 2025: anrechenbar als ACM 04 oder ACM 05)
  • Leistungsnachweis: Seminararbeit, Präsentation in Teams, 12 LP

 

2. Weitere Details zur Veranstaltung

  • Aktuelle (wirtschafts-)politische Entwicklungen, die Globalisierung, zunehmende Anforderungen an nachhaltiges Wirtschaften und der digitale Wandel prägen derzeit die Unternehmenspraxis und bringen vielfältige Herausforderungen für die Rechnungslegung und das Controlling mit sich. Das Seminar greift verschiedene aktuelle Entwicklungen auf und behandelt Implikationen für die Rechnungslegung und das Controlling.
  • Weitere Informationen zu Seminarinhalt und -ablauf (inkl. Themen und Literaturhinweise) finden Sie hier
  • Neben der Anmeldung über die zentrale ACM-Homepage bis zum 06. Juli 2026 (12.00 Uhr) ist die auch prüfungsrechtliche Anmeldung beim Prüfungsamt zwingend erforderlich. Die Anmeldung beim Prüfungsamt hat in der vorgezogenen Anmeldephase des Wintersemesters 2026/27 zu erfolgen. Alle näheren Informationen finden Sie auf der Website vom Prüfungsamt.
  • Die Einführungsartikel zu den Themen stehen Ihnen im Learnweb zur Verfügung.
  • Impressionen des Seminars im Sommersemester 2025

 

3. Übersicht der angebotenen Themen

Nr.

Thema

 

Hinweis: Die Themen können überwiegend empirisch bearbeitet werden und bieten damit die Möglichkeit, erste Erfahrungen mit der Anwendung empirischer Forschungsmethoden zu sammeln. Die methodische Bearbeitung der Themen erfolgt in enger Abstimmung mit dem Betreuer, sodass hierbei zusätzliche Betreuungsgespräche vorgesehen sind. Damit stellt eine empirische Bearbeitung der Seminararbeit eine ideale Vorbereitung für eine spätere empirische Masterarbeit am IUR dar.

1.

Die Anwendung der International Financial Reporting Standards im Einzelabschluss – Eine kritische Analyse

Anforderungsprofil (konzeptionelle Bearbeitung):

Die Anwendung der IFRS im Einzelabschluss ist ein wiederkehrend diskutiertes Reformanliegen. Während der Konzernabschluss kapitalmarktorientierter Unternehmen verpflichtend nach IFRS aufzustellen ist, folgt der Einzelabschluss weiterhin grundsätzlich den Vorschriften des HGB. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Frage, ob den Unternehmen ein Wahlrecht zur befreienden Anwendung der IFRS im Einzelabschluss eingeräumt werden sollte. Diese Bestrebung berührt zentrale Fragen des Bilanzrechts, da der Einzelabschluss nach HGB neben der Informationsfunktion zugleich der Ausschüttungsbemessung (Gläubigerschutz) und der steuerlichen Gewinnermittlung (Maßgeblichkeitsprinzip) dient, die der International Accounting Standards Board als international ausgerichteter Standardsetzer nicht berücksichtigt. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel dieser konzeptionellen Seminararbeit, die Anwendung der IFRS im Einzelabschluss kritisch zu analysieren. Dabei kann auch auf ein Thesenpapier des DRSC eingegangen werden, das ein bedingtes Wahlrecht zur befreienden IFRS-Anwendung empfiehlt.

Literaturhinweis:

Schröder, T. (2026): Befreiende IFRS-Einzelabschlüsse in Deutschland – Diskussion von Wahlrechten vor dem Hintergrund der DRSC Evaluation, in: KoR, 26. Jg., Heft 3, 2026, S. 112–119.

2.

Der Einfluss der Landeskultur auf die Praxis der IFRS-Rechnungslegung – Eine kritische Analyse

Anforderungsprofil (konzeptionelle oder empirische Bearbeitung):

Die IFRS sind in zahlreichen Ländern verpflichtend anzuwenden und sollen weltweit eine vergleichbare und transparente Rechnungslegung gewährleisten. Trotz dieses einheitlichen Regelwerks bestehen die institutionellen und kulturellen Rahmenbedingungen der Anwenderländer fort, sodass sich die Frage stellt, inwieweit tatsächlich eine internationale Harmonisierung der Rechnungslegungspraxis erreicht wurde. So kann die Urteilsbildung einzelner Entscheidungsträger, etwa hinsichtlich Risikoaversion oder Wesentlichkeitsempfinden, kulturkreisspezifisch variieren und damit zu systematischen Anwendungsunterschieden führen. Ziel einer konzeptionellen Ausarbeitung dieses Themas ist es, den Einfluss der Landeskultur auf die IFRS-Bilanzierungspraxis unter Berücksichtigung verschiedener Kulturdimensionen kritisch zu würdigen. Die empirische Bearbeitung dieses Themas zielt darauf ab, zu untersuchen, ob sich zwischen Unternehmen aus unterschiedlichen Kulturkreisen messbare Unterschiede in der IFRS-Anwendung nachweisen lassen, beispielsweise im Rahmen des Impairment-Tests nach IAS 36.

Literaturhinweis (konzeptionelle Bearbeitung):

Ding, Y./Jeanjean, T./Stolowy, H. (2005): Why do national GAAP differ from IAS? The role of culture, in: The International Journal of Accounting, 40. Jg., Heft 4, 2005, S. 325–350.

Literaturhinweis (empirische Bearbeitung):

Fiori, G., di Donato, F., & Macciocchi, D. (2014). IFRS and international differences: an empirical analysis on their application worldwide, in: Corporate Ownership & Control, 11. Jg., Heft 2-6, 2014, S. 542–551.

3.

Die Bilanzierung von Kryptowerten im internationalen Vergleich – Eine kritische Analyse

Anforderungsprofil (konzeptionelle oder empirische Bearbeitung):

Die zunehmende Verbreitung von Kryptowerten und digitalen Vermögenswerten stellt die Rechnungslegung vor neue Herausforderungen, da diese Werte wie immaterielle Vermögenswerte nicht körperlich sind, zugleich aber häufig aktiv gehandelt werden und erheblichen Marktwertschwankungen unterliegen. Im Mittelpunkt steht die Frage nach dem Ansatz und der Folgebewertung dieser Werte, wobei sich die maßgeblichen Rechnungslegungssysteme deutlich unterscheiden. Während das HGB einer am Anschaffungskosten- und Niederstwertprinzip orientierten, vorsichtsgeprägten Bewertung folgt und die IFRS langfristig gehaltene Kryptowerte grundsätzlich als immaterielle Vermögenswerte erfassen, hat das US-amerikanische FASB für bestimmte Kryptowerte eine verpflichtende Bewertung zum Fair Value eingeführt. Hieraus ergibt sich ein grundlegender Konflikt zwischen einer am Vorsichts- und Gläubigerschutzgedanken ausgerichteten und einer auf Entscheidungsnützlichkeit zielenden Bilanzierung. Ziel einer konzeptionellen Ausarbeitung dieses Themas ist es, die existierenden Regelungen zur Bilanzierung und Bewertung von Kryptowerten kritisch zu analysieren. Eine empirische Ausarbeitung könnte beispielsweise auf Grundlage veröffentlichter Abschlüsse die Bilanzierungspraktiken von Unternehmen für Kryptowerte untersuchen und erforschen, welche Kapitalmarktwirkungen mit einer Fair-Value-Bewertung verbunden sind.

Literaturhinweis (konzeptionelle Bearbeitung):

Haller, A./Klostermann, A./Ziegler, S. (2025): Bilanzierung von crypto assets – Internationale Normierungsdiskussion und Berichterstattungspraxis, in: KoR, 25. Jg., Heft 6, 2025, S. 197–205.

Literaturhinweis (empirische Bearbeitung):

Anderson, C. M./Fang, V. W./Moon Jr., J. R./Shipman, J. E. (2026): Accounting for Cryptocurrencies, in: Journal of Accounting Research, 64. Jg., Heft 1, 2026, S. 45–79.

4.

Die Bilanzierung von Renditeimmobilien nach IAS 40 – Eine kritische Analyse

Anforderungsprofil (konzeptionelle oder empirische Bearbeitung):

Renditeimmobilien werden nach IAS 40 bilanziert, der den Unternehmen für die Folgebewertung ein Wahlrecht zwischen dem Anschaffungskosten- und dem Fair-Value-Modell einräumt. Obwohl der Standard seit Langem etabliert ist, bleibt seine Anwendung umstritten, da die Ermittlung des beizulegenden Zeitwerts erhebliche Ermessensspielräume eröffnet und Wertänderungen unmittelbar erfolgswirksam erfasst werden. Die Entwicklungen der letzten Jahre, wie Zinsänderungen und zunehmende Nachhaltigkeitsanforderungen, erhöhen die Unsicherheit der Bewertung und schlagen direkt auf die Vermögens- und Ertragslage durch. Damit verschärft sich der grundlegende Konflikt zwischen der Relevanz des Fair Values einerseits und seiner Verlässlichkeit, Vergleichbarkeit und Manipulierbarkeit andererseits. Ziel einer konzeptionellen Ausarbeitung ist es, die Bilanzierung von Renditeimmobilien nach IAS 40 vor diesem Hintergrund kritisch zu würdigen. Ziel einer empirischen Ausarbeitung ist es, die Bilanzierungspraxis ausgewählter Unternehmen zu analysieren und die Ergebnisse vor dem Hintergrund aktueller Entwicklungen zu diskutieren.

Literaturhinweis (konzeptionelle Bearbeitung):

Kleinmanns, H. (2016): Zeitwertbilanzierung bei Immobilienunternehmen im Spannungsfeld zwischen Entscheidungsrelevanz und glaubwürdiger Darstellung – Betrachtung von Herausforderungen und Problemen, in: PiR, 12. Jg., Heft 10, 2016, S. 282–287.

Literaturhinweis (empirische Bearbeitung):

Kühnberger, M./Thurmann, P. (2014): Bilanzielle Besonderheiten in den IFRS-Konzernabschlüssen bei deutschen Immobilien-AG, in: KoR, 14. Jg., Heft 7-8, 2014, S. 345–354.

5.

Die Nutzung von künstlicher Intelligenz in der Finanzberichterstattung – Eine kritische Analyse

Anforderungsprofil (konzeptionelle Bearbeitung):

Die Geschäftsberichte von Unternehmen werden zunehmend nicht mehr ausschließlich von menschlichen Adressaten wie Investoren oder Analysten gelesen, sondern in erheblichem Umfang von künstlicher Intelligenz verarbeitet, aggregiert und in neuen Kontexten weiterverwendet. Damit erweitert sich der Leserkreis der Unternehmensberichterstattung um nicht-menschliche Intermediäre, deren Selektionslogiken und Weiterverwendungspraktiken sich grundlegend von der klassischen, manuellen Informationsnutzung unterscheiden. Dies stellt etablierte Annahmen zur Zielgruppe, Wirkung und Gestaltung der Berichterstattung infrage und wirft zugleich Governance-Fragen auf, etwa zur Informationshoheit der Primärquelle und zur Gatekeeper-Funktion einzelner Plattformakteure. Ziel einer konzeptionellen Ausarbeitung ist es, die Rolle künstlicher Intelligenz als neuer Nutzer der Finanzberichterstattung kritisch zu analysieren und die Implikationen für die inhaltliche und technische Strukturierung digitaler Berichtsinhalte zu würdigen.

Literaturhinweis:

Zülch, H./Kirschbaum, L./Klammer, K./Barrantes, E./Kovarova-Simecek, M. (2026): Wer ist der neue Leser? Künstliche Intelligenz und die Transformation der Unternehmensberichterstattung, in: KoR, 26. Jg., Heft 3, 2026, S. 134–136.

6.

Der Zusammenhang zwischen Investorenaustausch auf Social Media und der Kapitalmarktwirkung von Gewinnbekanntgaben – Eine empirische Analyse

Anforderungsprofil (empirische Bearbeitung):

Mit dem Aufstieg von Plattformen wie X (vormals Twitter), Reddit und StockTwits hat sich der Informationsaustausch zwischen Anlegern zunehmend in soziale Medien verlagert. Die dort artikulierte Stimmung gilt als potenzieller Indikator für das Verhalten insbesondere von Privatanlegern und könnte Kursreaktionen erklären. Dabei handelt es sich um einen Zusammenhang, der durch das Phänomen der „Meme Stocks" zusätzlich an Sichtbarkeit gewonnen hat. Ziel dieser empirischen Seminararbeit ist es, den Zusammenhang zwischen der Intensität und der Stimmung des Investorenaustauschs auf Social Media und den Kapitalmarktreaktionen rund um Gewinnbekanntgaben zu untersuchen.

Literaturhinweis:

Chen, H./Yin, J. (2025): The Information Intermediary Role of Retail Investors: Evidence From the Subreddit WallStreetBets, Working Paper.

7.

Besonders wichtige Prüfungssachverhalte im Bestätigungsvermerk – Eine kritische Analyse

Anforderungsprofil (konzeptionelle oder empirische Bearbeitung):

Mit der Einführung der besonders wichtigen Prüfungssachverhalte (Key Audit Matters) wurde der zuvor weitgehend standardisierte Bestätigungsvermerk um unternehmensindividuelle, prüferseitig formulierte Angaben erweitert, die den Informationsgehalt des Vermerks erhöhen sollen. Vor diesem Hintergrund ist das Ziel einer konzeptionellen Ausarbeitung, die Funktion, Ausgestaltung und Wirksamkeit dieser Berichtspflicht kritisch zu analysieren. Eine empirische Ausarbeitung kann einerseits untersuchen, welche Determinanten mit der Anzahl und Art der Key Audit Matters zusammenhängen. Andererseits kann analysiert werden, welche Konsequenzen Key Audit Matters haben, wie etwa Kapitalmarktreaktionen oder Anpassungen des Unternehmensverhaltens.

Literaturhinweis (konzeptionelle Bearbeitung):

Ljubicic (2020): Key Audit Matters im Bestätigungsvermerk – Analyse der Berichtspraxis im Zeitverlauf bei im DAX, MDAX und SDAX gelisteten Unternehmen, in: KoR, 20. Jg., Heft 2, 2020, S. 76–83.

Literaturhinweis (empirische Bearbeitung):

Federsel, F. P./Hörner, S. (2025): Do Country Differences Matter? Key Audit Matter Disclosure and the Role of Country Attributes, in. European Accounting Review, 35. Jg., Heft 2, 2025, S. 377–413.

8.

Die Divergenz von Nachhaltigkeitsratings – Eine empirische Analyse 

Anforderungsprofil (empirische Bearbeitung): 

Nachhaltigkeitsratings gewinnen für Investitions- und Finanzierungsentscheidungen zunehmend an Bedeutung, da sie die Nachhaltigkeitsleistung eines Unternehmens vergleichbar machen sollen. Allerdings weisen die Nachhaltigkeitsratings zwischen den Anbietern erhebliche Divergenzen auf, sodass dasselbe Unternehmen unterschiedlich bewertet werden kann. Vor diesem Hintergrund zielt die empirische Seminararbeit darauf ab, im Rahmen einer Assoziationsstudie Determinanten oder Konsequenzen divergierender Nachhaltigkeitsratings zu analysieren. Dabei kann sich auf die Berichterstattung von Unternehmen oder Archivdaten gestützt werden. Ein entsprechender Datensatz mit Nachhaltigkeitsratings wird vom Lehrstuhl bereitgestellt.

Literaturhinweis:

Kimbrough, M.D./Wang, X./Wei. S./Zhang, J. (2026): ESG Rating Disagreement and ESG Disclosure: A Literature Review, in: International Journal of Accounting, Forthcoming.

9.

Die Kapitalmarktwirkung von Unternehmenszielen zur Dekarbonisierung – Eine empirische Analyse

Anforderungsprofil (empirische Bearbeitung):

Im Zuge des Klimawandels verpflichten sich immer mehr Unternehmen dazu, ihre Treibhausgasemissionen deutlich zu reduzieren oder gar Netto-Null-Ziele zu erreichen. Gleichzeitig beziehen Investoren klimabezogene Risiken zunehmend in ihre Entscheidungen ein und Berichtsstandards wie IFRS S2 und ESRS E1 treiben die Offenlegung klimabezogener Informationen und Transformationspläne voran. Ziel dieser empirischen Seminararbeit ist es, mithilfe einer Ereignisstudie zu untersuchen, ob die Ankündigung von Unternehmenszielen zur Dekarbonisierung eine messbare Kapitalmarktreaktion auslöst und ob kontextuelle sowie zielspezifische Faktoren wie zum Beispiel der Unternehmenssitz oder die Emissionsintensität mögliche Unterschiede in der Bewertung erklären.

Literaturhinweis:

Desai, H./Lam, P./Li, B./Rajgopal, S. (2023): An Analysis of Carbon-Reduction Pledges of U.S. Oil and Gas Companies, in: Management Science, 69. Jg., Heft 6, 2023, S. 3157–3758.

10.

Nachhaltigkeitsberichterstattung von kleinen und mittleren Unternehmen – Eine kritische Analyse

Anforderungsprofil (konzeptionelle oder empirische Bearbeitung):

Die Nachhaltigkeitsberichterstattung kleiner und mittlerer Unternehmen befindet sich derzeit in einem grundlegenden Umbruch. Durch das Omnibus-Verfahren der EU wurden die Schwellenwerte der CSRD deutlich angehoben, sodass ein Großteil der ursprünglich berichtspflichtigen Unternehmen aus der CSRD herausgefallen ist, über Banken, Kunden und Lieferketten aber weiterhin unter dem Druck zur Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen steht. Als pragmatische Antwort hat die EU-Kommission den von der EFRAG entwickelten freiwilligen Standard für die Nachhaltigkeitsberichterstattung (VS-Standard, zuvor VSME) empfohlen, dessen Entwurf eines delegierten Rechtsakts sich derzeit in der Konsultation befindet und dessen Verabschiedung für Mitte 2026 erwartet wird. Zusätzliche Bedeutung erlangt der VS-Standard dadurch, dass berichtspflichtige Unternehmen entlang ihrer Wertschöpfungskette von kleineren Zulieferern nur noch im Rahmen des Standards (sog. Value Chain Cap) Informationen abfragen dürfen. Ziel einer konzeptionellen Ausarbeitung ist es, die Relevanz der Nachhaltigkeitsberichterstattung für kleine und mittlere Unternehmen zu würdigen. Dabei kann auch auf die Chancen, Grenzen und praktischen Herausforderungen einer freiwilligen Nutzung des VS-Standards eingegangen werden. Eine empirische Ausarbeitung zielt hingegen darauf ab, die Berichterstattungspraxis von kleinen und mittleren Unternehmen und deren Determinanten zu untersuchen.

Literaturhinweis (konzeptionelle Bearbeitung):

Baumüller, J./Ripka, A./Wagner, K. (2026): Nachhaltigkeitsberichterstattung nach dem VSME: Kernregelungen auf dem Prüfstand, in: PiR., 22. Jg., Heft 5, 2026, S. 128–133.

Literaturhinweis (empirische Bearbeitung):

Cardoni, A./Kiseleva, E. (2024): Do SMEs have an ESG communication strategy? Exploring the quality and influencing factors of voluntary ESG disclosures using web-based and annual report channels, in: Business Strategy and the Environment, 34. Jg., Heft 1, 2024, S. 1267–1286.

11.

Kostenmanagement nach exogenen Schocks – Eine kritische Analyse

Anforderungsprofil (konzeptionelle Bearbeitung):

Exogene Schocks stellen das Kostenmanagement vor besondere Herausforderungen, da Kosten häufig nicht symmetrisch mit der Beschäftigung reagieren, sondern eine Kostenremanenz auftritt. Unternehmen können diesem Problem mit unterschiedlichen Reaktionen begegnen, etwa der Flexibilisierung der Kostenstruktur, dem gezielten Kapazitätsmanagement oder Absicherungsstrategien gegenüber Preisrisiken. Als aktuelles Beispiel dient die Luftfahrtbranche, in der infolge des Iran-Kriegs die Kerosinpreise deutlich gestiegen sind und die Unternehmen mit Maßnahmen wie Kapazitätskürzungen, Preisanpassungen und unterschiedlich starker Treibstoffabsicherung reagieren. Ziel dieser konzeptionellen Arbeit ist es, das Kostenmanagement nach exogenen Schocks kritisch zu analysieren. Dabei kann beispielsweise untersucht werden, welche Auswirkungen die Kostenremanenz auf die Kostenstruktur hat und mit welchen Steuerungs- und Reaktionsmaßnahmen Unternehmen ihr begegnen können.

Literaturhinweis:

Overlack, B. (2024): Krisenbewältigung durch effektives Kostenmanagement, in: Controlling & Management, 68. Jg., Heft 3, 2024, S. 26–33.

12.

Szenariobasierte Steuerung in einem volatilen Umfeld – Eine kritische Analyse

Anforderungsprofil (konzeptionelle Bearbeitung):

In einem von geopolitischen Spannungen, volatilen Energie- und Rohstoffpreisen sowie Zins- und Lieferkettenunsicherheiten geprägten Umfeld stößt eine auf Punktprognosen beruhende Planung zunehmend an ihre Grenzen. Die szenariobasierte Steuerung bietet hier einen Ansatz, um unter Unsicherheit alternative Zukunftsentwicklungen systematisch abzubilden und die Steuerung robuster zu gestalten. Ziel dieser konzeptionellen Arbeit ist es, die Methodik der Szenarioanalyse sowie ihre Eignung als Steuerungsinstrument in volatilen Umfeldern kritisch zu würdigen, einschließlich ihrer Möglichkeiten und Grenzen bei der Integration in die Unternehmensplanung und -steuerung.

Literaturhinweis:

Wulf, T./Stubner, S./Meißner, P./Brands, C. (2012): Szenariobasierte strategische Planung in volatilen Umfeldern, in: Controlling & Management, 56. Jg., Sonderheft 2, 2012, S. 34–38.

13.

Anreizstrukturen in der Vorstandsvergütung – Eine empirische Analyse

Anforderungsprofil (empirische Bearbeitung):

Die Vergütung von Vorständen setzt sich aus verschiedenen Komponenten zusammen, die jeweils an finanzielle, marktbasierte oder zunehmend auch nichtfinanzielle Ziele wie die Reduktion von Emissionen geknüpft sind. Insbesondere die wachsende Bedeutung nichtfinanzieller Ziele wird kontrovers diskutiert, da sie zwar als notwendiges Instrument zur Steuerung der nachhaltigen Transformation verstanden werden können, aber zugleich im Verdacht stehen, als leicht erreichbare Ziele steigende Auszahlungen zu legitimieren. Ziel dieser empirischen Seminararbeit ist es, die Vergütungs- und Zieldaten anhand ausgewählter Unternehmen auszuwerten, um zu untersuchen, wofür und wie Vorstände vergütet werden. Dabei kann nach Branchen-, Vorstands- und Unternehmenscharakteristika unterschieden werden.

Literaturhinweis:

Cohen, S./Kadach, I./Ormazabal, G./Reichelstein, S. (2023): Executive Compensation Tied to ESG Performance: International Evidence, in: Journal of Accounting Research, 61. Jg., Heft 3, 2023, S. 805–853.

14.

Die Kapitalmarktwirkung von Ankündigungen zur Restrukturierung – Eine empirische Analyse

Anforderungsprofil (empirische Bearbeitung):

In einem Umfeld erhöhter Marktunsicherheit und zunehmender Orientierung an marktbasierten Signalen bei unternehmerischen Entscheidungen gewinnt die Frage an Bedeutung, wie Kapitalmärkte auf die Ankündigung von Restrukturierungen reagieren. Ziel dieser empirischen Seminararbeit ist es, die Kapitalmarktwirkung solcher Ankündigungen zu untersuchen, beispielsweise anhand abnormaler Renditen der Ankündigung von M&A-Transaktionen, Personalabbau, Schließung von Werken oder Standortverlagerungen. Alternativ kann analysiert werden, inwieweit diese initiale Investorenreaktion einen informativen Indikator für den späteren Abschluss oder Rückzug der Transaktion darstellt.

Literaturhinweis:

Vijh, A. M. (1999): Long-term returns from equity carveouts, in: Journal of Financial Economics, 51. Jg., Heft 2, 1999, S. 273–308.