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wissen.leben | WWU Münster 


Forschungsschwerpunkt Quantitative Wirtschafts- und Unternehmensgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts


1. Comovement in Economic History

(Bearbeiter: Jun.Prof. Dr. Martin Uebele)

Publikationen

(1) Sarferaz, Samad and Martin Uebele (2009): "Tracking down Germany's pre World War I business cycle: A dynamic factor model for 1820-1913", Explorations in Economic History, forthcoming 2009.

(2) Ritschl, Albrecht and Martin Uebele (2009): “Stock Markets and the Business Cycle in Germany Before World War I: Evidence from Spectral Analysis”, Journal of Macroeconomics, 31(4), 35-57.


Working Papers

Ritschl, Albrecht, Samad Sarferaz and Martin Uebele (2008): "The U.S. Business Cycle, 1865-1939: Dynamic Factor Analysis vs. Reconstructed National Accounts", CEPR Discussion Paper No. DP7069.

Weitere Forschungsprojekte

Uebele, Martin (2009): Internatuional and National Wheat Market Integration in the 19th Century: A Comovement Analysis. mimeo, University of Muenster.

2. Multilateraler Freihandel im 19. Jahrhundert: Ursachen und Wirkungen des Cobden-Chevalier Netzwerks

(Leitung: Ulrich Pfister; Bearbeiter: Markus Lampe)

Gefördert durch die Fritz-Thyssen-Stiftung

Handelsabkommen sind in Auseinandersetzung mit WTO und regionaler Integration zu einem stark diskutierten Forschungsfeld geworden. Das Projekt unternimmt die quantitative Analyse eines wirtschaftswissenschaftlich und wirtschaftshistorisch bisher kaum untersuchten, aber historisch sehr bedeutsamen Handelsvertragsnetzwerks, des Cobden-Chevalier-Netzwerks. Hierbei handelt es sich um ein Netz von bilateralen Meistbegünstigungsverträgen, die im Anschluss an den englisch-französischen Handelsvertrag (1860) in West- und Mitteleuropa eine de facto multilaterale Freihandelszone schufen, deren Grad an Handelsliberalisierung erst mehr als hundert Jahre später erneut erreicht wurde. Die besondere Bedeutung des Cobden-Chevalier-Netzwerks ergibt sich aus dem Anteil seiner Mitglieder am Welthandel (ca. 60%) und aus seiner von heutigen Regimes und Organisationen abweichenden Institutionalisierungsform und -dynamik. Das Projekt untersucht einerseits mit statistischen Verfahren die Strukturdeterminanten des Entstehens und der Ausbreitungsdynamik des Netzes. Durch Gravitationsmodelle auf gesamtwirtschaftlicher wie auf Branchenebene werden andererseits die Wirkungen der Handelsverträge empirisch analysiert. Die Untersuchung basiert schwerpunktmäßig auf einer vorzunehmenden Rekonstruktion bilateraler Handelsströme auf Grundlage zeitgenössischer Handelsstatistiken."

Englisch:

Trade agreements have become a frequently discussed field of research concerning the research on the WTO and regional integration. This project deals with the quantative analysis of a historically very important network of trade agreements, the Cobden-Chevalier-Network. This  network has barely be examinded from the economically and economic historically point of view. The Cobden-Chevalier-Network is a network of bilateral most-favored nation clauses which formed, following the English-French trade-agreement (1860), a de facto multilateral free trade area in Western and Central Europe. The degree of liberalisation of trade which can be found in the Cobden-Chevalier-Network was not reached again until more than hundred years later. The importance of the Cobden-Chevalier-Network can be seen in the participation of its members in the world trade (60%). Moreover, its form and dynamic of institutionalisation arouse interest as they differ from those of the current regimes and organisations. On the one hand, the project examines the structural determinants of the development and of the net's dynamics and its dispersion by statistical methods. On the other hand, the impact of the trade agreements is empirically analysed on a macroeconomic and industrial level by gravity models. The research is mainly based on a reconstruction of bilateral flows of trade on the basis of contemporary trade statistics.

Working Papers:

Markus Lampe, Bilateral Trade Flows in Europe, 1857-1875. A new
dataset (Februar 2008).


3. Geschichte der deutschen Aktienkreditbanken, 1848 - 1913

(Bearbeiter: Dr. Carsten Burhop)

Die traditionelle Wirtschaftsgeschichtsschreibung sieht in den großen Aktienkreditbanken eine entscheidende Institution für die Industrialisierung Deutschlands. Diese Hypothese konnte bisher lediglich für die letzten Dekaden des Kaiserreichs quantitativ belegt oder verworfen werden. Die im Rahmen der Forschung entstandenen Arbeiten haben die vorhandenen Datenreihen zur Entwicklung der Aktienkreditbanken bis in das Jahr 1848, dem Gründungsjahr der ersten Aktienkreditbank, zurückverlängert, so daß die unterstellte Einflußnahme der Banken auf die Industrialisierung erstmals für die gesamte Periode statistisch evaluiert werden konnte. Es zeigte sich, daß die Aktienkreditbanken - im Gegensatz zu anderen Kreditinstituten - einen kausalen und positiven Einfluß auf die industrielle Entwicklung in Deutschland gehabt haben.

Publikationen:

  • Die Kreditbanken in der Gründerzeit, Steiner Verlag, Stuttgart 2004
  • Die Entwicklung der deutschen Aktienkreditbanken von 1848 bis 1913: Quantifizierungsversuche, In: Bankhistorisches Archiv, Vol. 28 (2), 2002, S. 103 - 128
  • Did banks cause the German industrialisation?, zur Veröffentlichung angenommen, Explorations in Economic History


4. Historische Volkswirtschaftliche Gesamtrechnung, Konjunktur und Wachstum in Deutschland (1851 - 1913)

(Bearbeiter: Dr. Carsten Burhop, gemeinsam mit Guntram B. Wolff, Universität Bonn)

Seit nahezu vier Dekaden verwendet die Forschung die gesamtwirtschaftlichen Datenreihen von Walther G. Hoffmann, obwohl bereits seit langem auf die erheblichen Fehler dieser Daten hingewiesen wird. Unsere Arbeiten bestätigen diesen Befund; beispielsweise sind zentrale Bestandteile der Historiographie, z.B. die Gründerkrise oder die Große Depression, davon abhängig, welche der Hoffmann´schen Datenreihen verwendet werden. In einem weiteren Schritt versuchen wir daher einige Fehler in den Daten zu korrigieren und eine neue Serie des deutschen Nettosozialprodukts für die Jahre 1851 - 1913 vorzulegen. Die neuen Daten indizieren u.a. einen höheren Entwicklungsstand der deutschen Wirtschaft zu Beginn der Periode. Dies bedeutet auch, daß das Wirtschaftswachstum im Verlauf der deutschen Industrialisierung langsamer war, als bisher vermutet.

Publikationen:

  • Datenwahl, Methodenwahl und ihre Bedeutung für die Konjunkturgeschichte, in: Vierteljahrschrift für Sozial- und Wirtschaftsgeschichte, 91(2), 2004, S. 141-154.
  • A compromise estimate of German net national product 1851-1913 and its implications for growth and business cycles (gemeinsam mit Guntram Wolff), zur Veröffentlichung angenommen, Journal of Economic History
  • National accounting and the business cycle in Germany, 1851 - 1913 (gemeinsam mit Guntram Wolff)


5. Corporate Governance im Deutschen Kaiserreich

(Bearbeiter: Dr. Carsten Burhop, gemeinsam mit Christian Bayer, Universität Dortmund)

Gefördert durch die Deutsche Forschungsgemeinschaft

Der Begriff des Corporate Governance nimmt in der aktuellen Diskussion über das (Fehl-)Verhalten von Unternehmensvorständen eine zentrale Rolle ein. Allgemein formuliert geht es um die Frage, wie Eigentümer von Unternehmen (z.B. Aktionäre) die von ihnen delegierte Unternehmensleitung (z.B. Vorstand) kontrollieren, und welche Gesetze diese Beziehung beeinflussen. Derartige Kontroll- und Anreizprobleme gibt es in Deutschland zwar verstärkt seit der Liberalisierung des Aktienrechts im Jahre 1870, die historische Forschung in diesem Bereich steht jedoch noch am Anfang Unsere Forschung konnte zeigen, daß bereit seit Mitte des 19. Jahrhunderts Vorstandsmitglieder von Banken durch eine hohe, am Unternehmenserfolg orientierte Entlohnung, motiviert worden sind. Die gesetzten Anreize übersteigen die heute üblichen bei weitem, was darauf hindeuten könnte, daß unangemessen große Anteile des Unternehmensgewinns an die Vorstände und Aufsichtsräte und somit nicht an die Aktionäre ausgezahlt worden sind. Die erhebliche Verbesserung der Corporate Governance Regelungen im Aktienrecht von 1884 führten dann zu einer signifikanten Reduktion der erfolgsorientierten Entlohnung. Dies deutet an, daß die monetäre Motivation der Manager durch bessere Kontrollmöglichkeiten der Eigentümer ersetzt worden ist.

Publikationen:


6. Forschungsprojekt, gefördert von der Fritz-Thyssen-Stiftung: Industrieökonomische Analyse des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats (1893-1914)

(Leitung: Ulrich Pfister, Bearbeiter: Thorsten Lübbers)

Schon seit längerer Zeit wird über die Existenz eines spezifisch deutschen Wirtschaftsmodells geforscht. Das Projekt erweitert die bisher geführte Debatte um den Aspekt des Wachstums der deutschen Montanindustrie in der Zeit von 1893 bis 1913.Es werden dabei die ökonomischen Implikateinen einer bedeutenden Erscheinungsform des deutschen Korporatismus, des Rheinisch-Westfälischen Kohlensyndikats, untersucht. Es sollen ausgehend von einem Sample der größten Unternehmen die Auswirkungen sowohl der Mitgliedschaft im Kartell als auch von Unternehmenszusammenschlüssen auf die Kapitlamärkte mithilfe von Event-Studien quantifiziert werden. Eine Produktivitätsanalyse dient der Kontrolle der Ergebnisse von Event-Studien. Die Robustheit der verwendeten Methode wird zudem durch eine statistische Bilanzanalyse abgesichert.

Der Zusammenhang zwischen Unternehmensfusionen und Kartellierung kann in einem Logit-Modell empirisch getestet werden.
Als Ergebnis der Forschungsarbeiten wird eine empirisch gestützt Antwort auf die Frage nach der Wachstumsrelevanz des Kohlensyndikates erwartet.

Detaillierte Projektbeschreibung

Publikationen:

  • Thomas Bittner: Kartelle und Wachstum im deutschen Kaiserreich: Wirtschaftshistorische Erkenntnisse und industrieökonomische Forschungsperspektiven, Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 2002, 2, S. 137-157.
  • Thomas Bittner: An Event-Study of the Rhenish-Westphalian Coal Syndicate, Volkswirtschaftliche Diskussionsbeiträge der WWU Münster 352, Oktober 2003; zur Veröffentlichung angenommen, European Review of Economic History.


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