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Allgemeine Definition von Institutionen:

Institutionen sind Systeme von verhaltenssteuernden Regeln, die menschliche Interaktionen gemäß einer Leitidee ordnen, für längere Zeit und einen größeren Kreis von Menschen gelten und deren Beachtung auf unterschiedliche Art und Weise durchgesetzt wird.

Spezielle Definition von Institutionen:

DIETL unterscheidet fundamentale von sekundären Institutionen. Fundamentale Institutionen entstehen in einem langwierigen evolutorischem Prozess. Sie sind nicht das Ergebnis rational planender Vernunft, sondern das Resultat menschlicher Interaktion. Solche Institutionen haben eine starke Bindungskraft und legen grundsätzliche Handlungsrechte und -pflichten fest, wie z.B. Sprache, Religion und Menschenrechte. Sie bilden die Rahmenbedingungen für alle nachgelagerten, sekundären Institutionen. Sekundäre (abgeleitete) Institutionen sind auf einen bestimmten Zweck ausgerichtete Regelungen, deren Spielräume durch die nächst höhere institutionelle Ebene eingeschränkt werden. Sie lassen sich bewusst gestalten. Bspw. ist das Genossenschaftsrecht eine sekundäre Institution, welche den Rahmen für weitere sekundäre Institutionen, die Grundlage und Ausgestaltung von Genossenschaften, bildet. Der Verstoß fundamentaler und sekundärer Institutionen wird durch externes Sanktionspotential, z.B. Gesetze, sanktioniert.

NORTH differenziert informelle und formelle Institutionen. Informelle Institutionen umfassen z.B. Sitten, Gebräuche und Traditionen, die eine hohe interne Bindungskraft aufweisen. Sie werden von der Gemeinschaft aus eigenem Antrieb befolgt. Ihre implizite Natur ist für NORTH von entscheidender Bedeutung. Formelle Institutionen sind dagegen gestaltete, schriftlich fixierte Spielregeln, etwa Gesetze oder Verträge. In Abgrenzung zu Institutionen betrachtet NORTH Organisationen, wie z.B. Unternehmungen, Kooperationen oder Parteien. Diese Organisationen sind die Spieler, die im Rahmen der vorgegebenen Institutionen handeln. Zwischen den Organisationen und den Institutionen bestehen allerdings auch Wechselwirkungen, die zu einer schrittweisen Veränderung des institutionellen Gefüges führen können. Die fundamentalen Institutionen von DIETL entsprechen im Wesentlichen den informellen Institutionen von NORTH. Demgegenüber können die sekundären Institutionen entweder den formellen Institutionen oder den Organisationen nach NORTH zugeordnet werden.

WILLIAMSON ordnet Institutionen in eine Institutionenhierarchie mit vier Ebenen ein. Die Ebene der institutionellen Einbettung, der "social embeddness", bildet die Grundlage. Sie umfasst informelle, nicht schriftlich festgehaltene Institutionen. Diesen Institutionen der ersten Ebene ist eine starke Beharrungskraft immanent, sie verändern sich nur sehr langsam. Ab der zweiten Ebene haben Institutionen formellen Charakter. Die zweite Ebene der WILLIAMSONSCHEN Institutionenhierarchie enthält den institutionellen Rahmen einer Gesellschaft, also grundsätzliche, formelle Spielregeln. Institutionen dieser Ebene weisen teils evolutorische, teils konstruktivistische Element auf (z.B. Verfassungen, Eigentumsrechte, Gesetze, Aufgaben des Staates). Auf der dritten Ebene sind die Governance-Strukturen anzusiedeln, d.h. die Steuerungs- und Anreizsysteme, die Vertragsbeziehungen regeln. Die Organisation wirtschaftlicher Transaktionen, z.B. durch Märkte, Kooperationen, Unternehmen oder Märkte lässt sich dieser Ebene zuordnen. Die vierte Ebene beschäftigt sich schließlich mit neoklassischen Optimierungsansätzen. Im gegebenen institutionellen Rahmen sind Verträge zu formulieren, die eine optimale Ressourcenallokation gewährleisten. (siehe folgende Tabelle)

Ebene Theoretische Basis
Institutionelle Einbettung Gesellschaftstheorie, Soziologie, Wirtschaftsgesichte
Institutioneller Rahmen Property-Rights-Theorie, Neue Politische Ökonomie
Governancestrukturen Transaktionskostenökonomie
Ressourcenallokation Vertragstheorie, Principal-Agent-Theorie, Neoklassik

In Anlehnung an Williamson (2000), The New Institutional Economics: Taking Stock, Looking Ahead; in Journal of Economic Literature 38, S. 597

Ökonomische Funktionen von Institutionen:

Die Neue Institutionenökonomik beschäftigt sich mit der Ausgestaltung von Institutionen. Alle menschlichen Entscheidungen werden unter Unsicherheit getroffen. Diese Unwissenheit über zukünftige Umweltzustände führt zu Fehlallokationen von Ressourcen, ist also ein grundlegendes ökonomisches Problem. Institutionen erfüllen ökonomische Funktionen, durch die Fehlallokationen reduziert werden: (a) eine erwartungsbildende und -stabilisierende Funktion sowie (b) eine flexibilitätserhöhende Funktion.

(a) Institutionen schließen bestimmte Verhaltensweisen von Akteuren aus - die Anzahl möglicher Umweltzustände wird folglich reduziert, Verhaltensweisen innerhalb bestimmter Grenzen werden erwartet. Genossenschaftsmitglieder können bspw. erwarten, dass ihr Erwerb und ihre Wirtschaft durch die Genossenschaft gefördert werden; diese Erwartungen werden aufgrund der Institution des Genossenschaftsgesetzes §1 Abs. 1 gebildet. Institutionen sind mit Sanktionspotential ausgestattet - wird gegen eine Institution verstoßen, besteht die Möglichkeit der Bestrafung. Erwartungen, die an eine Institution geknüpft sind, sind folglich stabil. Verstößt so z.B. der Vorstand einer Genossenschaft gegen die Sorgfaltspflicht, erleiden also Genossenschaftsmitglieder Schaden, kann er nach §34 Abs. 2 GenG dafür als Gesamtschuldner haftbar gemacht werden.

(b) Auf der anderen Seite wirken Institutionen flexibilitätserhöhend. Durch Institutionen erlangen die Individuen größere Handlungsspielräume. Die Institution eines virtuellen Unternehmensnetzwerkes ermöglicht den beteiligten Firmen eine flexiblere Reaktion auf geänderte Umweltbedingungen - so ist z.B. eine speziellere Kundenbedürfnisbefriedigung ohne die Aufwendung evtl. prohibitiv hoher Transaktionskosten möglich, da diese u.a. durch die Kernkompetenzen der teilnehmenden Unternehmen gesenkt wurden.

Eine andere Typologisierung versteht unter den Funktionen von Institutionen die Informations- und Wertmaßstabsfunktion (Was ist wichtig und richtig?), die Anreiz- und Steuerungsfunktion, die Koordinationsfunktion (Zusammenführung individueller Interessen) sowie die Kohäsionsfunktion (Institutionen definieren Gesellschaft; hierdurch werden Gesellschaften zusammengehalten und gegenüber anderen Gesellschaften abgegrenzt).


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