C4-Podiumsdiskussion: "Der erfolgreiche Aufbau einer Daten-Cloud für mittelständische Unternehmen: Anforderungen, Herausforderungen und Erfahrungen"


Zu der zweiten Veranstaltung des Cloud Computing Competence Centers lud diesmal Frau Prof. Theurl in das Institut für Genossenschaftswesen ein. Thema der Podiumsdiskussion war der „erfolgreiche Aufbau einer Daten-Cloud für mittelständische Unternehmen: Anforderungen, Herausforderungen und Erfahrungen“. Folgende Diskutanten erörterten das Thema auf dem Podium und mit den zahlreichen Teilnehmern: Eckhard Schwarzer (Datev eG), André Schulte (Kanzlei Ecker & Partner), Christoph Mauve (microPLAN GmbH), Frank Weymerich (viadee Unternehmensberatung GmbH), Reinhard Scheck (LVM Versicherung) und Axel Schittek (GAD eG). Frau Prof. Theurl hob am Beginn das Facettenreichtum des Cloud Computing hervor, das eine interdisziplinäre Erforschung nahelegen würde und im Frühjahr 2011 zur Gründung des C4 herbeigeführt hat.


Prof. Dr. Theresia Theurl

Nach einer Definition des Cloud Computings und der Klärung der Inhalte und der einzelnen Modelle (gem. BitKom: Branchenverband der IT-Wirtschaft leitete Herr Schwarzer die Ausführungen der Expertenrunde ein, indem er von vier Treibern (neue Technologie, Mobilität, E-Government, Social Media) berichtete, die den Hintergrund für die Beschäftigung der Datev eG mit Cloud Computing bilden. Zu beobachten sei weiterhin, dass sich die Einstellung der Menschen zu und der Umgang mit Themen wie Social Media und neue Technologien verändert haben. Die Kunden sind besser informiert und aufgeschlossener gegenüber neuen Medien, da diese längst Einzug in den Alltag gefunden haben. Dies verändere die Qualität der Fragestellungen der Kunden, so dass nicht mehr das „Ob“ mit dem Umgang neuer Technologien diskutiert würde, sondern viel mehr deren Umsetzung und Anwendung. Dies erfordere allerdings auch einen vertrauenswürdigen und gut aufgestellten Anbieter für die Kunden. Als Fazit seines Statements nannte Herr Schwarzer die Chancen des Cloud Computing-Geschäftsmodells, die die Zusammenarbeit zwischen allen Akteuren wie bspw. Kunden, Steuerberatern, Anbietern und Behörden elementar veränderten. Die Datev kann heute als ein Cloud-Pionier eingeschätzt werden.


Eckhard Schwarzer

Herr Schulte berichtete daraufhin aus der Sicht eines Datev Kunden, da die Kanzlei Ecker & Partner seit 2006 Cloud-Lösungen der Datev bezieht. Diese vereinfache die Kommunikation zwischen den Steuerberatern und den Unternehmen – ihren Mandanten – erheblich, da diese ihre Belege digitalisieren und diese in die Datev-Cloud hochladen. So können die Steuerberater jederzeit auf alle Belege zurückgreifen und die Cloud dient den Mandanten gleichzeitig als ein Archiv ihrer Belege. Dabei betonte Herr Schulte allerdings, dass das Vertrauen in einen Anbieter sehr wichtig sei und dass ein großer Partner wie die Datev dabei behilflich sein kann, Vertrauen in die Cloud-Thematik zu gewinnen.


Andre Schulte

Herr Mauve konnte im Folgenden beide Sichten, die des Anbieters und des Kunden, in einer vereinen, da die microPLAN GmbH nach Produkten sucht, um diese an ihre Kunden dann weiterzuverkaufen. Die neuesten Entwicklungen stellen das IT-Systemhaus insofern vor neue Herausforderungen, als dass kaum noch eigene Infrastruktur wie bspw. Server verkauft würden. Dies erfordere ein Umdenken in der Positionierung auf dem Markt. Wichtig seien zudem das genaue Lesen der Verträge und Vereinbarungen für die Zeit nach Vertragsende, um zu gewährleisten, dass die Daten nicht verloren gingen. Als ein Fazit seiner Ausführungen hob Herr Mauve hervor, dass die Partner eingängig geprüft, die Verträge sorgfältig gelesen werden sollten und an die Zeit nach Vertragsende gedacht werden müsse.


Christoph Mauve

Herr Weymerich konnte seine Cloud Computing Erfahrungen aus Sicht eines mittelständischen Nachfragers präsentieren. Dabei berichtete er von den IT-Systemen in seinem Unternehmen, wobei nur zwei cloudgestützt sind. Dabei unterstrich er die Relevanz von Zertifikaten, die Notwendigkeit vertrauenswürdiger Anbieter sowie die Problematik der Schnittstellen. Zudem sah er die Abhängigkeit durch den Anbieter aufgrund der Mietmodelle sehr kritisch. Wichtig sei es, sich bei einer Eheschließung auch Gedanken über eine mögliche Trennung zu machen.


Frank Weymerich

Herr Scheck berichtete, dass die LVM sich bereits seit 2001 mit dem Cloud Computing beschäftigen würde, damals jedoch der Begriff noch nicht geprägt war. Er sieht die Vorteile vor allem in einer erhöhten Geschwindigkeit und der Möglichkeit eigene Server zu substituieren. Außerdem sei durch die Skalierbarkeit eine bedarfsgerechte Verwendung von Diensten möglich, wodurch wiederum eine erhöhte Effizienz gegeben sei. Aus seiner Sicht sei eine Cloud für Optimierungszwecke sinnvoll. Für die LVM käme nur eine Private Cloud in Betracht, da im Falle eines Misserfolgs die unternehmerische Reputation auf dem Spiel stehe. Auf diese Weise könnten allerdings nicht alle Effizienzpotenziale einer Public Cloud genutzt werden.


Reinhard Scheck

Für Herrn Schittek stellt Cloud Computing kein neues Geschäftsmodell dar, sondern lediglich eine Evolution, da es erste Cloud-Dienste schon vor 40 Jahren gegeben habe. Dabei führte er das Modell der Trusted Cloud ein, das eine spezielle Private Cloud für einen abgegrenzten Kundenkreis darstellt. Die Kunden agieren so in ihrem eigenen Netzwerk, das höchste Sicherheit bietet. Wichtig sei es für die Banken, sich auf ihr Kerngeschäft zu konzentrieren und die IT-Aktivitäten anderen zu überlassen. Allerdings sei eine derartige Auslagerung mit intensiven Beratungen verbunden und macht Datenschutzgesetzte erforderlich. Diese seien in Deutschland sehr streng, was aber eher als Standortvorteil aufzufassen sei. Sein Fazit bestand in der Aussage, dass die GAD sich massiv für ihre Kunden in Richtung Cloud Computing ausrichte und das bisherige Feedback sehr positiv war.


Axel Schitteck

In der anschließenden Diskussion bestand Übereinstimmung hinsichtlich der Notwendigkeit eines vertrauenswürdigen Partners sowie über die Chancen des Cloud Computing, die genutzt werden sollten. Zunächst wurden über datenschutzrechtliche und haftungsrechtliche Aspekte erörtert. Dabei informierte Herr Schittek über eine unternehmenseigene Umfrage über die Akzeptanz der Kunden bezüglich der Auslagerung der eigenen Daten in das europäische Ausland. 75 Prozent der Befragten lehnte dies ab. In diesem Zusammenhang wurden von Herrn Scheck die Schwierigkeiten bei der Kooperation zwischen den USA und der EU im Bereich des Cloud Computing unterstrichen, da sich die USA meist nicht mit 27 verschiedenen rechtlichen Regeln und Rechtsprechungen auseinandersetzen wollte und daher meist nach ihren Vorstellungen handelte. Allerdings sei es keinesfalls eine Lösung, als Konsequenz den deutschen Markt abzuschotten.

Als weiterer wichtiger Aspekt wurde die Integration von Diensten in die bestehenden Systeme der Unternehmen sowie die Schnittstellen bzw. Lock-In-Problematik diskutiert. Dabei erläuterte Herr Scheck, dass es in der LVM Versicherung einen definierten Benutzerkreis gäbe, nämlich die Versicherungsagenturen, der alle Dienstleistungen von ihnen bezieht und somit komplett integriert sei, woraufhin das Phänomen des „Closed Shop“ kontrovers zur Sprache kam. Herr Schwarzer widersprach der Behauptung nachdrücklich, dass die Datev ein Closed Shop sei, da sie nicht nur Steuerberater, sondern auch 140.000 andere Unternehmen mit Dienstleistungen aus der Cloud versorgen würde und dabei auf offene Schnittstellen Wert legte. Herr Weymerich führte in Bezug auf die Schnittstellenthematik an, dass bei der viadee bewusst jene Prozesse für eine Auslagerung in die Cloud ausgewählt wurden, die wenige Schnittstellen zu anderen unternehmensspezifischeren Prozessen aufzeigten, um so die ersten Gehversuche unkomplizierter zu gestalten. Diese Aussage führte zu der Überlegung, welche Prozesse an einen Dritten ausgelagert werden sollte, um tatsächlich im Cloud Geschäft erfolgreich zu sein.

Dabei betonte Herr Mauve, dass aufgrund der Sicherheitsaspekte und der technischen Merkmale viel zu bedenken sei und die Integration bzw. das Schnittstellenmanagement eine beratungsintensive Aufgabe darstelle. Daher führte er an, dass gerade mittelständische Unternehmen sich früher oder später für einen größeren Anbieter wie bspw. SAP, Microsoft oder Datev entscheiden müssten, da es aufgrund des Beratungsaufwandes zu kostenintensiv sei, mit mehreren Anbietern zusammen zu arbeiten, da so eine Vielzahl von Schnittstellen erzeugt würden. Zunächst sei es, laut Herrn Schittek, daher wichtig, sich losgelöst von den technischen Aspekten, auf der Ebene des Geschäftsprozessmanagements zu bewegen und passende Prozesse zu identifizieren, um die Schnittstellen zu minimieren.

In ihren Schlussplädoyers waren sich alle Beteiligten darüber einig, dass die Anwendung von Cloud-Lösungen aufgrund der Schnittstellenproblematik und der nötigen Integration in die eigene IT-Unternehmenslandschaft sehr beratungsintensiv sei und dass die datenschutzrechtlichen Anforderungen noch einigen Interpretationsbedarf enthalten würde. Die mittelständischen Unternehmen sollten jedoch den Schritt wagen und sich anhand eines sukzessiven Erfahrungsaufbaus dem Cloud-Geschäft öffnen, dabei ihrer Partner jedoch gut auswählen und Verträge genau prüfen, vor allem auch in Hinblick auf die Zeit nach dem Vertragsende. So brachte es Herr Schwarzer final auf den Punkt: „Wer stehen bleibt, ist hinten dran. Um das zu vermeiden sollten geeignete Unternehmensprozesse von vertrauenswürdigen Partnern auf die digitale Autobahn geschickt werden.“ Die nächste Veranstaltung des C4 findet am 15. Mai 2012 statt, den Inhalt werden die datenschutz- und haftungsrechtlichen Aspekte des Cloud Computing bilden.


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