Workshop Genossenschaftsrecht mit ehemaligen und aktuellen Mitarbeitern des IfG


Zu einer konstituierenden Gesprächsrunde trafen sich am 25. Juni 2001 ehemalige Doktoranden und aktuelle Mitarbeiter des Institutes für Genossenschaftswesen, um über zukünftige Gestaltungsmöglichkeiten des Genossenschaftsgesetzes zu diskutieren. Ziel der Veranstaltung war es, die Auslandserfahrungen der ehemaligen Mitarbeiter für die zukünftige Gestaltung des deutschen Genossenschaftsgesetzes zu nutzen. Die Besonderheiten genossenschaftsrechtlicher Bestimmungen der europäischen Nachbarländern sollten herausgearbeitet und Anregungen für eine Novellierung des deutschen Genossenschaftsgesetzes erörtert werden. Die Teilnahme von Juristen und Ökonomen an dieser Diskussionsrunde ermöglichte dabei einen für das IfG typischen interdisziplinären Gedankenaustausch. Nach einer Begrüßung durch die geschäftsführende Direktorin des IfG Prof. Dr. Theresia Theurl führte Prof. Dr. Reiner Schulze, ebenfalls Direktor des IfG, mit einigen Thesen in die Diskussion ein. Als Problemfelder nannte er neben den Hemmnissen bei einer Neugründung von kleinen Genossenschaften und der Eigenkapitalbeschaffung die Diskussion um den genossenschaftlichen Förderauftrag sowie die Eignung der genossenschaftlichen Rechtsform für kleine Dienstleistungsunternehmen und Freiberufler. Anschließend referierten die ehemaligen Mitarbeiter zu ihren Erfahrungen in den europäischen Nachbarländern. Christian Lucas berichtete über das niederländische Genossenschaftsrecht und zeigte dabei insbesondere die im Vergleich zum deutschen Recht liberaleren Regelungen auf. Dr. Andreas Möhlenkamp, Referen für Kartellrecht und Beihilfekontrolle beim Bundesverband der Deutschen Industrie, erläuterte die Ergebnisse seiner Dissertation zum französischen Genossenschaftsrecht und ging dabei insbesondere auf das Spannungsfeld zwischen dem Ziel der Mitgliederbindung und der Problematik der Eigenkapitalbildung in Genossenschaften ein. Aus dem belgischen Genossenschaftsrecht berichtete Dr. Claudia Fischer, Mitarbeiterin am Landesjustizministerium in Düsseldorf. Sie stellte die im Vergleich zum deutschen Recht große Vielzahl an unterschiedlichen Genossenschaftsformen des belgischen Rechts dar. Eva Schmidt, juristische Mitarbeiterin von Prof. Dr. Schulze, berichtete aus ihrem laufenden Promotionsprojekt zum Genossenschaftsrecht in England. Der Vortrag von Dr. Thomas Fischer, Rechtsanwalt bei PriceWaterhouseCoopers, zur europäischen Genossenschaft rundete den Erfahrungsaustausch ab. Dr. Rolf Greve, Geschäftsführer des IfG, berichtete anschließend von den aktuellen Forschungsaktivitäten des Institutes und stellte das kürzlich durch ihn und RA Nadja Lämmert, juristische Mitarbeiterin am IfG, publizierte Arbeitspapier "Quo vadis Genossenschaftsgesetz" zur weiteren Diskuission. Die Zusammenschau der verschiedenen genossenschaftlichen Rechtsgrundlagen in Europa hat gezeigt, daß es für die zukünftige Diskussion um die Weiterentwicklung und Anpassung des deutschen Genossenschaftsgesetzes viele interessante und diskussionswürdige Anregungen gibt. Die Referenten erklärten sich daher auch gerne bereit, ihr Wissen in Zusammenarbeit mit dem Institut für Genossenschaftswesen einzubringen und an der Diskussion um die Novellierung des Genossenschaftsgesetzes aktiv mitzuwirken. Die Ergebnisse dieses ersten Austausches sollen in Form eines Arbeitspapieres zusammengetragen werden. Sie bilden die Grundlage für ein Symposium Ende Oktober 2001, in dem das deutsche Genossenschaftsrecht erneut auf den Prüfstand gestellt werden soll. Die konstruktive Diskussion und interdisziplinäre Bearbeitung dieser Thematik zeigt erneut den Willen des Institutes für Genossenschaftswesen, die zukünftige Diskussion um die Gestaltung des Genossenschaftsrecht aktiv mitgestalten zu wollen.


Impressum | © 2013 IfG Münster
IfG Münster
Am Stadtgraben 9 · 48143 Münster
(0251) 83-2 28 90 (Telefon) · (0251) 83-2 28 04 (Fax)