Vortrag von Dr. Andreas R. Dombret: Der Tag danach - die neue europäische Bankenaufsicht


Knapp 1.000 Zuhörer folgten am 05. November 2014 der Einladung des Instituts für Genossenschaftswesen in den H1 der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster. Anlass war der Gastvortrag von Dr. Andreas Dombret zum Themenfeld der neuen europäischen Bankenaufsicht – im Rahmen einer makroökonomischen Vorlesung. Die hohe Teilnehmerzahl sowie die vielen Fragen an den Redner im Anschluss an seinen Vortrag zeigten die Bedeutung und Aktualität der Thematik. Im Mittelpunkt der Ausführungen stand dabei der „Teufelskreis“ zwischen Banken- und Staatsschuldenkrise, der sich im Verlauf der jüngsten Finanzkrise im Euroraum zu manifestieren drohte. Dr. Dombret arbeitete in diesem Kontext als einen der zentralen Punkte heraus, dass man die Möglichkeit des Scheiterns von Banken als Grundelement der Marktwirtschaft erhalten müsse. Die Einführung der neuen europäischen Bankenaufsicht zum 04. November 2014 sei in diesem Zusammenhang ein erster wichtiger Schritt auf dem Weg hin zu einer stabileren Währungsunion.

Nach einer kurzen Begrüßung aller Teilnehmer übergab Prof. Dr. Theresia Theurl, Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen an der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, das Wort an den Gastredner Dr. Andreas Dombret. Dieser stellte seinen inhaltlichen Ausführungen voran, dass er – aufgrund der Einbettung seines Vortrages in eine makroökonomische Vorlesung – die volkswirtschaftlichen Aspekte der neuen europäischen Bankenaufsicht (beziehungsweise der geplanten Bankenunion) in den Vordergrund seines Beitrages rücken wolle.

Zu diesem Zweck erläuterte er dem Auditorium zunächst den während der letzten Finanzkrise vielerorts drohenden „Teufelskreis“ zwischen Banken- und Staatsschuldenkrise. Diverse Rettungsaktionen für in Schieflage geratene Banken hätten die Schulden bereits hoch verschuldeter Staaten noch weiter erhöht, während Investitionen in heimische Staatsanleihen gerade jene schwächeren Banken in Schuldenstaaten noch weiter in Schieflage gebracht hätten. Ein entscheidendes Merkmal der Bankenkrise sei dabei die durch entsprechende Vertrauensverluste induzierte Ansteckung der Banken untereinander gewesen.

Im weiteren Verlauf seines Vortrages stellte Dr. Dombret zwei Ansatzpunkte vor, um diesen  „Teufelskreis“ zwischen Banken und Staaten zu durchbrechen. Einerseits könne man versuchen, die Banken vor Schieflagen von Staaten zu schützen. Der zentrale Hebel hierbei sei die Stabilisierung der Staatshaushalte. Problematisch sei in diesem Zusammenhang jedoch das latente Ungleichgewicht von Zuständigkeiten hinsichtlich Kontrolle und Haftung im Rahmen der Fiskalpolitiken. Zur Lösung könne man entweder die Haushaltspolitiken zentralisieren oder eine Art „Maastricht 2.0“ schaffen. Da der politische Wille für eine Fiskalunion derzeit aber (noch) nicht erkennbar sei, habe vorerst nur der zweite Lösungsweg Relevanz. Von zentraler Bedeutung sei hierbei der Aspekt, Staatsinsolvenzen grundsätzlich zu ermöglichen.

Andererseits könne man versuchen, die Staaten vor Schieflagen von Banken zu schützen. Dieser Ansatzpunkt setze zunächst darauf, die Banken insgesamt stabiler zu machen, wobei entsprechende Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften im Fokus seien. Vor allem ziele er aber darauf ab, dem Problem der „too-big-to-fail“-Anreizverzerrung für Banken entgegenzuwirken. Es dürfe keine implizite und kostenlose staatliche Versicherung für Banken und damit einen „capitalism without failure“ geben. Grundsätzlich gehe es aber nicht nur darum, entsprechende Regeln aufzustellen, sondern vor allem darum, die Einhaltung dieser auch effizient zu beaufsichtigen. Zu diesem Zweck habe man sich in Europa auf die neue Bankenaufsicht (und die geplante Bankenunion mitsamt Abwicklungsmechanismus) geeinigt.

Nach dem Vortrag entwickelte sich aufgrund der zahlreichen Fragen aus dem Auditorium eine facettenreiche Diskussion.

Zur Person:

Dr. Andreas Dombret studierte Betriebswirtschaftslehre an der Westfälischen Wilhelms-Universität zu Münster und promovierte an der Friedrich-Alexander-Universität zu Erlangen-Nürnberg. Es folgten berufliche Stationen bei der Deutschen Bank, JP Morgan, Rothschild sowie der Bank of America. Seit 2009 ist er Honorarprofessor an der European Business School zu Oestrich-Winkel und seit 2010 Mitglied des Vorstands der Deutschen Bundesbank. In dieser Funktion verantwortet er aktuell die Bereiche Banken- und Finanzaufsicht, Risiko-Controlling sowie Repräsentanzen und Repräsentanten.


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