Symposium Wohnungsgenossenschaften

19. März 2014, Mövenpick Hotel, Münster


Wohnen – oder darf es ein bisschen mehr sein?

Am 19. März 2014 fand zum nunmehr 23. Mal das Symposium „Perspektiven für Woh-nungsgenossenschaften“ des Instituts für Genossenschaftswesen der Universität Münster in Kooperation mit dem VdW Rheinland Westfalen e.V. im Mövenpick Hotel in Münster statt. Im Rahmen der Veranstaltung referierten zahlreiche Spitzenvertreter aus Wohnungswirtschaft und Wissenschaft vor etwa 150 Teilnehmern unter dem Oberthema „Wohnen – oder darf es ein bisschen mehr sein“. Dabei wurden den Teilnehmern in den Vorträgen und den daran anschließenden Diskussionen unterschiedliche Impulse und Ansätze zur Erweiterung des Leistungsspektrums der Wohnungsgenossenschaften vorgestellt.


v.l.n.r.: Sylvia Kaufmann, Marion Wolters, RA Alexander Rychter, Gernot Jakobi, Prof. Dr. Theresia Theurl, Rolf Kalleicher, Frank Schrecker, Prof. Dr. Norbert Raschper, Kai Schwartz

Die Veranstaltung wurde durch den Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen e.V. RA Alexander Rychter eröffnet. Dieser veranschaulichte nach einer kurzen und herzlichen Begrüßung der Teilnehmer und Referenten die Notwendigkeit der Mitgliederorientierung für Wohnungsgenossenschaften, insbesondere aufgrund der sich wandelnden Nachfragebedürfnisse. Mit einer Darstellung möglicher Zusatzdienstleistungen, wie dem Angebot von Gästewohnungen, Multimedia oder sogar Elektrizität, leitet er anschließend zu den Vorträgen der weiteren Referenten über.


RA Alexander Rychter

Prof. Dr. Theresia Theurl, Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen der Universität Münster stellte in ihrem Vortrag „Wohnungsgenossenschaften schaffen Werte über ihre Kernkompetenz hinaus“ Reaktionsmöglichkeiten auf die sich ändernden Nachfragebedingungen im Wohnungsmarkt in den Mittelpunkt. Sie veranschaulichte mit Hilfe des theoretischen Konzepts des Kernkompetenzansatzes, in welcher Form Zusatzangebote für Genossenschaftsmitglieder idealerweise zu organisieren sind. Hierbei stellte Prof. Theurl deutlich heraus, dass die Harmonisierung der Zielsetzungen des Unternehmens mit den Anforderungen der Mitglieder eine Grundvoraussetzung für den zukünftigen Erfolg ist. Ihr Vortrag schloss mit der Aufforderung an die Wohnungsgenossenschaften sich kritisch mit den eigenen Kernkompetenzen auseinanderzusetzen und nicht im Kerngeschäft liegende Aktivitäten gegebenenfalls an vertrauenswürdige Kooperationspartner auszulagern. Durch dieses Vorgehen, so Prof. Dr. Theurl, würde es Wohnungsgenossenschaften auch künftig möglich sein nachhaltige Werte für Mitglieder und daraus abgeleitet für deren Wohnumfeld zu schaffen.


Prof. Dr. Theresia Theurl

„Ein Blick über die Grenzen: Welches Selbstverständnis haben die Wohnungsunternehmen in den Niederlanden?“ war das Thema des anschließenden Vortrags von Marion Wolters, Geschäftsführerin von De Woonplaats, Enschede (NL). In diesem stellte sie zunächst unterschiedliche Maßnahmen des niederländischen Wohnungsunternehmens, wie z.B. die gemeinschaftliche Wohnraum- und Wohnungsgestaltung vor, die allesamt auf das übergeordnete Ziel des Unternehmens „die Mieter aktiv in den Entscheidungsprozess bei Neubauprojekten und Sanierungsmaßnahmen einzubinden“ ausgerichtet sind. Daran anschließend zeigte Wolters, wie durch eine Ausweitung des Freizeitangebots, z.B. durch das Bereitstellen von vergünstigten Theaterkarten und den Aufbau von multifunktionellen Gebäuden der sozialen Segregation vorgebeugt werden kann. Sie lieferte hiermit auch für deutsche Wohnungsgenossenschaften überlegenswerte Perspektiven.


Marion Wolters

Mit dem Thema „Energieerzeugung: Handlungsempfehlungen für Wohnungsgenossenschaften“ leitete Prof. Dr. Norbert Raschper, Professor für technisches Immobilienmanagement an der EBZ Business School Bochum und Geschäftsführer der iwb Entwicklungsgesellschaft in Braunschweig, die Vorträge zu den Möglichkeiten der Energieerzeugung durch Wohnungsgenossenschaften ein. In diesem diskutierte er zunächst die Vor- und Nachteile der unterschiedlichen Verfahren der Energieerzeugung, bevor er anschließend Verwendungsalternativen für die erzeugte Energie diskutierte. Er ermutigte Wohnungsgenossenschaften dabei eindringlich, trotz steuerlicher Herausforderungen, auch das Konzept des Weiterverkaufs von Strom und Wärme an die eigenen Mitglieder zu überdenken.


Prof. Dr. Norbert Raschper

Die praktische Umsetzung und die positiven Auswirkungen der wohnungsgenossenschaftlichen Energieerzeugung verdeutlichte Gernot Jakobi, Vorstandsvorsitzender der Wohnbau Bergstraße eG, Bensheim in seinem anschließenden Vortrag „Energieerzeugung: Das energetische Konzept der Wohnbau Bergstraße eG“. Anhand des Beispiels der installierten Kombination aus kooperativ betriebener Biogasanlagen und Blockheizkraftwerken zur Erzeugung von Wärmeenergie und Elektrizität, veranschaulichte Jakobi wie auch ohne staatliche Subventionen eine wirtschaftlicher Mehrwert für Genossenschaft und Mitglieder, in Form von niedrigen Energiekosten und zusätzlichen Erträgen geschaffen werden kann. Er lieferte damit die praktische Bestätigung für die von Prof. Dr. Raschper im Vorfeld formulierten Überlegungen.


Gernot Jakobi

Frank Schrecker, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsbaugenossenschaft “Berolina” eG aus Berlin, eröffnete den abschließenden Teil des Symposiums mit seinem Vortrag „Wohnplus – Serviceleistungen können zugebucht werden“. Schrecker präsentierte zunächst das umfangreiche Angebotsportfolio der „Berolina“, das sich unter anderem durch Mietschuldnerberatung, Gästewohnungen, Pflege- und Haushaltsdienstleistungen auszeichnet. Er schilderte die Notwendigkeit der Weiterentwicklung des individuellen Dienstleistungsangebots für die genossenschaftlichen Mieter sowie Möglichkeiten zur strukturierten Implementierung neuer Services. Den Ausgangspunkt des Prozesses bei der „Berolina“ stellen dabei die Bedürfnissen ihrer Mitglieder sowie die der potenziellen Nachfragen dar, die mittels gezielter Umfragen und unter Verwendung externer Analysen ermittelt werden. In einem anschließenden Schritt werden dann, die eigenen Kompetenzen und Möglichkeiten der Umsetzung analysiert und gegebenenfalls spezialisierte Kooperationspartner, die auf Augenhöhe mit der Genossenschaft agieren, mit der Umsetzung betraut. Durch eine anschließende Bewerbung des Angebots sowie die regelmäßige Evaluierung der Nutzung kann so ein bedarfsgerechtes und langfristig wirtschaftliches Produktportfolio aufgebaut werden.


Frank Schrecker

„Insourcing vs. Outsourcing: Handlungsmöglichkeiten bei Messdiensten“ war der Titel des Vortrags von Rolf Kalleicher, Vorstandsmitglied der Braunschweiger Baugenossenschaft eG, Braunschweig. In diesem stellte er die Vorzüge eines spezifisch auf den Wohnungsbestand abgestimmten Nebenkostenabrechnungssystems dar, das sich zum Beispiel als Zeitersparnis bei den Genossenschaftsmitgliedern widerspiegeln. Da auf der Seite der Genossenschaft zusätzlich ein geringerer Personalaufwand und eine höhere Verbrauchstransparenz resultieren, sieht Kalleicher die Internalisierung des Nebenkostenabrechnungssystems als risikoarme, kundenorientierte und ertragsgenerierende Alternative zur herkömmlichen externen Lösung.


Rolf Kalleicher

Kai Schwartz, Vorstandsvorsitzender der Baugenossenschaft Freie Scholle eG aus Bielefeld, widmete sich im Rahmen seines Vortrags dem Thema „Multimediaversorgung in der Wohnungsgenossenschaft - Gewinn für die Mitglieder“. Schwartz zeigte dabei, wie aus der Unzufriedenheit mit dem Angebot und der Servicequalität eines lokalen Kabelnetzbetreibers die Idee entstand eine unternehmenseigene, technische Lösung zur Bereitstellung von Fernsehen, Internet und Telefon zu entwickeln und wie diese erfolgreich umgesetzt werden konnte. Neben den technischen Herausforderungen stellte er auch die Anforderungen bei der Partnerwahl dar, schloss allerdings mit der Feststellung, dass das Projekt sowohl für die Genossenschaft, als auch für die Bewohner erhebliche Vorteile gebracht hätte, wie z.B. Kostenersparnisse, ein umfangreiches TV- und Radio-Angebot sowie die Einrichtung eines 24-Stunden-Service-Telefons.


Kai Schwartz

Den gelungenen Abschluss der Veranstaltung bildete der Vortrag von Frau Sylvia Kaufmann von der Marketinginitative der Wohnungsbaugenossenschaften aus Berlin mit dem Thema „Zu Gast bei Wohnungsgenossenschaften: Anforderungen und Vorteile von Gästewohnungen“. Kaufmann erläuterte den Aufbau einer Datenbank für Gästewohnungen, mit dem Ziel diese auf Bundesebene allen an dem Projekt beteiligten Genossenschaftsmitgliedern anbieten zu können und so die Mitgliederbindung zu erhöhen. Als Vorteile des Projektes für die Genossenschaften nannte sie weiterhin die Förderung der genossenschaftsübergreifenden Zusammenarbeit, die Steigerung der Auslastungsquoten von Gästewohnungen sowie die positiven Auswirkungen auf das Image der Wohnungsgenossenschaft, sodass auch hier veranschaulicht werden konnte, wie Wohnungsgenossenschaften von zusätzlichen Serviceangeboten profitieren können.


Sylvia Kaufmann

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Perspektiven für Wohnungsgenossenschaften“ findet am 22. Oktober 2014 statt.


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