„Wie viel Wettbewerb gibt es in Deutschland eigentlich noch?"

14. März 2014, 9.30 - 11.00 Uhr, WGZ BANK, Niederlassung Münster



Prof. Dr. Theresia Theurl Werner Böhnke


Über 100 Zuhörer folgten am 14. März 2014 in der WGZ-Bank in Münster auf Einladung der Forschungsgesellschaft für Genossenschaftswesen Münster e. V. dem Vortrag von Prof. Dr. Justus Haucap zur Frage „Wie viel Wettbewerb gibt es in Deutschland eigentlich noch?“. Die hohe Teilnehmerzahl und die angeregte Diskussion im Anschluss an den Vortrag zeigten die große Bedeutung und Aktualität der Thematik. Prof. Haucap machte deutlich, dass sich die Monopolkommission als Anwalt des Wettbewerbs in Deutschland versteht. Die Bedeutung des Wettbewerbs für eine funktionierende Marktwirtschaft gelte es auch der Politik im Gedächtnis zu halten, so Prof. Haucap zu Beginn seines Vortrags.

Prof. Dr. Justus Haucap

Nach einer Begrüßung der Teilnehmer durch Werner Böhnke, Mitglied des Aufsichtsrats der WGZ Bank AG und zugleich Präsident des Förderrats der Forschungsgesellschaft für Genossenschaftswesen Münster, sowie Prof. Dr. Theresia Theurl, Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen, brachte Prof. Dr. Haucap zunächst gute Nachrichten in Form von zwei globalen Makrotrends, die zu einer Intensivierung des Wettbewerbs in Deutschland führen, die Globalisierung und die Digitalisierung der Märkte. Die Globalisierung führe zu einer verstärkten Konkurrenz durch die Öffnung der Märkte. Die Digitalisierung erhöhe den Wettbewerb durch die Entwicklung neuer Geschäftsmodelle. Allerdings erreichen die wettbewerbsfördernden Faktoren nicht alle Wirtschaftsbereiche. Insbesondere die Energiebranche, der Schienenverkehr und die Post sowie Dienstleistungen im Gesundheitswesen und viele freie Berufe seien aus wettbewerbsökonomischer Perspektive nach wie vor als problematisch anzusehen.
Wegen der besonderen Aktualität lag der Schwerpunkt des Vortrages auf der Wettbewerbssituation der deutschen Energiebranche vor dem Hintergrund der Energiewende. Insbesondere der Markt für Strom aus Erneuerbaren Energien sei durch staatlich festgelegte Fördersätze nahezu frei von Markt- und Wettbewerbsmechanismen, so Prof. Haucap. Das umweltpolitische Ziel der Reduktion des Kohlenstoffdioxidausstoßes könne darüber hinaus mit diesen Maßnahmen nicht erreicht werden, da der gesamte CO2-Ausstoß in der EU durch Zertifikate beschränkt wird. So würden die Zertifikate, welche durch die eingesparte Menge CO2 durch die Produktion und die Nutzung erneuerbarer Energien in Deutschland frei werden, verkauft. Dies habe eine Erhöhung des Ausstoßes des Treibhausgases in anderen Bereichen zur Folge. Der Fokus des Vortrages lag allerdings auf den ordnungspolitischen Problemen des EEG. Die Abnahmegarantie für Erneuerbare Energien führe im Extremfall zu negativen Strompreisen, die Prof. Haucap mit einer Art Entsorgungsgebühr gleichsetzte. Weitere Probleme dieser Ausgestaltung der Energiewende in Deutschland seien der wachsende Netzausbaubedarf, die Sicherstellung der erzeugungsseitigen Versorgungssicherheit sowie die Integrationsfähigkeit der Fördermechanismen in den Europäischen Binnenmarkt.
Um einige der aufgezeigten Probleme zu entschärfen, zeigte Prof. Haucap einige Lösungsansätze auf. Diese beinhalten einen einheitlichen EEG-Einspeisetarif, Marktprämienmodelle, Ausschreibungsmodelle für Erneuerbare-Energien-Kapazitäten und Quotenmodelle, die Stromversorger und/oder Netzbetreiber dazu verpflichten, einen bestimmten Anteil erneuerbarer Energien zu erzeugen bzw. aufzunehmen.
Prof. Haucap gab außerdem einen Überblick über weitere aktuelle wettbewerbspolitische Themen und gab auch auf die Rückfragen aus dem Publikum hin einen Ausblick auf die Themen, die das nächste Gutachten der Monopolkommission im Juli bestimmen werden. Es entfaltete sich eine vielfältige Diskussion, die von Tankstellenkartellen bis zu Akquisitionen von Internetunternehmen reichte.

Publikum

Zur Person

Prof. Dr. Justus Haucap studierte Volkswirtschaftslehre in Saarbrücken und Ann Arbor (Michigan, USA) und promovierte an der Universität des Saarlandes. Es folgten berufliche Stationen an der University of California Berkeley, der New Zealand Treasury in Wellington und der Helmut-Schmidt-Universität Hamburg, wo er sich 2003 auch habilitierte. Vor seinem Ruf nach Düsseldorf 2009 hatte Prof. Haucap Lehrstühle an der Ruhr-Universität Bochum und der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg inne. Zudem ist er Forschungsprofessor am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung, Vorsitzender des wissenschaftlichen Beirats des Rheinisch-Westfälischen Instituts für Wirtschaftsforschung und Mitglied in zahlreichen weiteren wissenschaftlichen Beiräten sowie Mitglied der Monopolkommission.


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