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Ländliche Faktormärkte, institutioneller Wandel und Familienstrategien im Westfalen des 19. Jahrhunderts

Agrarmodernisierung impliziert unter anderem, daß Produktionsfaktoren über Märkte zu denjenigen Betrieben transferiert werden, in denen sie eine effiziente Verwendung finden. Trotz ihrer konzeptuellen Bedeutung sind ländliche Faktormärkte im 18./19. Jahrhundert noch wenig untersucht worden. Um ihre Rolle in der Agrarmodernisierung zu verstehen, sind ländliche Faktormärkte (in erster Linie Bodenmarkt und Hypothekarkredit, sekundär Arbeitsmärkte) in dreierlei Hinsicht zu analysieren. Erstens unter dem Blickwinkel des institutionellen Wandels: Zu fragen ist, ab wann bäuerliche Betriebe überhaupt auf Faktormärkten auftreten können, wie sich Marktkontrakte im Verhältnis zu innerfamilialen Transfers entwickeln, wieweit Märkte nach der unterschiedlichen sozialen Nähe zwischen Kontraktpartnern fragmentiert sind und wie sich die Marktfragmentierung auf die Preisbildung (bzw. die Markttransparenz) auswirkt. Zweitens sind die Bezüge zwischen Faktormärkten und einem spezifischen Agrarsystem zu untersuchen: Es muß bekannt sein, welche Immobilientypen überhaupt in welcher Kombination marktgängig sind (bzw. wie sich dieser Sachverhalt im Verlauf der Agrarmodernisierung ändert), und wie der Kommerzialisierungsgrad einer lokalen Wirtschaft mit der Liquidität von Boden- und Kreditmarkt in Beziehung steht. Drittens ist nach der Motivation der Kontrahenten für den Marktauftritt zu fragen. Diese dürfte vor allem in betrieblichen Strategien begründet sein, die bei einer Dominanz bäuerlicher Betriebe eng mit Familienstrategien verknüpft sind. Im Vordergrund stehen dabei die unterschiedlichen Strategien der Bewältigung demographischer Familienkrisen sowie Lebenszyklen von Sparen und Konsumieren. Besonders im letzteren Fall können lebenszyklische Akkumulationsstrategien auf individueller Ebene mit Modernisierungsvorgängen auf aggregierter Ebene in Beziehung stehen. - Dieser Frageraster verlangt einen mikroanalytischen Zugriff. Das Vorhaben zielt auf die Verknüpfung von Daten zum Immobilienmarkt, zum Hypothekarkredit, zu innerfamilialen Transfers und zu demographischen Einzelereignissen in mindestens drei kontrastierenden Kleinregionen in Westfalen im 19. Jahrhundert mittels einer relationalen Datenbank und statistischer Verfahren.

Untersuchungszeitraum: 1830-1866

Untersuchte Kirchspiele: Löhne (Kreis Herford), Oberkirchen (Kreis Meschede), Borgeln (Kreis Soest)

Forschungsberichte:

Abschlußbericht
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Ansprechpartner: Georg Fertig
E-Mail: georg.fertig@geschichte.halle.de


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