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Relationale bzw. implizite Verträge unterscheiden sich von klassischen und neoklassischen Verträgen. Klassische Verträge sind punktuell und dienen meist als Grundlage für einen einmaligen Kauf. Sie sind vollständig formuliert. Bei Konflikten erfüllen Gerichte die Aufgabe der standardisierten Konfliktlösung. Bei neoklassischen Verträgen handelt es sich ebenfalls um explizite, zumeist fixierte Vereinbarungen. Sie dienen jedoch für Transaktionen, die sich über einen längeren Zeitraum erstrecken, sodass unter Umständen Änderungen im Vertrag notwendig werden. Im Fall von Konflikten wird der Vertragstext von Dritten, Schlichtern und Experten, interpretiert. Relationale Verträge sind für solche, die langfristig gelten sollen und daher mit Unsicherheit belastet. Sie enthalten Lücken und Interpretationsspielräume und bedürfen der gemeinsamen Weiterentwicklung bei Konflikten und unvorhergesehenen Ereignissen. Sie enthalten also implizite Vertragsbestandteile.

Unternehmenskooperationen werden meistens mit Hilfe von relationalen Verträgen besiegelt. Diese Vertragsverhältnisse abstrahieren gänzlich von dem Gedanken der Formulierung vollständiger Verträge. Sie verkörpern Rahmenverträge, die auf einem gegenseitigen Abhängigkeitsbewusstsein beruhen und für langfristig ausgelegte Leistungsbeziehungen geschlossen werden. Die Identität der Vertragspartner hat hier einen großen Stellenwert, da sich der Vertrag erst über die Entwicklung ihrer Beziehung in vollem Umfang erschließen lässt. Folglich gewinnen soziale Interaktionen und implizite Vereinbarungen zwischen den Vertragspartnern an Bedeutung. Aufgrund der häufig informalen Anpassung der Vertragsbeziehung an veränderte Rahmenbedingungen, entzieht sich die Vertragsbeziehung vielfach einer externen Beurteilung anhand formaler Kriterien (z.B. durch Richter oder Schlichter). Konflikte können deshalb einfacher ohne die Einmischung Dritter bilateral zwischen den Vertragspartnern bereinigt werden, da nur die Beteiligten in der Lage sind "im Geiste des Vertrages" und gestützt von gemeinsam entwickelten Normen und Werten eine Einigung herbeizuführen.

Implizite Verträge sind Vereinbarungen, die auf gemeinsamen Werten beruhen. Somit werden implizite Verträge nicht explizit formuliert, sondern auf ihrer Grundlage entwickeln sich weitere regulierende Normen im Laufe einer Zusammenarbeit. Diese strukturieren das Zusammenwirken der Vertragspartner. Bei impliziten Verträgen wird im Fall von Konflikten nicht der ursprüngliche Vertragstext herangezogen, sondern alle formellen und informellen Regeln, die sich im Zuge der Weiterentwicklung herausgebildet haben.

Literaturhinweis: RICHTER, R./FURUBOTIN, E. G. (2003), Neue Institutionenökonomik, S.182ff. & 263ff.


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