Arbeitspapier Nr. 70

Evaluation der Leistungen – eine große Herausforderung für soziale Einrichtungen. Entwicklung eines Evaluationsleitfadens durch die Integration sozialwissenschaftlicher und betriebswirtschaftlicher Erkenntnisse

Gerhard Schewe / Ann-Marie Nienaber / Jan Tietmeyer / Dorothee Jung

Der steigende Legitimationsdruck sozialer Einrichtungen ist das Resultat eines gesellschaftli-chen Wandels „von einer trust me- hin zu einer show me-culture“. Die Modernisierung der Verwaltungssteuerung, die Reform der Sozialgesetzgebung und die gesetzlichen und wirtschaftlichen Veränderungen im Zuge der europäischen Harmonisierungsbestrebungen bewirken zusätzlich einen deutlichen Ökonomisierungsdruck. Diese veränderten Rahmenbedingungen führen dazu, dass die sozialen Einrichtungen vor der neuen Herausforderung stehen, eine effektive und effiziente Mittelverwendung nachweisen zu müssen. Dabei geht es nicht nur um einen sparsamen Mitteleinsatz, sondern besonders um eine transparente Darlegung der Auswirkungen ihres Handelns. Neben den Wirkungen, die bei den einzelnen Leistungsempfängern eintreten, entsteht ein sozialer Mehrwert auf gesamtgesellschaftlicher Ebene. Um diese Wirkungskette von der Erbringung der sozialen Leistung bis zum gesellschaftlichen Mehrwert messen zu können, bedarf es einer besonderen Form der Evaluation.

Daher wurde ein Konzept entwickelt, das die Vorzüge einer methodisch fundierten Evaluation mit den Stärken einer SROI-Kennzahl vereint. Auf diese Weise wird die sozialwissenschaftliche Tiefe einer Evaluation mit der betriebswirtschaftlichen Rationalität verbunden. Der hierfür entworfene Evaluationsleitfaden baut auf den Erkenntnissen auf, die durch die Betrachtung der Besonderheiten der sozialen Einrichtungen und der Merkmale einer Evaluation gewonnen werden konnten. Es handelt sich dabei um einen Stakeholder-orientierten Ansatz, bei dem alle Anspruchsgruppen identifiziert werden und in die Evaluation einzubeziehen sind. Von zentraler Bedeutung des Evaluationskonzepts ist die Erläuterung der individuellen und gesellschaftlichen Wirkungen anhand einer Wirkungskette. Ein weiteres Kernelement stellt die Berechnung des SROI dar, mit dessen Hilfe alle monetarisierbaren Werte in aggregierter Weise dargestellt werden.