Diskussionspapier des Instituts für Organisationsökonomik 3/2026
Individual Skill or Just Luck?
Decomposing Individual Finishing and Shot-Stopping Performance in European Football
Tom Böttger/Lars Vischer
März 2026
Zusammenfassung
Individuelles Können oder einfach nur Glück?
Zerlegung individueller Torabschluss- und Torwartleistung im europäischen Fußball
Erwartete Tore (xG) sind mittlerweile ein zentraler Maßstab zur Bewertung von Leistung im Fußball. Ob Spieler, die ihre xG-Werte regelmäßig übertreffen, dies aufgrund von Können oder Zufall tun, ist jedoch ungeklärt. Diese Arbeit liefert die erste metaanalytische Schätzung der Heterogenität zwischen Spielern im Torabschluss und in der Torwartleistung und erweitert da mit die Dekomposition von Können und Zufall auf Teamebene von Holzmeister & Johannesson (2025) auf die individuelle Spielerebene. Grundlage sind Daten aus der English Premier Lea gue, La Liga, Bundesliga, Serie A und Ligue 1 über acht Spielzeiten (2017/18–2024/25) mit insgesamt 3.202 Feldspieler-Saisons und 932 Torwart-Saisons. Mithilfe einer REML-Random Effects-Meta-Analyse zeigen wir, dass die Heterogenität zwischen Spielern 6,75–29,95 % der Gesamtvarianz in der Abschluss-Überperformance erklärt (durchschnittliches I² ≈ 21 %) und 7,69–34,34 % bei Torhütern (durchschnittliches I² ≈ 25 %). Können ist nachweisbar, fällt aber gering aus. Eine ergänzende Regressionsanalyse zur Persistenz zeigt, dass ein Teil der Über performance in die Folgesaison übertragen wird. Das gilt sowohl für Feldspieler (β = 0,110, p < 0,01) als auch für Torhüter (β = 0,185, p < 0,01). Daraus lässt sich ableiten, dass etwa 52 % des Abschluss-Signals von einer Saison zur nächsten erhalten bleiben. Bei Torhütern sind es rund 74 %. Eine einzelne Saison xG-Überperformance ist damit zu verrauscht, um individuelles Können verlässlich abzubilden. Eine belastbare Einschätzung erfordert Beobachtungen über mehrere Spielzeiten.