Symposium Wohnungsgenossenschaften

6. November 2012, Mövenpick Hotel, Münster


Nachhaltigkeit bei Genossenschaften – Investition in den langfristigen Gewinn


Am 6. November 2012 fand das 20. Symposium „Perspektiven für Wohnungsgenossenschaften“ des Instituts für Genossenschaftswesen der Universität Münster in Kooperation mit dem VdW Rheinland Westfalen e.V. in Münster statt. Unter dem Oberthema ‚Nachhaltigkeit bei Genossenschaften‘ referierten Spitzenvertreter aus der Wohnungswirtschaft, Wissenschaft und Politik vor etwa 130 Teilnehmern. Im Rahmen der Vorträge und anschließenden Diskussionen wurden den Teilnehmern zahlreiche Impulse und Ansätze zur praktischen Umsetzung nachhaltiger und innovativer Konzepte vorgestellt.


v.l.n.r.: RA Alexander Rychter, Prof. Dr. Norbert Raschper, Frank Nolte, Prof. Dr. Theresia Theurl, Hubertus Dedeck, Ulrich A. Büchner, Friedhelm Deuter

Die Veranstaltung wurde durch Frau Prof. Dr. Ursula Nelles, Rektorin der Westfälischen Wilhelms-Universität Münster, mit einem Grußwort eingeleitet. Frau Prof. Dr. Nelles griff dabei insbesondere die Problematik des Wohnungsmangels in universitären Ballungsräumen auf und verwies darüber hinaus auf den positiven Beitrag genossenschaftlicher Wohnungsunternehmen zur Bewältigung dieser Herausforderung.


Prof. Dr. Ursula Nelles

Anschließend begrüßte Herr RA Alexander Rychter, Verbandsdirektor des VdW Rheinland Westfalen e.V., die Teilnehmer und Referenten des Symposiums. In seiner Einführung verdeutlichte er die Aktualität und hohe Relevanz des Themas Nachhaltigkeit. Als Beispiel, mit dem er die Bedeutung von Wohnungsgenossenschaften in diesem Themenkomplex unterstrich, nannte er unter anderem die politischen Bemühungen zu einer Vereinfachung von Genossenschaftsgründungen.


Verbandsdirektor RA Alexander Rychter

Frau Prof. Dr. Theresia Theurl, geschäftsführende Direktorin des Instituts für Genossenschaftswesen Münster, referierte darauffolgend in ihrem Vortrag „Nachhaltigkeit für Wohnungsgenossenschaften – Wettbewerbsvorteil und Managementherausforderung?“ über den natürlichen Wettbewerbsvorteil des genossenschaftlichen Geschäftsmodells. Sie betonte, dass die Entscheidung über die Nachhaltigkeitsstrategie, das Nachhaltigkeitsmanagement und die Nachhaltigkeitskommunikation stets individuell zu treffen ist. Daran anschließend verdeutlichte sie anhand aktueller Studien, dass die konsequente Ausrichtung des Unternehmensmanagements auf die Bedürfnisse der Genossenschaftsmitglieder zu einer langfristig überlegenen Position im Markt führen kann. Abschließend fasste Frau Prof. Dr. Theurl zusammen, dass Wohnungsgenossenschaften durch eine nachhaltige Ausrichtung auf den MemberValue das verantwortungsbewusste und generationengerechte Zusammenleben langfristig sicherstellen und damit einen positiven Einfluss auf die Gesamtwirtschaft und die Gesellschaft ausüben.


Prof. Dr. Theresia Theurl

„Wohnungsgenossenschaften und Nachhaltigkeit – Widerspruch oder Selbstverständlichkeit“ war das anschließende Thema von Herrn Friedhelm Deuter, Vorstandsvorsitzender des Bauvereins zu Lünen eG, Lünen. In seinem Vortrag deklarierte Herr Deuter zunächst den Förderauftrag als Zweck der Genossenschaft als solides Fundament der Nachhaltigkeit. Dabei argumentierte er zum einen mit der Generierung von gutem und bezahlbarem Wohnraum und zum anderen mit der frühzeitigen Umsetzung innovativer Wohnkonzepte durch Wohnungsgenossenschaften. Anhand des Beispiels des Bauvereins zu Lünen zeigte Herr Deuter zudem praktische Implementierungsmöglichkeiten von ökologisch, ökonomisch und sozial nachhaltigen Konzepten, wie z.B. die gezielten Modernisierung des Wohnungsbestands, den wirtschaftlichen Bestandsersatz, die regelmäßige Organisation von Veranstaltungen und die heterogene Bestandsbelegung.


Friedhelm Deuter

Mit dem Thema „Weil wenig mehr ist – Entscheidungsfindung für energetische Sanierungen“ beschäftigte sich anschließend Herr Prof. Dr. Norbert Raschper, Professor für technisches Immobilienmanagement an der EBZ Business School, Bochum und Ge-schäftsführer der iwb Entwicklungsgesellschaft, Braunschweig. Hierfür stellte er zunächst die realistisch erzielbaren Einsparungspotentiale durch Investitionen in Bestandsimmobilien dar. Demgegenüber stellte er den vergleichsweise hohen Einfluss von fehlerhaftem Nutzerverhalten und veralteter Technik auf die Nebenkostenentwicklung. Hierdurch gelangte Herr Prof. Dr. Raschper zu dem Fazit, dass Investitionskosten und deren Nutzen stets gegeneinander abzuwägen sind, Dämmmaßnahmen auf nicht gedämmte Bauteile und Kellerdecken zu beschränken sind und vermehrt in die Moder-nisierung der Anlagentechnik und Sensibilisierung der Nutzer investiert werden sollte.


Prof. Dr. Norbert Raschper

Herr Hubertus Dedeck, Vorstandsvorsitzender des Bauvereins Langenfeld eG, hielt im weiteren Verlauf der Veranstaltung seinen Vortrag zum Thema „Innovative Energieversorgung in Genossenschaften“. In diesem stellte er zunächst die Vorteile von Genossenschaften sowie ihrer Mitgliedern durch die Nutzung alternativer Energiekonzepte dar. Dabei rückte Herr Dedeck die Vorzüge von Erdwärme und Biomasse in den Fokus der Betrachtung. Als deren Vorteile nannte er neben einer Verringerung der Nebenkosten auch den positiven Einfluss auf die CO2-Bilanz, den Wohnwert und die ökologische Verträglichkeit. Aufgrund dieser Vorzüge erhöhen sie nach Herrn Dedecks Erfahrung die Attraktivität der Wohnungen sowohl für aktuelle Mitglieder als auch für künftige Inte-ressenten.


Hubertus Dedeck

„Ökologische Nachhaltigkeit im Verständnis der GEWOBAU Essen“ war der Titel des Vortrags von Herrn Ulrich A. Büchner, Vorstandssprecher der GEWOBAU Wohnungsgenossenschaft Essen eG, Essen. Herr Büchner konzentrierte sich in seinem Vortrag auf die Darstellung des positiven Einflusses von sozialem, ökonomischem und ökologischem Handeln auf den langfristigen Wettbewerbserfolg von Wohnungsunternehmen. Er zeigte, dass die frühzeitige Identifikation von Synergiepotentialen, die Steigerung der Transparenz der Unternehmensstrategie und die unkomplizierte Kommunikation von Wettbewerbsvorteilen eindeutige Stärken einer nachhaltigen Unternehmensstrategie darstellen. Herr Büchner verdeutlichte seine Ausführungen anschließend anhand des Beispiels der Modernisierung der Siedlung an der Dammstraße. Er nannte unter anderem den verbesserten Emissionsschutz, die Verringerungen der Betriebskosten und die Verbesserung des Images der Genossenschaft in der Region als Vorteile von energetischen Sanierungen.


Ulrich A. Büchner

Daran anschließend referierte Herr Frank Nolte, Vorstandsvorsitzender der Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte eG, über das Thema „Ökologische und soziale Nachhaltigkeit in Wohnungsgenossenschaften – politische Lücken und praxistaugliche Brücken“. Anhand von Beispielen aus der unternehmerischen Praxis der Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte eG zeigte er Strategien zur Steigerung der Mitgliederzufriedenheit, wie z.B. regelmäßige Mieterumfragen oder ein diversifiziertes Dienstleistungsspektrum, auf. Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels nannte Herr Nolte insbesondere den Aufbau von seniorengerechten Wohngemeinschaften durch Kooperationen mit lokalen Wohlfahrtsorganisationen als Gestaltungsmöglichkeit zur nachhaltigen Sicherung von generationenübergreifendem Wohnraum. Um auch die ökologische Nachhaltigkeit der Wohnungen sicherzustellen, nannte er die Initiative der Wohnungsgenossenschaft Witten-Mitte eG ausschließlich auf „grünen Strom“ zurückzugreifen. Durch die Umlage der entstehenden Mehrkosten auf die Genossenschaft entstünden keine individuellen Nachteile für Mitglieder und die Genossenschaft leiste so schon heute einen bedeutenden Beitrag zum Klimaschutz.


Frank Nolte

Den gelungenen Abschluss der Veranstaltung bildeten die Ausführungen von Herrn Gunther Adler, Staatssekretär im Ministerium für Bauen, Wohnen, Stadtentwicklung und Verkehr des Landes Nordrhein-Westfalen, Düsseldorf, zur Aufgabe der Politik im Rahmen des nachhaltigen Wohnungsbaus. Unter der Überschrift „Nachhaltigkeit im Wohnungsbau – Eine Aufgabe für Politik und genossenschaftliche Wohnungswirtschaft“ gab er Einblicke in die politische Perspektive. In seinen Ausführungen verdeutlichte Herr Adler, dass Genossenschaften der Bevölkerung in der Vergangenheit wie heute ein sicheres, preisgünstiges und ökologisch verträgliches Zuhause bieten. Er stellte klar, dass kommunale Wohnungsunternehmen und traditionelle Genossenschaften vor dem Hintergrund der steigenden Wohnraumverknappung wichtige Partner der Politik zur Sicherung von nachhaltig günstigem Wohnraum sind. Herr Adler betonte, dass Wohnungsgenossenschaften die sozialverträgliche Mischung unterschiedlicher Kulturen, Religionen, Alters- und Einkommensklassen, die Sicherung von altersgerechten Wohnungen und die Erhaltung von Grünflächen in städtischen Bereichen fördern und damit einen positiven Einfluss auf die gesamte Region ausüben. Abschließend lobte er die gute Zusammenarbeit von Genossenschaften und Politik in der Vergangenheit und erklärte, dass er auch in Zukunft eine produktive Zusammenarbeit erwarte.


Gunther Adler

Die nächste Veranstaltung der Reihe „Perspektiven für Wohnungsgenossenschaften“ findet am 20. März 2013 statt.


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