Abgeschlossene Projekte

  • Gab es in Deutschland eine Fleißrevolution? Löhne und Arbeitsmarkt auf ländlichen Besitzkomplexen, 17.-19. Jahrhundert

    Das von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG)  geförderte Projekt beschäftigt sich mit der Frage nach der Existenz einer Fleißrevolution in Deutschland, genauer der langfristigen Entwicklung des individuellen Arbeitseinsatzes gemessen in Stunden oder Tage pro Jahr. Das Vorhaben vergleicht hierzu Löhne für Arbeitsverträge von unterschiedlicher Zeitdauer, konkret Tagelöhne und Gesindelöhne in der deutschen Landwirtschaft vom 17. zum 19. Jahrhundert. Falls junge Menschen zwischen Tagelohn und der Anstellung als Knecht oder Magd Arbitrage betrieben, so entspricht der Quotient zwischen Gesindelohn und Tagelohn der Anzahl der jährlichen Arbeitstage. Dieser Ansatz erfordert eine Analyse ländlicher Arbeitsmärkte nicht nur im Hinblick auf den Geldlohn für unterschiedliche Typen von Arbeit, sondern auch bezüglich der Formen der Naturalentlohnung sowie der vorherrschenden Vertragsformen, unter Einschluss von deren Einbettung in interlocking markets und Agrarinstitutionen, die je nach Region in unterschiedlichem Ausmaß auch Zwangsarbeit vorsehen (Frondienste, Gesindezwang). Das Vorhaben unternimmt hierzu unterschiedlich aggregierbare lokale Mikroanalysen auf der Grundlage der Rechnungsbücher von ca. zwanzig adeligen Besitzkomplexen, die räumlich über ganz Deutschland verteilt sind.
  • Konsumrevolution und Wandel des Konsums von Haushalten im Spiegel von Nachlassverzeichnissen (frühes 16. bis frühes 19. Jahrhundert, Nordwestdeutschland)

    Das  von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderte Projekt untersucht, in wie weit die These einer frühmodernen Konsumrevolution für das nordwestdeutsche Binnenland zutrifft. Unter Konsumrevolution wird dabei die Neuorientierung der Bedarfsdeckung frühmoderner Haushalte von einer primär subsistenzorientierten Hauswirtschaft zu einem auf Marktprodukte ausgerichteten ökonomischen Verhalten verstanden. Es basiert auf der Analyse von Nachlassinventaren und der in ihnen widergespiegelten materiellen Kultur frühneuzeitlicher Haushalte. Das Projekt strebt die Auswertung mehrerer kontrastierender Untersuchungsgebiete aus dem westfälischen Münsterland an, die sich durch unterschiedliche Faktoren, wie variierender gewerblicher Durchdringung, sozioökonomischem Setting und Entfernung zu städtischen Zentren, unterscheiden.
     
  • Marktkonatkte adeliger Güter in Rheinland, Westfalen und Lippe, 1650-1850

    Das Projekt untersucht anhand von Getreideverkäufen Marktkontakte von fünf bis sechs adeligen Gütern in Westfalen, Lippe und im Rheinland für den Zeitraum 1650 bis 1850. Die alltägliche Getreidewirtschaft dieser adeligen Betriebe diente als Fundament regionaler Marktwirtschaft und -gesellschaft. Zunächst stehen daher Preise und Volumen im Fokus, darüber hinaus aber auch die Vorratshaltung von Getreide zur Identifizierung von paternalistischen oder rationale Betriebszielen und die Betriebsführung der Güter im Allgemeinen. Der Vergleich mehrerer Güter soll Aufschluss über Korrelate zwischen qualitativen Merkmalen regionaler Entwicklung und Merkmalen der Marktkontakte einzelner Güter liefern.
  • Netzwerke im ländlichen Raum

    Das Projekt hat für einen ländlichen Kontext des 19. Jahrhunderts erstens familiäre Strategien insbesondere mit Blick auf intergenerationelle Ressourcentransfers, bäuerliches  Heiratsverhalten und die Konstruktion sozialer Netzwerke insbesondere auch der unterbäuerlichen Schichten untersucht.  Zweitens wurden die Vermögensstrategien ländlicher Akteure im Kontext der Entwicklung von Kreditmärkten und –institutionen und der Ablösung grundherrlicher Lasten untersucht. Wichtige Ergebnisse waren zum einen die Relativierung der These einer ‚ländlichen Klassengesellschaft‘ durch den Nachweis einer zumindest in einem der untersuchten Kirchspiele ausgeprägten sozialen Vernetzung über Schichtengrenzen hinweg. Ein weiteres zentrales Ergebnis betrifft die Identifizierung bäuerlicher und unterbäuerlicher Familienstrategien, die jenseits empirisch kaum nachgewiesener Konzepte wie der ‚patriarchalen Stammfamilie‘ ausgeprägte Vorstellungen von inter- wie intragenerationeller Gerechtigkeit deutlich werden ließen. Es konnte auch gezeigt werden, dass die an historischem Material noch kaum erprobte formale Analyse sozialer Netzwerke sich auch für eine Untersuchung historischer Gesellschaften erfolgreich heranziehen lässt. Die Untersuchung von Vermögensstrategien der ländlichen Bevölkerung in Lebenslauf und Familienzyklus verweist auf die Bedeutung von familialen Transfers, Hypothekenkrediten, Sparguthaben, Sparkassenkrediten und Landkäufen und –verkäufen.

    Bracht, Johannes: "Reform auf Kredit: Grundlastenablösung in Westfalen und ihre Finanzierung durch Rentenbank, Sparkasse und privaten Kredit (1830-1866)." Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 54
    (2006): 55-78.
    Bracht, Johannes: "Abschied von der hohen Kante? Zur Bedeutung der frühen Sparkasse für ländliche Kapitalmärkte und Wirtschaftsbeziehungen am Beispiel Westfalens (1830-1866)", in: Ira Spieker, Elke Schlenkrich, Johannes Moser and Martine Schattkowsky (Hg.), UnGleichzeitigkeiten.
    Transformationsprozesse in der ländlichen Gesellschaft der (Vor-)Moderne (Dresden 2008), 37-60
    Bracht, Johannes: "Criteri formali, esperienza personale e conoscenza delle istituzioni: La concessione di crediti in una cassa di risparmio di una piccola città tedesca (1830-1866)." Quaderni storici 46, no. 2 (2011): 491-512.
    Bracht, Johannes: Geldlose Zeiten und überfüllte Kassen – Sparen, Leihen und Vererben in der ländlichen Gesellschaft Westfalens (1830-1866) (Stuttgart 2013).
    Bracht, Johannes: "Mit institutionellem Wissen gegen private Konkurrenz. Zur Kreditvergabe einer deutschen Kleinstadt-Sparkasse, 1830-1866."Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte 101, no. 2 (2014): 139-53.
    Bracht, Johannes, and Georg Fertig: "Wann sich verschulden, wann sparen? Vermögensstrategien und Lebenslauf im ländlichen Westfalen des 19. Jahrhunderts", in: Gabriele B. Clemens (Hg.), Schuldenlast und Schuldenwert. Kreditnetzwerke in der europäischen Geschichte 1300-1900 (Trier 2008), 177-91.
    Bracht, Johannes, and Georg Fertig: "Lebenszyklus, Alterssparen und Familie in der liberalen Marktgesellschaft des 19. Jahrhunderts: Ein ländliches Beispiel", in: Thomas Sokoll (Hg.), Soziale Sicherungssysteme und demographische Wechsellagen: Historisch-vergleichende Perspektiven (1500 - 2000) (Berlin 2011), 198-220.
    Fertig, Christine: "Kreditmärkte und Kreditbeziehungen im ländlichen Westfalen (19. Jh.): Soziale Netzwerke und städtisches Kapital", in: Gabriele B. Clemens (Hg.), Schuldenlast und Schuldenwert.Kreditnetzwerke in der europäischen Geschichte 1300-1900 (Trier 2008), 161-75.
    Fertig, Christine: "Rural Society and Social Networks in Nineteenth-Century Westphalia: The Role of Godparenting in Social Mobility." Journal of Interdisciplinary History 39 (2009): 497-522.
    Fertig, Christine: Familie, verwandtschaftliche Netzwerke und Klassenbildung im ländlichen Westfalen (1750-1874), Quellen und Forschungen zur Agrargeschichte (Stuttgart 2012).
    Fertig, Christine: "Soziale Netzwerke und Klassenbildung in der ländlichen Gesellschaft. Eine vergleichende Mikroanalyse (Westfalen, 1750–1874)." Archiv für Sozialgeschichte 54 (2014): 25-53.
    Fertig, Christine: "Verwandte Paten und wohlhabende Freunde. Soziale Netzwerke im ländlichen Westfalen des 18. und 19. Jahrhunderts", in: Christine Fertig and Margareth Lanzinger (Hg.), Beziehungen, Vernetzungen, Konflikte. Perspektiven Historischer Verwandtschaftsforschung (Wien 2016), 185-208.
    Pfister, Ulrich, Johannes Bracht, Christine Fertig, and Georg Fertig: "Life course strategies, social networks, and market participation in nineteenth-century rural Westphalia: An interpretative essay", in: Georg Fertig (Hg.), Social Networks, Political Institutions, and Rural Societies (Turnhout 2015), 89-124.

     

  • Das Wachstum der sächsischen Landwirtschaft, 1750–1880

    Gemeinsam mit PD Dr. Michael Kopsidis, IAMO Halle

    Kurzbeschreibung: Schlussbericht an die DFG

    Manuskripte und Arbeitspapiere:

  • Informationen zu weiteren abgeschlossenen Projekten