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Praxistransfer im ControllingEine Flexo-Druckmaschine, ein Gartentrimmer sowie Fliesenpressen standen im Mittelpunkt einer gemeinsamen Veranstaltung der IHK Düsseldorf und des Lehrstuhls für Controlling von Prof. Berens im Juni diesen Jahres. Unter dem Thema 'Neuere Entwicklungen im Controlling' wurde anhand dieser Erzeugnisse die Anwendung moderner Kostenmanagementtechniken veranschaulicht. Unter der Zielsetzung, den Wissentransfer und den Erfahrungsaustausch zwischen Theorie und Praxis zu fördern, referierten neben Prof. Berens mit Dipl.-Kfm. Ulrich Lohmann, Finanzvorstand der Elektra Beckum AG, sowie Dipl.-Volksw. Goerth Tewaag, Finanzchef der G.M. Pfaff AG, Kaiserslautern, zwei erfahrene Praktiker. An dieser gutbesuchten Veranstaltung nahmen zahlreiche Führungskräfte aus dem Kammerbezirk Düsseldorf teil.
In seinem einführenden Vortrag gab Prof. Berens einen Überblick über verschiedene Denkrichtungen in der Betriebswirtschaftslehre. Während auf der einen Seite die Irrelevanz von Fixkosten für kurzfristige Entscheidungen betont wird, steht auf der anderen Seite für längerfristige Entscheidungen die Relevanz von (dann vermeintlichen) Fixkosten im Vordergrund. Für die erste Sichtweise steht das Instrument der Deckungsbeitragsrechnung, während Verfahren wie die Prozeßkostenrechnung, das Target Costing (Zielkostenmanagement) oder die Gemeinkostenwertanalyse eher die Entscheidungsrelevanz der Fixkosten betonen. Prof. Berens wies auf die zunehmende Bedeutung der zweiten Denkrichtung hin, die sich in einer verstärkten industriellen Anwendung von Instrumenten wie der Prozeßkostenrechnung und dem Target Costing wiederspiegelt.
Veränderte betriebliche Kontextfaktoren wie die größere Fertigungstiefe, die zunehmenden Komplexitätskosten, der steigende Koordinations- und Steuerungsaufwand sowie die explodierenden Logistikkosten waren Ausgangspunkt der Überlegungen von Ulrich Lohmann zur Prozeßkostenrechnung. Vor dem Hintergrund des veränderten wirtschaftlichen Umfeldes können Deckungsbeiträge zu Fehlsteuerungen führen. Typische Fehlentscheidungen sind eine falsche Sortimentspolitik, Variantenvielfalt, falsche Preisuntergrenzen oder auch der Verzicht auf Handelsware. Mit der Anwendung der Prozeßkostenrechnung machte Lohmann folgende Erfahrungen: Die Prozeßkostenrechnung ändert Denkstrukturen und Verhaltensweisen, der Rechenzweck bestimmt die Rechenmethode und aus schwer zu definierenden Kosten werden meßbare Leistungskennzahlen. Am Beispiel des 'Gardena Turbo Trimmer' demonstrierte er, zu welchen Problemen eine nicht- prozeßorientierte Kostenanalyse führen kann. Anstatt das Gartengerät wie bisher mit einem zweiteiligen, geknickten Stiel zu fertigen, wurde der Trimmer nun mit einem geraden Stil ausgeliefert. Die ursprüngliche Zielsetzung bestand in der Einsparung der Kosten für die Verbindungsschraube in Höhe von 0,25 DM. Dabei wurden aber die Auswirkungen auf den Logistikprozeß zunächst nicht bedacht. Infolge dieser Produktänderung wurde nämlich auch die Produktverpackung größer, so daß auf einer Transportpalette nur noch acht - statt wie bisher zwanzig - Packungen untergebracht werden konnten. Die Logistikkosten stiegen daraufhin erheblich an. - Das entstandene Problem konnte aber dadurch wieder abgeschwächt werden, daß durch eine andere Verpackungsmethode wieder 18 Packungen auf einer Palette plaziert werden konnten.
Anhand von Flexo-Druckmaschinen und Fliesenpressen erläuterte Goerth Tewaag die praktischen Anwendungsmöglichkeiten des Target Costing. Der Regelkreis des Target Costing stellt sich für ihn wie folgt dar: Marktforschung, Festlegung des Konzepts, Festlegung des Verkaufspreises, Komponentenkonzept, Zielkostenfestlegung und schließlich die Feinkonstruktion. Als Grundlage für die Marktsegmentierung wurden mit externer Unterstützung Marktdaten aufgenommen. Nach ausgiebiger Information über die Konkurrenzsituation wurde ein Zielsegment definiert. Das Zielprodukt war eine Einzylinder-Flexo-Druckmaschine. Für diese Maschine waren die Kunden 2,2 Mio. DM zu zahlen bereit. Unter Abzug einer Rendite von 10% durften die Kosten 1,98 Mio. DM nicht übersteigen. Zur Realisierung der Zielkosten wurde ein aus Mitarbeitern aller Konstruktionsabteilungen bestehendes Projektteam gebildet. Ergebnis der Überlegungen war, daß die Fertigung von 70% der Anlagenteile an Dritte vergeben wurde. Die Chancen des Target Costing sieht Tewaag in einer massiven Erhöhung der Marktpräsenz, einer Reduzierung der Entwicklungskosten und - zeiten, einem höheren Innovationsgrad, einer größeren Dynamik und einer vorbildhaften Kundenorientierung. Mögliche Risiken liegen in unzuverlässigen Zielvorgaben, unternehmensinternen Widerständen, einem überzogenen Outsourcing sowie dem Verzicht auf Kerntechnologien.
Den Erfahrungsaustausch mit der Praxis will der Controlling-Lehrstuhl im kommenden Wintersemester weiter fortsetzen. In den Oberseminaren zum Controlling stellen sich mit Dr. Hans U. Brauner, Vorstandsvorsitzender der Rheinmetall Berlin AG, sowie Dr. Axel Born, Direktor von McKinsey Düsseldorf, gleich zwei renommierte Führungspersönlichkeiten der Diskussion mit den Studenten. (Andreas Hoffjan)
(Erschienen in der Düsseldorfer Uni-Zeitung, Jahrgang 23 - Nr. 5/94, S. 6)
letzte Modifikation: 17.10.1999 by Walter Schmitting