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Dekanat

Nachruf - Trauer um Prof. Dr. Manfred Borchert

Prof. Dr. Manfred Borchert

Wir trauen um

Prof. Dr. Manfred Borchert

10.02.1939 – 09.02.2017

Manfred Borchert war von Mai 1972 bis Februar 2004 aktives Mitglied der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Seit 1974 hatte er den Lehrstuhl für Volkswirtschaftslehre, insbesondere Geld und Währung, inne. Bereits 1972 war er als Wissenschaftlicher Rat und Professor an die Universität Münster berufen worden. Nach seiner Ausbildung zum Flugsicherungslotsen studierte er Volkswirtschaftslehre an der Universität Erlangen-Nürnberg und war nach seinem Diplomexamen wissenschaftlicher Assistent bei Prof. Dr. Ernst Heuß in Nürnberg. Nach seiner Promotion zum Dr. rer. pol. 1967 in Nürnberg war Manfred Borchert, unterstützt durch ein Stipendium der Deutschen Forschungsgemeinschaft, Visiting Fellow an der Princeton-University, New Jersey/USA. Nach seiner Rückkehr folgte er seinem Doktorvater Ernst Heuß an die Universität Marburg und habilitierte dort im Dezember 1971 am Wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereich. Seine Habilitationsschrift widmete sich dem Thema „Die Bestimmungsgründe des Zinses – Eine theoretische und empirische Analyse“.

Manfred Borchert hat an unserem Wirtschaftswissenschaftlichen Fachbereich inhaltlich und menschlich Spuren hinterlassen. Seine Forschungsschwerpunkte, mit denen er sich auch in seinem Ruhestand intensiv beschäftigte, waren die monetäre Ökonomie, die internationalen Wirtschaftsbeziehungen sowie die Ökonomik der Banken. Einer konsequenten Grundlagenforschung verpflichtet hat er auf diesem Fundament aktuelle wirtschafts- und geldpolitische Entscheidungen und Entwicklungen kommentiert und bereits eine evidenzbasierte Wirtschaftsforschung praktiziert und gefordert, lange bevor diese in der Volkswirtschaftslehre populär wurde. Seine letzte wissenschaftliche Arbeit, die 2016 publiziert wurde, setzte sich mit der Eigenkapitalausstattung europäischer Banken und den zu erwartenden Folgen auseinander. Manfred Borchert liebte den offenen, sachlichen und konstruktiven wissenschaftlichen Diskurs. Diesen pflegte er auch im Rahmen seiner zahlreichen Einladungen zu Gastaufenthalten bei internationalen Organisationen und Gastprofessuren an ausländischen Universitäten und Forschungszentren, vorwiegend in den USA und China. 1981/82 war Manfred Borchert Dekan des FB4, 1991/92 Mitglied der Gründungskommission der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Universität Leipzig.

Nachwuchsförderung war für Manfred Borchert ein selbstverständlicher Bestandteil seines Berufs. Viele erfolgreiche Schüler zeugen davon, die von ihm nicht nur das methodische Werkzeug, sondern vor allem die wissenschaftliche Neugier und den Mut, eigene Fragen zu stellen, gelernt haben. Die Kombination von inhaltlicher Stringenz und pädagogischer Strenge mit menschlichen Qualitäten, die Manfred Borchert eigen war, schätzten Generationen von Studierenden und manchmal zeigten sie ihm dies auch, etwa mit einem legendär gewordenen Geburtstagsständchen im H1. Viele von ihnen werden auch seine Lehrbücher, zur wirtschaftswissenschaftlichen Standardliteratur mit vielen Auflagen geworden, in Erinnerung behalten: „Geld und Kredit. Einführung in die Geldtheorie und Geldpolitik“ sowie „Außenwirtschaftslehre. Theorie und Politik“.   

Wir verlieren mit Manfred Borchert einen hervorragenden Wissenschaftler und Lehrer, vor allem aber einen Menschen, der geradlinig, konstruktiv und verantwortungsbewusst, ausgezeichnet mit einer besonderen Art von Humor, und sich nicht in den Vordergrund drängend, den FB4 bereichert hat. Er wird uns fehlen. Unser Mitgefühl gilt seiner Familie.    

Wir werden ihm ein würdiges Andenken bewahren.

Theresia Theurl