FOR 2738: Die Wirkung von internationalen Steuerinstitutionen auf das Verhalten von multinationalen Unternehmen - TP: Zur Besteuerung von multinationalen Unternehmen im Kontext von Entwicklungsländern


Projektstatus laufend
Projektzeitraum 23.09.2019- 23.09.2022
Webseite https://www.rsit-uni-tuebingen.de/for-2738/
Förderer DFG - Forschungsgruppe
Projektnummer RI 2491/5-1
Schlüsselwörter Wirtschaftspolitik; Angewandte Volkswirtschaftlehre; Unternehmensbesteuerung; Entwicklungländer, Schwellenländer

Die Steuerkapazität vieler Entwicklungs- und Schwellenländer ist gering - ihre Steuerquoten liegen deutlich unterhalb derer der entwickelten Welt. Öffentliche Güter können hierdurch ggf. nicht in ausreichendem Maß bereit gestellt werden, mit entsprechenden negativen Konsequenzen für die ökonomische Entwicklung der Länder. Anekdotische Evidenz suggeriert, dass multinationale Unternehmen sich über Gewinnverlagerung in Steuerhäfen in Teilen der Unternehmensbesteuerung in Entwicklungs- und Schwellenländern entziehen. Diese Länder sind in besonderem Maße negativ betroffen, da die entsprechenden Einnahmeausfälle nicht durch Einnahmen bei der heimischen Konsum- und Einkommenssteuer ausgeglichen werden können, deren Durchsetzung durch Probleme der Schattenwirtschaft erschwert ist. Die Wohlfahrtsimplikationen von Gewinnverlagerung sind nichtsdestotrotz theoretisch uneindeutig, da verschiebungsbedingte Reduktionen der Steuerkosten u. U. auch Investitionen attrahieren, die positive Effekte auf Arbeitsproduktivität, Löhne und Beschäftigungsniveaus entfalten können. Ziel unseres Forschungsprojektes ist es, die beschriebenen Effekte empirisch zu analysieren. Da Firmendatensätze mit Informationen zu Entwicklungsländern erst in den letzten Jahren zugänglich geworden sind, gibt es bislang nur wenige wissenschaftliche Studien zu diesem Themenkomplex. Das Projekt soll helfen, diese Lücke zu schließen. In einem ersten Schritt soll das Ausmaß von Profitverschiebungsaktivitäten in Entwicklungs- und Schwellenländern empirisch quantifiziert werden. In einem zweiten Schritt beschäftigen wir uns mit der Frage, ob Schwellen- und Entwicklungsländer von Maßnahmen gegen Steuervermeidung (bspw. Transferpreisdokumentationsregeln oder Zinsschranken) profitieren. Es soll untersucht werden, inwieweit die Regeln Gewinnverlagerung signifikant reduzieren (was angesichts begrenzter steueradministrativer Kapazitäten unklar ist) und ob die damit verbundenen höheren Befolgungs- und Steuerkosten negative Investitionswirkungen entfalten. Das dritte Teilprojekt untersucht die Vor- und Nachteile von Doppelbesteuerungsabkommen. Konkret soll analysiert werden, ob potentielle positive Effekte auf ausländische Direktinvestitionen die negativen Auswirkungen auf die Steuereinnahmen überwiegen. Die empirischen Analysen beruhen auf detaillierten Firmendatensätzen: Bureau van Dijks ORBIS-Datenbank, den MiDi-Daten der Deutschen Bundesbank und Firmendaten der dänischen administrativen Statistik. Die Daten werden mit detaillierten Informationen zum Steuersystem in Entwicklungs- und Schwellenländern verbunden, u.a. Daten zur Ausgestaltung gesetzlicher und administrativer Regelungen gegen multinationale Gewinnverlagerung sowie Informationen zur Ausgestaltung von Doppelbesteuerungsabkommen (letztere werden auf Basis moderner Textanalysetools und maschineller Lerntechniken erhoben).