A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z
HomePage Reload page Edit Versions

Als feindliche Übernahme (engl. hostile takeover) wird im Grundsatz ein Unternehmenskauf, bzw. der Erwerb einer qualifizierten Mehrheit durch einen Investor beschrieben, wobei ein solcher Prozess - im Gegensatz zur freundlichen Übernahme (engl. friendly takeover) - ohne die Zustimmung des aktuellen Managements (Vorstand, Aufsichtsrat) erfolgt. Der Übernahmeversuch definiert sich somit konkret über ein direktes und meist auch öffentlich kommuniziertes Angebot an die Unternehmenseigentümer (z. B. Aktionäre). Anders als z. B. in den USA ist die faktische Bedeutung feindlicher Übernahmen in Deutschland bislang jedoch als relativ gering einzustufen.

Neben der in der Öffentlichkeit meist vorherrschenden, negativen Wertung von feindlichen Übernahmen existieren in der ökonomischen Forschung unterschiedliche Legitimationsansätze. Als Hauptvertreter der institutionenökonomisch geprägten Literatur weisen Mitchell/Lehn (1990) empirisch nach, dass die theoretische Möglichkeit eines feindlichen Übernahmeversuchs eine Selbstdisziplinierung des potentiellen Zielmanagements darstellt und auf diese Weise die Kosten der externen Kontrolle (monitoring costs) senkt. Shleifer/Vishny (1988) begründen auf Grundlage der Prinzipal-Agent-Theorie, dass die feindliche Übernahme eine Möglichkeit zur Synchronisierung von Management- und Aktionärsinteressen im Hinblick auf wertsteigernde Entscheidungen birgt. Positiv formuliert initiieren feindliche Übernahmeversuche somit einen Wettbewerb um Managementpositionen innerhalb des Unternehmens, welcher im Zuge der kapitalmarkttheoretischen Corporate Governance-Diskussion als "Proxy-Contest" bezeichnet wird.

Ungeachtet möglicher Effizienzgewinne wurden im Verlauf der letzten Jahrzehnte verschiedene Abwehrstrategien seitens der Zielunternehmen (speziell des Managements) entwickelt. Zu differenzieren sind hierbei präventive Maßnahmen vor der konkreten Bedrohung (z. B. "Golden Parachutes" oder "Poison Pills") sowie reaktive Maßnahmen nach einem Übernahmeangebot (z. B. "Pac-Man-Abwehr" oder "White Knight"). Zu beachten ist hierbei jedoch, inwiefern die getroffenen Maßnahmen mit dem jeweils geltenden Wettbewerbsrecht vereinbar sind.

Literaturhinweis:

Jansen, S. A. (2016): Mergers & Acquisitions, 6. Auflage, Wiesbaden, S. 150 ff.

Mitchell, M. L./Lehn, K. (1990): Do Bad Bidders Become Good Targets?, Journal of Political Economy, 98 (2), S. 372-398.

Shleifer, A./Vishny, R. W. (1988): Value Maximization and the Acquisition Process, Journal of Economic Perspectives, 2 (1), S. 7-20.

Wirtz, B. W. (2017): Mergers & Acquisitions Management, 4. Auflage, Wiesbaden, S. 21 ff.



A   B   C   D   E   F   G   H   I   J   K   L   M   N   O   P   Q   R   S   T   U   V   W   X   Y   Z
HomePage Reload page Edit Versions

Impressum | © 2013 IfG Münster
IfG Münster
Am Stadtgraben 9 · 48143 Münster
(0251) 83-2 28 90 (Telefon) · (0251) 83-2 28 04 (Fax)