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Transfers von bäuerlichem Besitz: Westfalen im 19. Jahrhundert

DFG-Projekt

In diesem bis März 2004 von der DFG geförderten Projekt wurde der Transfer bäuerlichen Besitzes zwischen und innerhalb von Generationen in zwei kontrastierenden westfälischen Kirchspielen untersucht. Übergabeverträge und andere Dokumente wurden erfasst und in relationale Datenbanken aufgenommen und mit Kataster- und Familienrekonstitutionsdaten verknüpft. Die ältere Generation reagierte mit der Hofübergabe auf Bedürfnisse, insbesondere auf Heiratspläne der Jüngeren. Ihre Kontrolle über die Jungen erfolgte weniger über Versorgungsansprüche als über Nießbrauchsrechte. Die in der Gesetzgebung forcierte Verbindung von Hof und Abstammungslinie war dort schwach, wo eheliche Gütergemeinschaft herrschte. "Weichenden Erben" wurden kein massiver Verzicht auf eigene Lebenschancen abverlangt; das demographische "Nischen-Modell" wird nicht bestätigt.

Die Ergebnisse deuten insgesamt darauf hin, dass die Arbeitslogik bäuerlicher Betriebe für die Transferpraxis eine gewichtigere Rolle spielte als die zeitgenössische Gesetzgebung. Mit der Auflösung der herrschaftlichen Bindung von Land im 19. Jahrhundert wurden Bauern in die Lage versetzt, über die Weitergabe von Ressourcen nach eigenem Gutdünken zu verfügen. In dieser Zeit stabilisierten sich bei den Bauern, nicht jedoch in den Unterschichten Handlungsmuster der Weitergabe an den ältesten bzw. jüngsten Sohn. Entscheidend für diese Stabilisierung waren nicht die wechselnden, zum Teil auf unzureichender Kenntnis bäuerlichen Verhaltens beruhenden rechtlichen Normierungen, sondern eine soziale Norm, die als Grundlage strategischen Handelns interpretiert werden kann.

Untersuchte Gemeinden:
Borgeln (Kreis Soest),
Westfeld (Kreis Meschede)

Abschlußbericht


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