führender Ordo-Liberaler (Mitbegründer der Freiburger Schule)
17. Januar 1891 in Jena
- Vater: Rudolph Eucken, Philosoph und Literaturnobelpreisträger von 1908, Mutter: Malerin
- Studium der Nationalökonomie in Bonn, Kiel und Jena; Doktorvater: H. Schumacher
- 1914 bis 1918 Frontoffizier im 1. Weltkrieg
- 1921 bis 1924 Arbeit für den Reichsverband der Textilindustrie
- Dozent in Berlin, ab 1925 Professor in Tübingen
- 1927 Ruf nach Freiburg, wo er bis zu seinem Tod lebte; dort u.a. Lehrer von E. Heuß
- bleibt während der NS-Diktatur in Deutschland und engagiert sich im Widerstand; Mitarbeit im Bonhoeffer-Kreis; Verhöre durch die Gestapo
- 1943 formuliert zusammen mit A. Müller-Armack die Beratungsergebnisse des "Freiburger Konzils evangelischer Wissenschaftler" in der Denkschrift "Politische Gemeinschaftsordnung. Ein Versuch zur Selbstbestimmung des christlichen Gewissens in den Nöten unserer Zeit", in der wichtige Prinzipien der später von A. Müller-Armack als Soziale Marktwirtschaft bezeichneten Wirtschaftsordnung anklingen
- 1945 arbeitet er in den wissenschaftlichen Beiräten des jungen Bonner Wirtschaftsministeriums mit und berät Politiker wie L. Erhard, Karl Schiller und Otto Graf Lamsdorff
- 1945 kritische Gutachten: "Über die Verstaatlichung der privaten Banken", "Industrielle Konzentration", "Bemerkungen zur Währungsfrage" und "Über die Arbeitsverfassung in Industriebetrieben"
- trat nach 1945 für freien Welthandel ein (ökonomische Friedenssicherung)
20. März 1950 in London, wo er zu einer Gastvorlesung eingeladen war
- Kritische Betrachtung zum deutschen Geldproblem (1923)
- Das Übertragungsproblem. Ein Beitrag zur Theorie des internationalen Handels (1925); Aufsatz
- Kapitaltheoretische Untersuchungen (1934)
- Ordnung der Wirtschaft; zusammen mit den Juristen Franz Böhm und Hans Großmann-Doerth
- Grundlagen der Nationalökonomie (1940)
- Grundsätze der Wirtschaftspolitik (postum 1952)
- zusammen mit F. Böhm Begründer der Freiburger Schule, die in Anlehnung an das von ihnen seit 1950 herausgebene Jahrbuch ("Ordo") auch als Ordoliberalismus bezeichnet wird
- Überwindung der theorieabgewandten Historischen Schule und Befürworter der theoretischen Forschung mit dem Ziel der Erklärung der wirtschaftlichen Wirklichkeit
- Geldtheorie:
widerlegt die Zahlungsbilanztheorie der Historischen Schule und erkennt Defizite der öffentlichen Haushalte und künstlich niedrig gehaltene Zinssätze als Ursache für die Inflation in Deutschland nach dem 1. Weltkrieg
- Beiträge zur Kapitaltheorie
- Gedanke der "Ordnungspolitik":
- Nationalökonomie müsse sich mit der Gestaltung der Wirtschaftsordnung beschäftigen und ihre Stellung zur Wirtschaftspolitik klären;
- entwirft eine Theorie der Ordnungsformen der Wirtschaft und trennt diese scharf vom Ablauf der Wirtschaft (Ablauftheorie)
- tritt konsequent für die Marktordnung und weitgehende Förderung vollständiger Konkurrenz durch staatliche Wettbewerbspolitik und Beschränkung des Einflusses wirtschaftlicher Machtgruppen ein
- Staat dürfe keine wirtschaftliche Macht haben, sondern nur den Rahmen vorgeben, innerhalb dessen Individuen frei entscheinen können (Idee des "Ordo" als einer nicht ökonomisch, sondern metaphysisch begründeten Wirtschaftsordnung)
- beeinflusste die Begründung der Sozialen Marktwirtschaft in der Bundesrepublik Deutschland (jedoch nur zum Teil nach seinen Ideen realisiert)
- Zitat: "Es sind also nicht die sogenannten Missbräuche wirtschaftlicher Macht zu bekämpfen, sondern wirtschaftliche Macht selbst."
- L. Gerken (Hrsg.): Walter Eucken und sein Werk - Rückblick auf den Vordenker der Sozialen Marktwirtschaft; Tübingen 2000.
- W. A. Jöhr: Walter Euckens Lebenswerk; in: Kyklos 257 (1958)
- B. Külp / V. Vanberg (Hrsg.): Freiheit und wettbewerbliche Ordnung; Gedenkband zum 50. Todestag von Walter Eucken, Freiburg 2000. [besprochen in: Handelblatt, 4.7.2000, S. 54 (W. Mussler)]
- Blümle, G. / Goldschmidt, N.: Walter Eucken — Vordenker einer freiheitlichen Ordnung; in: WISU, Heft 6, 2003. [PDF]