Forschungscluster I: Institutionenökonomische Analysen

Effizienzvergleich von Entflechtungskonzepten für das Stromnetz


Stromnetze unterliegen stets einer staatlichen Regulierung. Auf Grund der Größenvorteile beim Bau der Netze ist es ökonomisch rational, stets nur ein Netz zu errichten, das bezüglich seiner Kapazität die gesamte Stromübertragungsnachfrage befriedigen kann. Stromnetze bilden daher ein natürliches Monopol. Da sowohl Stromproduzenten als auch Stromanbieter zwingend das Netz benutzen müssen, besteht für den monopolistischen Netzeigentümer die Möglichkeit zu deren Ausbeutung.

In vielen europäischen Strommärkten, auch im deutschen, sind zusätzlich Stromproduzenten mit hohen Marktanteilen und Netzeigentümer identisch. Das verstärkt die Missbrauchsmöglichkeiten, da z.B. Strom aus eigenen Kraftwerken bevorzugt über die Netze zum Stromverbraucher geleitet werden könnte. Aus diesem Grund hat auf Initiative der EU-Kommission im August 2009 das dritte Legislativpaket für den europäischen Energiemarkt Gültigkeit erlangt. Ein Hauptbestandteil des Paketes sind Vorschriften für die Entflechtung der Stromnetze aus den großen integrierten Stromkonzernen. Die Netze sollen bezüglich Eigentum, Betrieb oder Management stärker von ihren Mutterkonzernen abgetrennt werden, um so möglichen Marktmissbrauch zu verhindern. Hierfür gab es zwar bereits in der Vergangenheit gesetzliche Vorgaben, das dritte Legislativpaket verschärft diese jedoch deutlich.

In der Richtlinie 2009/72/EG als Teil des Paketes werden den EU-Staaten drei Konzepte zur Auswahl gestellt, von denen sie eins zwecks Verstärkung der Entflechtungsvorschriften in ihr nationales Recht integrieren müssen. Daneben werden in der wissenschaftlichen Literatur weitere Ansätze diskutiert. Alle Konzepte haben unterschiedliche Vor- und Nachteile und stellen unterschiedlich starke regulative Eingriffe in den Markt dar. Ziel des Dissertationsprojektes ist es, die verschiedenen Konzepte an Hand geeigneter ökonomischer Kriterien (z.B. Effizienz und Pfadabhängigkeit) zu vergleichen, um schließlich eine Handlungsempfehlung für die Umsetzung der Richtlinie in Deutschland abgeben zu können, die gesamtwirtschaftlich optimal ist.

Martin Büdenbender (Fertigstellung 2011)

Veröffentlichungen

IfG-Arbeitspapier

Band 91
Entflechtung von Stromnetzen in Deutschland und Europa im Rahmen des dritten EU-Legislativpakets – Eine Problemdarstellung
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Konferenzvorträge:

  • 33. Hohenheimer Oberseminar in Münster (November 2009); Titel: Entflechtung von Stromnetzen in Deutschland und Europa im Rahmen des dritten EU-Legislativpakets – Eine Problemdarstellung
  • 34. Hohenheimer Oberseminar in Esbjerg, Dänemark (Mai 2010); Titel: Stärkere Entflechtung von Elektrizitätsübertragungsnetzen im Rahmen des dritten EU-Legislativpakets – Ein Vergleich verschiedener Konzepte mit Hilfe des Effizienzkriteriums

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