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Einfluss von Unternehmenskrisen auf die Attraktivität von Arbeitgebern

Studie des Lehrstuhls für Unternehmensführung im European Journal of Work and Organizational Psychology erschienen

In der wissensbasierten Wirtschaft stehen Personalverantwortliche häufig vor dem Problem eines Mangels an qualifizierten Mitarbeiter:innen. Daher beschäftigten sich Forscher:innen zunehmend mit den Faktoren, die die Attraktivität von Unternehmen für Arbeitssuchende bestimmen. In einer aktuellen Studie untersuchen FB4-Wissenschaftler:innen, wie Unternehmenskrisen die soziale Identität und die Wahrnehmung der Attraktivität von Arbeitgebern beeinflussen.

In den letzten Jahren haben Wissenschaftler:innen die Identifikation von Arbeitnehmer:innen mit den Organisationen untersucht, in denen sie arbeiten. Die Forscher:innen haben dabei gezeigt, wie Individuen einen Teil ihrer Identität aus ihrem Beruf beziehen. Nach der Theorie der „sozialen Identität“ neigen Menschen dazu, sich selbst und andere in soziale Kategorien einzuordnen. Diese Einordnung trägt zum persönlichen Selbstbild des Einzelnen bei. Da die Organisation, für die Beschäftigte arbeiten, eine wichtige Grundlage für die Kategorisierung ist und somit das Selbstbild stark beeinflusst, ziehen es Individuen vor, für Arbeitgeber:innen zu arbeiten, die sie als Vorbilder betrachten. Identifizieren sich Mitarbeiter:innen mit der Organisation, für die sie arbeiten, sind sie in der Regel motivierter und zufriedener. Forscher:innen argumentieren, dass auch soziale Identitätsaspekte die Attraktivität von Organisationen beeinflussen und nicht nur die Bezahlung oder das Maß an Eigenständigkeit hierfür ausschlaggebend sind.

In einer aktuellen Studie untersuchen Greta Onken-Menke und Stephan Nüesch von der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der WWU gemeinsam mit Ghita Dragsdahl Lauritzen (University of Copenhagen) und Johann Nils Foege (Leibniz Universität Hannover), wie Unternehmenskrisen die soziale Identität von Unternehmen und schließlich ihre Attraktivität für potenzielle Arbeitnehmer:innen beeinflussen. Die Forscher:innen nehmen an, dass sich die Identität eines Unternehmens im Zeitverlauf verändern kann, wozu auch Krisen beitragen können. Als Beispiel nennen die Wissenschaftler:innen den Automobilhersteller Volkswagen, der seit Langem für Sicherheit, Qualität und Zuverlässigkeit stehe. Der Abgasskandal von 2015 habe jedoch eine Bedrohung dieser Identität dargestellt, indem er Vorgänge innerhalb des Unternehmens aufdeckte, die mit der Identität von Volkswagen nicht vereinbar waren.

Um den Einfluss der Unternehmenskrise auf die wahrgenommene Identität eines Arbeitgebers zu untersuchen, führten die Forscher:innen ein szenariobasiertes Experiment mit 808 Teilnehmern aus Großbritannien und 809 Teilnehmern aus den USA durch und simulierten dabei Änderungen der Identität eines fiktiven Unternehmens. Die Ergebnisse deuten darauf hin, dass Krisen die Attraktivität der Organisation für potenzielle Mitarbeiter:innen verringern. Sie stellen dabei fest, dass das Ausmaß der Verantwortung, die ein Unternehmen an einer Krise trägt, den Imageschaden erhöht. Krisen, die ohne die Verantwortung eines Unternehmens auftreten, senden hingegen keine Signale über Unternehmenswerte oder unvorsichtiges Verhalten, da die Krise im Allgemeinen nicht als Folge eines Fehlers des Managements wahrgenommen wird. Eine solche Krise kann bei Außenstehenden sogar positive Gefühle auslösen.

Die Studie ist unter dem Titel „Organizational attractiveness after identity threats of crises: how potential employees anticipate social identity” im European Journal of Work and Organizational Psychology erschienen. Hier geht es zum Volltext.