Wissenschaft und Praxis im Gespräch


Produkte und Prozesse - effiziente Arbeitsteilung im Finanzverbund.

22. Januar 2007

Aula der Universität Münster im Schloss

Referenten:

  • Prof. Dr. Arnd Wiedemann
    Lehrstuhl für Finanz- und Bankmanagement der
    Universität Siegen
  • Dr. Friedrich Caspers
    Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG
  • Jochen Speek
    Vorstandssprecher der VR Kreditwerk Hamburg-
    Schwäbisch Hall AG
  • Stephan Götzl
    Vorstandsvorsitzender und Verbandspräsident des
    Genossenschaftsverbands Bayern e.V.

Podiumsdiskussionsteilnehmer:

  • Dr. Peter Hanker
    Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen eG
  • Dr. Klaus Kalefeld
    Vorstand der Volksbank Hamm eG
  • Thomas Ullrich
    Vorstand der WGZ Bank AG
  • Dietrich Voigtländer
    Vorstand der DZ Bank AG


Vordere Reihe v.l.n.r.: Dietrich Voigtländer, Prof. Dr. Arnd Wiedemann, Thomas Ullrich, Dr. Friedrich Caspers, Stephan Götzl
Hintere Reihe v.l.n.r.: Dr. Peter Hanker, Prof. Dr. Theresia Theurl, Jochen Speek, Dr. Klaus Kalefeld

Zusammenfassung

Von Dirk Lamprecht, IfG Münster

Am 22. Januar 2007 wurde die IfG-Veranstaltungsreihe "Wissenschaft und Praxis im Gespräch" in der Aula des Münsteraner Schlosses sehr erfolgreich fortgesetzt. Das Symposium widmete sich der aktuellen Thematik, welche Produkte der FinanzVerbund anbieten soll und wie das Angebot sowie die Herstellung der Produkte zukünftig organisiert werden soll.

Plenum
Plenum

 

Prof. Dr. Theresia Theurl
Prof. Dr. Theresia Theurl

Nach einleitenden Worten der Gastgeberin, Frau Prof. Theurl, referierte Prof. Arnd Wiedemann vom Lehrstuhl für Finanz- und Bankmanagement der Universität Siegen über "Wertschöpfungsketten im Umbruch". Dabei zeigte Prof. Wiedemann alternative Wertschöpfungsketten im Vergleich auf. Auf Grundlage der Wertschöpfungselemente können Banken ihr individuelles Geschäftsmodell kombinieren und entwickeln. Die Kompetenzen im In- und Outsourcing sowie das Kooperationsmanagement im Wertschöpfungsnetzwerk sind dabei zentrale Erfolgsfaktoren. Künftig wird die Optimierung der Fertigungstiefe die Betriebsgrößenoptimierung verdrängen.

Prof. Dr. Arnd Wiedemann
Prof. Dr. Arnd Wiedemann

Dr. Friedrich Caspers, Vorstandsvorsitzender der R+V Versicherung AG, referierte über den "Vertriebsprozess zwischen Aufgabenteilung und Integration". Zunächst stellte Dr. Caspers die gemeinsamen Erfolge von Primärbank und R+V dar und machte deutlich, dass sich die R+V auf den Vertriebsweg Bank als Basis für eine erfolgreiche gemeinsame Vertriebsleistung konzentriert. Im Anschluss wurden die Anforderungen an den Vertriebsprozess aufgezeigt. Dr. Caspers betonte, dass die Integration der R+V in struktureller und organisatorischer Hinsicht die heterogenen Vertriebsstrukturen und -modelle der Primärbanken berücksichtigen muss, was zu unterschiedlichen Kernbetreuungsmodellen führt. Zum Abschluss wurden Ansatzpunkte für weitere Optimierungspotenziale, z.B. durch die Gestaltung der arbeitsteiligen Prozesse mit klaren Rollenverteilungen, aufgezeigt.

Dr. Friedrich Caspers
Dr. Friedrich Caspers

Der Thematik "Der Kreditprozess zwischen Standardisierung und Flexibilität, widmete sich Jochen Speek, Vorstandssprecher der VR Kreditwerk Hamburg-Schwäbisch Hall AG. Zu Beginn stellte Herr Speek das Kreditwerk, die größte deutsche Kreditfabrik, vor. Die Herausforderungen im Geschäft mit der privaten Immobilienfinanzierung sind aktuell insbesondere durch einen steigenden Wettbewerb, steigendem Margendruck und einem stagnierendem Geschäft gekennzeichnet. Dabei sind noch Hebel zur Produktivitätssteigerung vorhanden, da die vorhandenen Prozesse und Systeme häufig nicht effizient genutzt werden. Das Kreditwerk bietet hierbei einen Beitrag zur Industrialisierung der Kreditbearbeitung. Durch Flexibilisierung von Ressourcen lässt sich die Produktionsauslastung besser gestalten und Outsourcing macht Qualität messbar und ermöglicht Benchmarking. "Nur was man messen kann, kann man auch steuern", so Speek.

Jochen Speek
Jochen Speek

Der Verbandspräsident und Vorstandsvorsitzende des Genossenschaftsverbands Bayern e.V. Stephan Götzl referierte über die "Entscheidungsprozesse im Verbund". Zunächst zeigte Herr Götzl die Entscheidungsgremien, insbesondere die Fachräte auf. An den Entscheidungsprozessen sind die Entscheidungsträger auf verschiedenen Ebenen pflichtgemäß oder freiwillig zu beteiligen. Herr Götzl stellte einen Entscheidungsprozess am Beispiel der Projektarbeit "Kundenorientierte Optimierung der Geschäftsprozesse" ausführlich vor. Hieran sind verschiedene Regionalverbände, der BVR und die Fiducia beteiligt. Ziel des Projektes ist es die kundenorientierte und ganzheitliche Optimierung der Geschäftsprozesse für erfolgsrelevante Kernprodukte unter bestehender IT zu untersuchen. Anfang des 2. Quartals 2007 werden die ersten Ergebnisse kommuniziert. Im Dezember 2007 wird das Projekt abgeschlossen sein.

Stephan Götzl
Stephan Götzl

Die Podiumsdiskussion stand unter der Überschrift "Effiziente Prozesse und lokale Produkte - die Zukunft des FinanzVerbundes" Frau Prof. Theurl griff die Themen der vorherigen Vorträge auf und stellte die Frage, was von der Bank vor Ort im Zuge der laufenden Industrialisierung übrig bleibt. Dr. Hanker, Vorstandssprecher der Volksbank Mittelhessen eG, verwies als Antwort auf die Autonomie und die Souveränität der Primärbank. Die Macht geht letztlich von der Bank aus und ist anderen Entscheidungsträgern und Funktionären nur geliehen. Mit Verweis auf die heterogenen Strukturen im FinanzVerbund müssen die Entscheidungen vom Vorstand der Bank getroffen werden können, so Dr. Hanker. Auch Dr. Kalefeld, Vorstand der Volksbank Hamm eG verwies auf die lokale, individuelle Komponente im Bankgeschäft als zentralen Erfolgsfaktor. Produkte seien nicht so wichtig, entscheidend ist die persönliche Kundenbeziehung vor Ort. Eine Bank verkauft mit ihren Produkten Versprechen (z.B. auf Altersvorsorge) und dafür ist menschliches Vertrauen eine Voraussetzung. Frau Prof. Theurl fragte Herrn Thomas Ullrich, Vorstand der WGZ Bank AG, wie man in einer "kleinen Zentralbank" den Spagat zwischen Größenvorteilen und Individualität schafft. Auch Herr Ullrich verwies auf die hohe Bedeutung der regionalen Kenntnis über die Kunden. Zudem muss die WGZ Bank vergleichbare regulatorische Anforderungen erfüllen wie eine Primärbank und kennt daher die Probleme. Nicht die Produktentwicklung ist entscheidend, sondern die Marktkenntnis, der Mensch. Frau Prof. Theurl bezeichnete dies als "Kette des Vertrauens entlang der Wertschöpfungskette". Auch Dietrich Voigtländer, Vorstand der DZ Bank AG, unterstütze diese Ausführungen. Größe allein ist nicht die Schlüsselqualifikation einer Zentralbank. Man müsse auf die Kundenwünsche hören, um innovative Produkte zu gestalten. Hierbei sei die DZ Bank vorbildlich, wie die Auszeichnung als Zertifikatebank des Jahres zeige. Heinz Hüning mahnte als Zwischenstatement den Einfluss der einzelnen Volksbanken auf die Entscheidungsfindung an und verwies auf mögliche Konzernstrukturen und die Gestaltbarkeit der Verrechnungspreise. Herr Voigtländer reagierte darauf mit dem Verweis, dass sich die Transparenz bezüglich der Verrechnungspreise erheblich verbessert hat. Dies wurde auf von Dr. Hanker bestätigt, der im Rahmen seiner Tätigkeit im Fachrat Markt Verrechungspreise kontrolliert hat. Die Provisionen sind vergleichbar im Markt und in Ordnung, da hat der Verbund mehr Vertrauen verdient.


V.l.n.r.: Dr. Peter Hanker, Thomas Ullrich, Prof. Dr. Theresia Theurl, Dietrich Voigtländer, Dr. Klaus Kalefeld

Die Schnittstellen im Netzwerk stellen ein charakteristisches Merkmal im genossenschaftlichen FinanzVerbund dar. Dr. Kalefeld verwies darauf, dass die technischen Schnittstellen gut ausgebildet sind. Wenn es Probleme mit der Schnelligkeit gibt, dann sind das oft menschliche Probleme. Herr Ullrich ergänzte, dass man Doppelarbeiten in Prozessen vermeiden müsse. Auch bei den Fachräten, insbesondere zwischen den Fachräten ließe sich die Zusammenarbeit verbessern, so Ullrich. Frau Prof. Theurl thematisierte die wichtige Schnittstelle durch die IT. Herr Dr. Hanker führte aus, dass die enorme Komplexität wohl am Ende zum Scheitern der Fusionsverhandlungen der IT-Dienstleister geführt haben. Aus Sicht der Bank ist aber entscheidend, dass die System laufen. Die Fusionsthematik wurde von Herrn Voigtländer aufgegriffen. Nach den gescheiterten Fusionsverhandlungen sind jetzt Kooperationen gefragt. Diesen Appell richtete Herr Voigtländer auch an die IT-Dienstleister, alles zu tun um mögliche Synergien zu heben. Herr Ullrich schloss sich Herrn Voigtländer bezüglich der Kooperationsnotwendigkeit in der Zukunft an und verwies auf zahlreiche erfolgreiche Kooperationen der Zentralbanken in der Vergangenheit. Herr Wagner, Vorstand der GAD, ergänzte aus dem Plenum, dass die GAD durch zahlreiche Rationalisierungen bereits enorme Einsparungen getroffen habe, wie man auch an den Preisunterschieden der IT-Dienstleister sehen könne. Dr. Hanker verwies darauf, dass es den Kunden letztlich egal ist, wie viele IT-Dienstleister es gibt. Abschließend gaben die Teilnehmer der Podiumsdiskussion noch ein Statement, wie man den Spagat zwischen Zentralität und Individualität gestalten und damit einen schlagkräftigen Finanzverbund formen kann. Dr. Hanker erinnerte daran, dass Demokratie und Vertrauen in einem Netzwerk Zeit benötigen. Letztlich sollen Große und Kleine autonome Entscheidungen treffen können. Herr Ullrich fügte an, dass die Primärinstitute bei der Produktentwicklung besser eingebunden werden müssen. Langfristig wäre auch eine einheitliche Produktbewerbung von Vorteil. Herr Voigtländer verwies auf den Mut zur Innovation den ein Verbund brauche. Projekte wie der Vertriebswettbewerb müssen auf und- ausgebaut werden. Dr. Kalefeld verwies auf die Unterschiedlichkeit der verschiedenen Primärinstitute. Durch Best Practise Lösungen kann man voneinander lernen. Letztlich darf der Vorstand nicht den Förderauftrag aus den Augen verlieren, den er zu erfüllen hat. Frau Prof. Theurl dankte allen Teilnehmern für die sehr lebendige Diskussion.

 

 

 


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