Wissenschaft und Praxis im Gespräch


Der FinanzVerbund zwischen Regulierung und Wettbewerb: Das Netzwerk als Antwort und Herausforderung

13. Juni 2005

Aula der Universität Münster im Schloss

Referenten:

  • Prof. Dr. Stephan Paul (Lehrstuhl für Finanzierung und Kreditwirtschaft an der Ruhr-Universität Bochum)
  • Friedel Fleck (Präsident der Hauptverwaltung Düsseldorf der Deutschen Bundesbank)
  • Werner Böhnke (Vorstandsvorsitzender der WGZ-Bank eG)

Podiumsdiskussionsteilnehmer:

  • Dr. Ulrich Bittihn (Vorstandsvorsitzender der Volksbank Paderborn-Höxter eG )
  • Werner Böhnke (Vorstandsvorsitzender der WGZ-Bank eG)
  • Dr. Alexander Erdland (Vorsitzender des Vorstandes der Bausparkasse Schwäbisch Hall AG)
  • Andreas Heinze
    (Vorsitzender des Vorstandes der Volksbank Rietberg eG und Gründungsmitglied der Interessengemeinschaft kleiner und mittlerer Genossenschaftsbanken)

Zusammenfassung

Von Alexander Eim, IfG Münster

13. Juni 2005

Im Sommersemester wurde die IfG-Veranstaltungsreihe „Wissenschaft und Praxis im Gespräch“ sehr erfolgreich fortgesetzt. Das von 250 Gästen besuchte Symposium widmete sich der aktuellen Thematik Regulierung und Wettbewerb und deren Auswirkung auf das genossenschaftliche Netzwerk.

 Plenum im Schloss der Westfälischen-Wilhelms Universität
Plenum im Schloss der Westfälischen-Wilhelms Universität

Prof. Dr. Stephan Paul von der Ruhr-Universität Bochum stellte theoretisch fundiert mögliche Ausprägungsformen eines Finanznetzwerkes dar. Paul wies auf mögliche Chancen, aber auch auf die Risiken und Herausfordungen einer Netzwerkstruktur hin. Zu den Vorteilen zählte er eindeutig mögliche Spezialisierungs- und Größenvorteile, wobei auf der anderen Seite Koordinationsprobleme entstehen können. Des Weiteren sind die Anforderungen an eine effiziente strategische Steuerung in einem heterogenen Netzwerk sehr hoch. Als Beispiele für genossenschaftliche Finanznetzwerke, welche unterschiedlich ausgestaltet sind, führte er das Raiffeisen-System der Schweiz, das Rabobanken-System der Niederlande und das genossenschaftliche Sparkassen-System Frankreichs an. Diese genossenschaftlichen Verbünde unterscheiden sich im Grad der Zentralität, wobei sie eine sehr ähnliche Eigenkapitalrendite aufweisen. Paul leitete daher ab, dass es kein spezifisches Modell gibt, welches als „das Beste“ bezeichnet werden kann. Ein Netzwerk an sich ist kein Erfolgsgarant, es kommt immer auf die spezifische Ausgestaltung im operativen und strategischen Bereich an. Prinzipiell befindet sich der genossenschaftliche FinanzVerbund auf dem richtigen Weg, die Frage welche Institution die Rolle des fokalen Unternehmens im FinanzVerbund übernehmen und daher zuständig für das Netzwerkmanagement sein sollte, lässt sich ohne weiteres nicht beantworten. Fest steht, dass es nur „eine Spinne im Netz“ geben sollte. Im FinanzVerbund bietet sich diesbezüglich die Zentralbank oder der Spitzenverband an.

 

Prof. Dr. Stephan Paul
Prof. Dr. Stephan Paul

Der zweite Redner des Symposiums Friedel Fleck, Präsident der Hauptverwaltung der Bundesbank in Düsseldorf, wies auf die Notwendigkeit einer Bankenregulierung hin. Historisch hat sich das deutsche System bewährt und die von zahlreichen Bankern monierte Überregulierung ist in vielen Bereichen nicht feststellbar. Wo die Bankenaufsicht noch „Defizite“ aufweist, existiert Gesprächsbereitschaft. Pragmatische Lösungen sind möglich, solange die Stabilität des Finanzsystems nicht außer Frage steht. Die Bankenaufsicht muss und wird sich dahingehend weiterentwickeln, dass eine oft zu vergangenheitsorientierte Sichtweise durch einen zukunftsgerichteten prozessorientierten Ansatz ersetzt wird. Fest steht aber auch, dass sich die Kreditinstitute und Verbände selbst kritisch reflektieren müssen. Einen totalen Verzicht auf regulatorische Vorgaben kann es nicht geben, aber risikoadäquate Öffnungsklauseln bei einigen Vorschriften sind durchaus vorstellbar.

Friedel Fleck

Friedel Fleck

Der Vorstandsvorsitzende der WGZ-Bank, Werner Böhnke, präsentierte seine Vorstellungen über eine effiziente Ausgestaltung der Governance-Strukturen des FinanzVerbundes der Zukunft. Die Zentralbankfrage stellt dabei einen wesentlichen Aspekt dar. Über das Zusammengehen zum Nutzen aller Verbundakteure besteht kein Zweifel, wohingegen die Ausgestaltung diskutiert werden sollte. Böhnke stellte das Strategieholding-Modell der WGZ-Bank dar, welches nach seiner Auffassung eine sehr effiziente, organisatorische Ausgestaltungsform ist. Gerade vor dem Hintergrund der Stärkung der Rechte der Primärinstitute und einer verbesserten und transparenteren Willensbildung sei dieses Modell dem bisher bestehenden eindeutig überlegen.

 

Werner Böhnke
Werner Böhnke

Die Podiumsdiskussion brachte vier Diskutanten aus unterschiedlichen Bereichen des FinanzVerbundes zusammen. Die Verbundunternehmen wurden von Dr. Alexander Erdland, dem Vorsitzenden des Vorstandes der Bausparkasse Schwäbisch Hall, repräsentiert. Werner Böhnke, der schon als Referent vortrug, stellte sich als Zentralbanker der Diskussion. Die Primärebene war vertreten durch Dr. Ulrich Bittihn, Vorsitzender des Vorstandes der Volksbank Paderborn-Höxter, einer der größten Volksbanken in Deutschland und Andreas Heinze Vorsitzender des Vorstandes der Volksbank Rietberg und Gründungsmitglied der Interessengemeinschaft kleiner und mittlerer Genossenschaftsbanken. Heinze wies auf die Ursprünge der genossenschaftlichen Idee hin, welche momentan nur ungenügend gelebt würde. Als Folge führte er die Gründung der Interessengemeinschaft an, welche aber nach seiner Aussage als ein Ziel „die eigene Auflösung“ anstrebe, sofern die sechs wesentlichen Ziele der Gemeinschaft (z.B. ‚gleiche Preise für alle’ und ‚Gremienbesetzung nach Bankenstruktur´) im gesamten Finanzverbund umgesetzt würden. Dr. Bittihn der nicht bei allen Punkten konform ging, wies darauf hin, dass man sich an den Anforderungen des Marktes zu orientieren hätte, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben. Einige Forderungen der Interessengemeinschaft seien dabei nicht zweckmäßig. Dr. Erdland verdeutlichte die Stärken des FinanzVerbundes, welche er vor allem in der Kundennähe sieht. Die Rollenverteilung der Akteure sei jedoch innerhalb des FinanzVerbundes in einigen Bereichen nicht immer klar. Des Weiteren muss die Transparenz, verbunden mit offenen Diskussionen, erhöht und eine Vertrauenskultur innerhalb des Verbundes wiederhergestellt werden. Dr. Erdland schließt auch die Nutzung externer Produkte nicht aus, sofern die verbundinternen den Marktanforderungen nicht gerecht werden. Nach Böhnkes Auffassung sind gerade so genannte „weiche Faktoren“ für das Netzwerk sehr wichtig und der Verbund könnte finanzielle Einsparungen, z.B. bei Vertragsausgestaltungen u.ä., erzielen, wenn diese vertrauensfördernden Strukturen mehr gelebt werden würden als bisher. Die Zentralbankfrage wurde von allen Diskutanten dahingehend bewertet, dass es zukünftig nur noch ein Spitzeninstitut geben sollte. Dr. Erdland würde es begrüßen, wenn die "Hauptverantwortlichen" in vertrauensvollen, professionellen Gesprächen das Für und Wider nach einer Kriterienliste prüfen und einen gemeinsamen Vorschlag veröffentlichen würden.

 

Podiumsdiskussion
Podiumsdiskussion: v.l.n.r. Dr. Ulrich Bittihn, Dr. Alexander Erdland,
Prof. Dr. Theresia Theurl, Werner Böhnke, Andreas Heinze.

So bleibt auch über die von Prof. Dr. Theresia Theurl moderierte Podiumsdiskussion hinaus festzuhalten, dass die Ausgestaltung von Spielregeln wichtig ist, um eine Vertrauenskultur zu schaffen, welche dem gesamten FinanzVerbund Vorteile und Wettbewerbsfähigkeit verschafft.


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