Kurzbeschreibung
Volksbefragungen über das Internet in den USA (vote.com) und Betriebsratswahlen in großen deutschen Unternehmen über das Internet (Dt. Telekom) oder die Herausbildung von mehr als 600 Nichtregierungsorganisationen (NGO) allein im Jahr 1997 deuten neben weiteren Beispielen darauf hin, dass neben die traditionellen kollektiven Entscheidungsmechanismen neue Verfahren treten, die zu stärkerer Bürgerpartizipation und mehr direkter Demokratie führen können. Diese Möglichkeit zu einem "Mehr" an direkter Mitwirkung an der politischen (kollektiven) Willensbildung dürfte darüber hinaus auch die bisherigen korporatistischen Strukturen mit ihren etablierten und über Jahrzehnte hinweg einflussreichen Verbänden und Interessenorganisationen stark beeinflussen: Indem die digitale Revolution die Verbände ihrer zentralen gesellschaftlichen Funktionen als Informationsvermittler, Sachverwalter von Interessen und Übersetzer politischer Entscheidungen für eine breite Öffentlichkeit beraubt, entzieht sie ihnen wesentliche Teile ihrer gesellschaftlichen Legitimation. Gleichzeitig verbessert sie durch den Wegfall verbandsinterner Opportunismusrisiken die Möglichkeit einer unverzerrten Übertragung des Bürgerwillens auf die politische Entscheidungsebene. Inwieweit es tatsächlich zu solchen Entwicklungen kommt, welche neuen Formen von Interessengruppen als parallele Institutionen der kollektiven Willensbildung sich im Rahmen der digitalen Revolution herausbilden, wie die etablierten Gruppen reagieren und sich die bisherige "Verbändelandschaft" verändert, welche Konsequenzen für die kollektive Rationalität (Effizienz) zu erwarten sind und ob daraus ein Bedarf an neuen Spielregeln für die kollektive Willensbildung entsteht, sind Fragestellungen dieses Forschungsvorhabens.
Das Forschungsprojekt wird im Rahmen des vom Bundesministerium für Bildung und Forschung finanzierten Gesamtprojekts "Internetökonomie und Hybridität" durchgeführt. Aufgrund der Komplexität des Themengebiets Internetökonomie wurde ein interdisziplinärer Forschungsverbund gebildet, in dem Fachvertreter der Betriebswirtschaftslehre, der Volkswirtschaftslehre, der Wirtschaftsinformatik, der Rechtswissenschaften und der Psychologie zusammenarbeiten.
Links
Ansprechpartner für dieses Projekt am Institut für Verkehrswissenschaft (IVM):