Nachruf - Trauer um Dr. Dr.h.c. Guido Georg Sandler

Wir trauern um

Dr. Dr.h.c. Guido Georg Sandler

05.07.1928 – 17.02.2019

Guido Sandler, Träger zahlreicher hoher Auszeichnungen und Inhaber wichtiger Funktionen, war seit dem 9. Dezember 1998 Ehrendoktor der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Er hat an unserem Fachbereich in vorbildlicher Weise zum wechselseitigen Lernen zwischen Wissenschaft und Praxis beigetragen. Er war ein Brückenbauer und hat sowohl in der wissenschaftlichen Forschung am Fachbereich als auch in der Lehre Spuren hinterlassen. Seit den 1970er Jahren hat er Vorlesungen mit seinen Vorträgen bereichert und an zahlreichen Seminaren mitgewirkt, vor allem zum Thema vertikales Marketing. Er entwickelte Fallstudien und Forschungsprojekte mit empirischen Untersuchungen auf dem Gebiet der Markenführung und des Vertriebs. Er förderte den Erfahrungs- und Gedankenaustausch beim Aufbau des Instituts für Marketing, diskutierte und kooperierte mit Wissenschaftlern des FB4. Er hat sich nicht nur an der wissenschaftlichen Diskussion beteiligt, sondern konkrete unternehmerische Fragestellungen in diese eingebracht. Besonders bemerkenswert ist, dass er wissenschaftliche Erkenntnisse und Methoden unternehmerischen Entscheidungen zugrunde gelegt hat. Er hat durch dieses Tun sowohl der Wissenschaft Impulse gegeben als auch neue Erkenntnisse der Wissenschaft aufgegriffen und umgesetzt.

Dr. Dr.h.c. Guido Sandler konnte auf eine sehr vielseitige und breite Ausbildung aufbauen, einem Studium der Betriebswirtschaftslehre an der Universität München, 1953 der Promotion an der Universität Innsbruck mit dem Thema „Markttransparenz und Nachrichtenwesen, einem Studium der Rechtswissenschaften an der Universität Tübingen und einem 1957 abgeschlossen Studium der Brauereiwissenschaften an der Technischen Universität München-Weihenstephan. Seine beeindruckende Managerkarriere war nach dem Abschluss seiner Studien eng mit dem Familienkonzern der Oetker-Gruppe verbunden, für die er Modernisierer und Stratege, zuerst Generalbevollmächtigter und Vorsitzender der Geschäftsleitung und dann persönlich haftender Gesellschafter war.                

Inhaltliches Ziel des Wissenstransfers war für Guido Sandler vor allem die Weiterentwicklung des Marketing und insbesondere der Markenführung sowie der Marktforschung. Dafür hat er zahlreiche neue Ideen eingebracht, auch in Fachzeitschriften zu diesen Themen publiziert und für seinen Wirkungsbereich wissenschaftliche Erkenntnisse nutzbar gemacht. Er hatte Ideen für neue Konzepte im Vertriebs-, Produkt- und Key Account Management, diskutierte sie mit der Wissenschaft und implementierte sie erfolgreich im Unternehmen. Vor allem in seiner Funktion als Vorstandsvorsitzender des Markenverbandes trieb er die Zusammenarbeit zwischen Industrie und Handel voran und betonte die Vorteile eines kooperativen Miteinander im Sinne eines vertikalen Marketing, für das sowohl Hersteller als auch Handel ihre Beiträge zu leisten hätten. Auch diese Bestrebungen erfolgten wissenschaftlich fundiert und reflektiert. Dies galt auch für das Ausloten der Bedeutung einer ausgewogenen Diversifikation für erfolgreiche Wachstumsstrategien von Unternehmen und die damit verbundenen organisatorischen Konsequenzen. Darüber hinausgehend brachte Herr Sandler seine Erfahrungen in der Gestaltung der Corporate Governance von inhabergeführten international tätigen Familienunternehmen in die wissenschaftliche Diskussion am FB4 ein.

Guido Sandler war nicht nur der konsequente Austausch zwischen Wissenschaft und Praxis wichtig, sondern er sah die Notwendigkeit, diesen Transfer zu institutionalisieren. Er war 1981 Initiator und Gründungsmitglied, ab 1985 Vorsitzender des Vorstands der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Marketing und Unternehmensführung an der Universität Münster. Diese hat sich große Verdienste bei der Initiierung, fachlichen und finanziellen Unterstützung von zukunftsweisenden Forschungsprojekten im Bereich des Marketing und der Unternehmensführung erworben. Es ist ihr in einem hohen Ausmaß gelungen, aktuelle Erkenntnisse der Forschung für die Lösung praxisrelevanter Herausforderungen nutzbar zu machen. Von zahlreichen wissenschaftlicher Konferenzen und Arbeitskreisen, die die Gesellschaft organisierte, gingen wichtige Impulse für Forschungsprojekte, den Wissenstransfer und die Nachwuchsförderung aus. Unter seiner Leitung wurden in Zusammenarbeit mit FB4-Professoren in mehr als 75 Führungsgesprächen im Dialog zwischen Wissenschaft und Praxis Zukunftsprobleme der marktorientierten Führung diskutiert und in wissenschaftlichen Arbeitspapieren dokumentiert. Guido Sandler unterstützte alle diese Aktivitäten mit einem großen persönlichen Engagement und mit strategischer Weitsicht. Es ging ihm dabei neben dem fachlichen immer auch um den menschlichen Dialog.

Guido Sandler war eine herausragende Managerpersönlichkeit und ein motivierender Gesprächspartner, Neuem gegenüber aufgeschlossen und effizient in der Umsetzung. Er hat sich um den Wissenstransfer der Wirtschaftswissenschaftlichen Fakultät der WWU Münster außerordentlich und nachhaltig verdient gemacht.

Wir werden ihm ein würdiges Andenken bewahren.