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Bericht
über den 1. Workshop der Kommission
am 19./20. Februar 1998 in Witten/Ruhr
Auf Initiative von Prof.
Dr. Alfred Kieser, Universität Mannheim, sowie Prof. Dr. Detlef
Müller-Böling, Universität Dortmund und CHE-Centrum für Hochschulentwicklung,
Gütersloh, fand am 19. und 20. Februar 1998 ein zweitägiger wissenschaftlicher
Workshop zum Thema Hochschulmanagement im Haus Bommerholz, der Tagungsstätte
der Universität Dortmund, statt. Unter der gemeinsamen Tagungsleitung
der beiden Professoren widmeten sich 52 Wissenschaftlerinnen und
Wissenschaftler von Universitäten aus Österreich, der Schweiz und
Deutschland diesem von der Betriebswirtschaftslehre bisher vernachlässigten
Thema. "Es war höchste Zeit für die Wirtschaftswissenschaft, dieses
Thema aufzugreifen!" lautete denn auch der einhellige Tenor der
Teilnehmerinnen und Teilnehmer.
Ziel der Veranstaltung war es, den in der "Betriebswirtschaftslehre
der Hochschulen" arbeitenden Forscherinnen und Forschern ein gemeinsames
Diskussionsforum zu bieten, um dadurch bestehende Forschungsaktivitäten
zu vernetzen und weitere anzuregen.
"Die Universitäten haben heute zahlreiche Probleme, zu deren Lösung
unsere Disziplin geeignete Ansätze anbieten könnte", stellten die
Tagungsleiter eröffnend fest. Sind aber Hochschulen überhaupt Unternehmen
im Sinne der Betriebswirtschaftslehre? Müller-Böling fand dazu mit
seiner Äußerung breite Zustimmung: "Wenn wir Unternehmen als Institutionen
begreifen, deren Zweck die Gewinnerzielung ist, dann zählen Hochschulen
sicher nicht dazu. Wenn wir sie aber als Institutionen verstehen,
denen Ziele gesetzt werden, die sie möglichst effektiv und wirtschaftlich
zu erfüllen haben, dann sind Hochschulen sehr wohl Gegenstand der
Betriebswirtschaftslehre."
In Plenarsitzungen und sechs Arbeitskreisen wurden insgesamt 19
Referate vorgetragen und diskutiert. Im Eröffnungsplenum referierten
Prof. Dr. Ursula Hansen, Universität Hannover, die mit FACULTY-Q
ein standardisiertes Instrument zur Evaluierung von Lehrveranstaltungen
vorstellte und über die damit in Hannover gesammelten Erfahrungen
berichtete, und Prof. Dr. Günter Fandel, Fernuniversität Hagen,
der den Prozeß der Umverteilung der für Lehre und Forschung vom
Land Nordrhein-Westfalen bereitgestellten Mittel für Universitäten
aus entscheidungstheoretischer Sicht analysierte.
Die einzelnen Arbeitskreise, die an beiden Tagen teilweise parallel
stattfanden, standen jeweils unter der Überschrift bestimmter Themenbereiche.
"Wissenschaftsmanagement allgemein" war das Oberthema des ersten
Arbeitskreises, den Prof. Dr. Detlef Müller-Böling leitete. Prof.
Dr. Folker Roland, Prorektor der Fachhochschule Harz-Wernigerrode,
zeigte zusammen mit seinem Kollegen Prof. Dr. H.J. Scheruhn auf,
wie man prozeßorientiertes Qualitätsmanagement durch Einsatz eines
Business Process Reengineering-Tools auf Hochschulen als "Institutionen
des Dienstleistungsbereiches" übertragen kann. Prof. Dr. Gerd Walger
vermittelte den Teilnehmern, wie universitäre Bildung an der Privaten
Universität Witten/Herdecke verstanden wird und stellte Überlegungen
zur Universität als Bildungsunternehmen an. "Universitäten und Wandel"
war das Thema des Vortrags von Dr. Barbara Sporn, Wirtschaftsuniversität
Wien, die Ergebnisse ihrer Forschungsarbeit zu Anpassungsprozessen
von Hochschulen an eine dynamische Bedingungslage mit den Teilnehmern
diskutierte.
Der Arbeitskreis 2 unter der Leitung von Prof. Dr. Günter Fandel,
Hagen, widmete sich dem Themenkreis der Finanzierung und internen
Mittelzuweisung von Hochschulen. Dr. Alexander Dilger, Wissenschaftlicher
Assistent der Universität Greifswald, präsentierte in seinem Vortrag
ein Plädoyer gegen Studiengebühren, das sich weitgehend auf ökonomische
Überlegungen stützt. Dr. Wolfgang Krämer, Wissenschaftlicher Assistent
an der Universität des Saarlandes, Saarbrücken, berichtete von der
Möglichkeit der Refinanzierung von Hochschulen durch die Vermarktung
von Lehrinhalten und stellte dazu denkbare Inhalte und die organisatorische
Ausgestaltung eines solchen Modells vor. Dr. Frank Ziegele vom Centrum
für Hochschulentwicklung, Gütersloh, untersuchte in seinem Vortrag
schließlich die Zweckmäßigkeit institutioneller Rahmenbedingungen
für eine Finanzautonomie von Hochschulen.
Hochschulforschung zum Themenbereich Ausland war der Gegenstand
des dritten Arbeitskreises unter der Leitung von Prof. Dr. Alfed
Kieser, Universität Mannheim. Hier wurden zum einen von Prof. Dr.
Andreas Oehler und Jutta Schmidt, beide von der Universität Bamberg,
Implementierungsprobleme und offene Fragen zu einem flexiblen Prüfungssystem
und der Anerkennung ausländischer Prüfungsleistungen referiert.
Zum anderen stellten zwei Wissenschaftliche Mitarbeiter der Universität
Gesamthochschule Kassel, Thorsten Dunkel und Isabelle Le Mouillour,
die französische Universität als lernfähige Organisation vor.
Der Arbeitskreis 4 unter der Leitung von Prof. Dr. Ursula Hansen
stellte Absolventenstudien und Evaluationen in den Mittelpunkt seiner
Betrachtungen. Prof. Dr. Michael Hellstern, Universität-Gesamthochschule
Kassel, erläuterte zunächst die Umsetzung eines Triangulationskonzeptes
zur Informationsgewinnung in der Evaluation eines wirtschaftswissenschaftlichen
Fachbereichs. Michael Smoczok, Wissenschaftlicher Mitarbeiter der
Universität Rostock, präsentierte anschließend Ergebnisse einer
an der Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Fakultät der Universität
Rostock durchgeführten Absolventenbefragung.
Kosten und Controlling für Hochschulen waren Thema des fünften Arbeitskreises,
der von Prof. Dr. Jürgen Blum, stellv. Vorsitzender des Vorstands
des Deutschen Zentrums für Luft- und Raumfahrt, geleitet wurde und
am zweiten Sitzungstag stattfand. Hier stellte der Rektor der Universität
Linz, Prof. Mag. Dr. Franz Strehl, Managementansätze für Universitäten
am Beispiel der Universität Linz vor. Darin ging es insbesondere
um die Umsetzung des österreichischen Universitätsorganisationsgesetzes
1993 hinsichtlich neuer Methoden zur Bedarfsberechnung, zur aufgabenorientierten
Budgetierung sowie zur Einführung von Kostenrechnung und Controlling.
Kosten- und Leistungsrechnung für Hochschulen stand im Mittelpunkt
des Vortrages von Dr. Susanne Kirchhoff-Kestel, Wissenschaftliche
Assistentin an der Universität Dortmund, die einen Überblick über
den Stand der Einführung der Kosten- und Leistungsrechnung an Hochschulen
gab, auf die Praxis des internen Rechnungswesens an
US-amerikanischen
Hochschulen einging und einen Bezugsrahmen mit Einflußfaktoren auf
die Ausgestaltung einer Kosten- und Leistungsrechnung für Hochschulen
vorstellte.
Der Arbeitskreis 6, der von Prof. Dr. Detlef Müller-Böling, Dortmund,
geleitet wurde, befaßte sich mit ausgewählten weiteren Fragestellungen
des Hochschulmanagements. Rainer Schultheis, Wissenschaftlicher
Mitarbeiter der Universität Stuttgart, referierte über Möglichkeiten
zur Nutzung von Forschungslandkarten und der Optionspreistheorie
zur Bewertung universitärer Forschungsleistungen. Prof. Dr. Hermann
Freter, Universität-Gesamthochschule Siegen, präsentierte einige
grundlegende Überlegungen zum strategischen Marketing von Universitäten.
In den Mittelpunkt stellte er dabei ein Modell zur Positionierung
von Hochschulen. Dr. Helene Mayerhofer, Wissenschaftliche Assistentin
der Wirtschaftsuniversität Wien, untersuchte die Personalpolitik
für den akademischen Mittelbau an Universitäten. Besonderes Augenmerk
richtete sie dabei auf die Phase des Überganges zwischen wissenschaftlicher
Qualifizierung und nachuniversitärer Berufstätigkeit.
Im Plenum des zweiten Sitzungstages zeigte Prof. Dr. Jürgen Blum
auf, wie an seiner Organisation Wissenschaftsmanagement und wissenschaftsadäquates
Controlling betrieben wird. Den abschließenden Plenumsvortag hielt
Prof. Dr. Alfred Kieser, Universität Mannheim, der kritisch durchleuchtete,
was man von der niederländischen Evaluation der Forschung lernen
kann.
Besondere Anerkennung fand das Referat zum Thema "Möglichkeiten
der Nutzung von Forschungslandkarten und der Optionstheorie zur
Bewertung universitärer Forschungsleistungen" von Rainer Schultheis,
Stuttgart, das im Teilnehmerkreis zum besten Diskussionspapier gewählt
wurde.
Die Vielfalt der Referatsthemen - von der Evaluation zum Qualitätsmanagement,
vom strategischen Marketing zur Kosten- und Leistungsrechnung -
zeigt deutlich auf, daß das Thema "Hochschulmanagement" ein breites
Spektrum von Forschungsproblemen aufweist, die von der Betriebswirtschaftslehre
bearbeitet werden können.
Während der Tagung wurde deshalb auch die Gründung einer wissenschaftlichen
Kommission im Verband der Hochschullehrer für Betriebswirtschaft
beraten und befürwortet, die sich von nun an kontinuierlich mit
Fragen des Hochschulmanagements befassen soll. Diese Kommission
soll den Mitgliedern des Verbandes während der nächsten Mitgliederversammlung
im Juni zur Gründung vorgeschlagen werden.
Die Teilnehmer begrüßten es, damit ein voraussichtlich dauerhaftes
Forum der gemeinsamen Diskussion und des Austausches zu erhalten.
Die Veranstaltung soll daher, so wurde bereits während des Abschlußplenums
vereinbart, im nächsten Jahr am gleichen Ort wiederholt werden (Kontakt:
Dr. Reinhard Schulte, Universität Dortmund, Postfach 500 500, 44221
Dortmund, Tel. 0231/755-4600, e-Mail schulte@empirie.wiso.uni-dortmund.de).
Bereits im Laufe des Jahres soll eine Mailingliste erstellt werden.
In Kürze wird eine Internetseite mit allgemeinen Informationen,
Kontaktadressen und Literaturhinweisen zur Verfügung stehen (http://www.wiso.uni-dortmund.de/LSFG/E/wisskom.htm).
Dr. Susanne Kirchhoff-Kestel
Dr. Reinhard Schulte
Universität Dortmund
Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Fakultät
Lehrstuhl Empirische Wirtschafts- und Sozialforschung
Postfach, 44221 Dortmund
eMail: s.kirchhoff-kestel@wiso.uni-dortmund.de
Tel. 0231/755-5258, Fax 0231/755-5260
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