Symposium Wohnungsgenossenschaften

20. März 2013, Mövenpick Hotel, Münster


Nachhaltigkeit bei Genossenschaften – Fit für den Generationenwechsel


Am 20. März 2013 fand das 21. Symposium „Perspektiven für Wohnungsgenossenschaften“ des Instituts für Genossenschaftswesen der Universität Münster in Kooperation mit dem VdW Rheinland Westfalen e.V. im Mövenpick Hotel in Münster statt. Im Rahmen der Fortführung des aktuellen Oberthemas ‚Nachhaltigkeit bei Genossenschaften‘ referierten Spitzenvertreter aus der Wohnungswirtschaft und Wissenschaft vor etwa 120 Teilnehmern. In den Vorträgen und den daran anschließenden Diskussionen wurden den Teilnehmern unterschiedlichste Ansätze, Instrumente und Impulse zur Gewinnung jüngerer Mitglieder und zu einer nachfragegerechten Umgestaltung des Wohnungsbestandes vorgestellt.


v.l.n.r.: RA Alexander Rychter, Inga Borchard, Manfred Hoffmann, Christoph Rehrmann, Prof. Dr. Theresia Theurl, Olaf Rabsilber, Lisa Wilczek

Der Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen e.V. RA Alexander Rychter eröffnete die Veranstaltung mit einer Begrüßung der Teilnehmer. In seiner Einführung ging er zunächst auf die Tradition der Veranstaltungsreihe in Münster ein und verdeutliche anschließend die Relevanz des Themas Nachhaltigkeit bei Genossenschaften – Fit für den Generationenwechsel. Dabei verwies er darauf, dass die Fortsetzung der engen Zusammenarbeit von Wohnungswirtschaft und Politik, aber auch der Wissenschaft, eine Grundvoraussetzung sei, um den Auswirkungen des demografischen Wandels nachhaltig zu begegnen.


RA Alexander Rychter

Prof. Dr. Theresia Theurl, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen Münster, referierte anschließend in ihrem Vortrag „Nachhaltigkeit für Wohnungsgenossenschaften – den Generationenwechsel aktiv gestalten“ über die Herausforderungen und den Einsatz von Managementtechniken zur erfolgreichen Anpassung an eine sich ändernde Nachfrage. Sie argumentierte, dass die Implementierung eines auf Langfristigkeit ausgerichteten Managements hervorragend mit der langfristigen Orientierung von Wohnungsgenossenschaften harmoniert und erklärte weiterhin, dass zukünftig, insbesondere das Management von Humankapital in Form von Mitgliedern und die Herstellung des Fits mit dem Wohnungsbestand an Bedeutung gewinnen werde. Daran anschließend ging Prof. Theurl zum einen auf die Vorteile, die aus einer langfristigen Ausrichtung resultieren, zum anderen auf damit einhergehende Problempotenziale ein. Exemplarisch zeigte sie Lösungsmöglichkeiten für die identifizierten Probleme auf und fasste abschließend zusammen, dass insbesondere die Anpassung der Produkte, Prozesse und des Images an jüngere Generationen, zentrale Erfolgsfaktoren zur Erschließung der neuen Zielgruppe seien.


Prof. Dr. Theresia Theurl

„Wohnungsgenossenschaften und Nachhaltigkeit – Widerspruch oder Selbstverständlichkeit“ war das anschließende Thema von Herrn Friedhelm Deuter, Vorstandsvorsitzender des Bauvereins zu Lünen eG, Lünen. In seinem Vortrag deklarierte Herr Deuter zunächst den Förderauftrag als Zweck der Genossenschaft als solides Fundament der Nachhaltigkeit. Dabei argumentierte er zum einen mit der Generierung von gutem und bezahlbarem Wohnraum und zum anderen mit der frühzeitigen Umsetzung innovativer Wohnkonzepte durch Wohnungsgenossenschaften. Anhand des Beispiels des Bauvereins zu Lünen zeigte Herr Deuter zudem praktische Implementierungsmöglichkeiten von ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Konzepten, wie z.B. die gezielten Modernisierung des Wohnungsbestands, den wirtschaftlichen Bestandsersatz, die regelmäßige Organisation von Veranstaltungen und die heterogene Bestandsbelegung.


Inga Borchard

„Wie ticken Jugendliche? Zukunftsvorstellungen und mögliche Ansprüche an zukünftiges Wohnen“ war das Thema des anschließenden Vortrags von Inga Borchard, Studienleiterin Sozialforschung des Sinus-Instituts in Berlin. In diesem stellte Sie Studienergebnisse zur Typologisierung von Jugendlichen vor und zeigte deutlich die Heterogenität der Anforderungen dieser - auch in Hinblick auf die Wahl der zukünftigen Wohnform. Da das Spektrum der Anforderungen hierbei zwischen einer hohen sozialen Ausrichtung, bzw. der Suche nach gemeinschafts- und familientauglichem Wohnraum, bis hin zum Erwerb von Luxus-Wohnungen reiche, machte Frau Borchard deutlich, dass keine universelle Strategie zur Befriedigung aller Nachfragebedürfnisse der zukünftigen Generation existieren könne.


Manfred Hoffmann

Mit dem Thema „Bau und Betrieb von Kitas und Kinderbetreuung“ beschäftigte sich Manfred Hoffmann, Vorstandsvorsitzender der BGN Baugenossenschaft Niederberg e.G.. Hierfür stellte er ein innovatives Kooperationsprojekt zur Kinderbetreuung im Rahmen des U3-Konzeptes vor. Die Problematik fehlender Betreuungsplätze für Kinder wurde aufgegriffen und eine Umgestaltung von Wohnraum zur Kindertagesstätte vorgenommen. Trotz der erheblichen Auflagen bei der Umsetzung des Projektes konnte dieses in Zusammenarbeit mit einem lokalen Kindertagesstätten-Betreiber erfolgreich realisiert werden und hierdurch unter anderem auch ein erheblicher Imagegewinn für die Genossenschaft generiert werden.


Christoph Rehrmann

Christoph Rehrmann, geschäftsführender Vorstand der GWG Hagen e.G., hielt im weiteren Verlauf der Veranstaltung seinen Vortrag zum Thema „Zukünftige Bewohnerinnen und Bewohner wirken bei der Gestaltung ihres Wohnraums mit“. In diesem stellte er das Projekt „Hagener Impuls 2008“ vor, in dessen Rahmen die Mitglieder eines Problembezirkes aktiv in dessen Umgestaltungsprozess eingebunden wurden. Ziel dabei war es sowohl das Image des Bezirks, als auch die dortige Wohnsituation nachhaltig zu verbessern. Der komplexe Prozess wurde durch den Regisseur Adolf Winkelmann begleitet, dessen Dokumentation anschließend öffentlich vorgeführt wurde und damit eine ergänzende Werbewirkung hatte. Als wichtigste Erfolgsfaktoren zur Realisierung des Vorhabens nannte Herr Rehrmann die intensive Vorbereitung der Zusammenarbeit, eine grundsätzliche Reaktionsbereitschaft auf Kritik und die Suche des unmittelbaren Kontakts zu den Mitgliedern direkt vor Ort.


Lisa Wilczek

„FlexLiving 2030 – Visionen zur Entwicklung in Wohnquartieren“ war der Titel des Vortrags von Lisa Wilczek, Referentin für Neue Medien, Multimedia und IT des VdW Rheinland Westfalen. Sie stellte dabei die im Rahmen eines Essay-Wettbewerbs entwickelten Ideen zur Schaffung von flexiblen Wohnraumkonzepten vor. Diese basieren grundsätzlich auf der Idee des Fertighauses und umfassen neben einem modularen Wohnraumkonzept auch entsprechende Servicedienstleistungen zum Aufbau von flexiblen Stadtteilen. Ziele des Konzeptes stellen zum einen die unmittelbare Anpassung an Nachfrageänderungen, zum anderen die Verbesserung der Wohnsituation durch die Wiederbelebung des Selbsthilfegedankens dar.


Olaf Rabsilber

Den gelungenen Abschluss der Veranstaltung bildeten die Ausführungen von Olaf Rabsilber, Vorstandsvorsitzender der gemeinnützigen Wohnungsgenossenschaft Oberhausen-Sterkrade e.G., zum Thema „Flexibler Wohnungstausch – von der Immobilie zur Mobilie“. Herr Rabsilber stellte hierfür zunächst das Problem der verkürzten Wohndauer und der steigenden Flexibilitätsanforderungen zukünftiger Generationen anhand von statistischen Daten dar. Rückbau-, Neubau- und Modernisierungsaktivitäten stellen hierbei nach seinen Angaben Grundvoraussetzungen zur Erreichung zukünftiger Zielgruppen dar. Darüber hinaus seien gezielte Maßnahmen zur Gewinnung junger Mitglieder unumgänglich. Seine Ausführungen fundierte er durch die Präsentation einer von der Wohnungsgenossenschaft Oberhausen-Sterkrade e.G. durchgeführten Initiative, in der jungen Interessenten neben einjährigen Mietkostenvorteilen auch ein finanzieller Zuschuss zur Wohnungseinrichtung gewährt wurde. Hierdurch konnten diese nicht nur als Mitglieder akquiriert werden, sondern ein großer Teil, wenngleich nicht alle, auch erfolgreich gehalten werden. Abschließend nannte Herr Rabsilber das Ziel der frühzeitigen Kündigungserkennung und –prävention als zentrale Herausforderung für die Zukunft, welcher mitunter durch Kooperation mit anderen Wohnungsgenossenschaften begegnet werden könne. Im Vordergrund müsse stehen, die Mitglieder in der eigenen Genossenschaft zu halten, nicht aber unbedingt in der bisherigen Wohnung.

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Perspektiven für Wohnungsgenossenschaften“ wird am 15. Oktober 2013 stattfinden.


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