Vortragsveranstaltung im Rahmen der Mitgliederversammlung der Forschungsgesellschaft für Genossenschaftswesen Münster e.V.

11. März 2009

Prof. Dr. Thomas Straubhaar,
Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI)


"Deutschland in der Rezession: wie lange, wie stark?"

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Zusammenfassung des Vortrages:

Anlässlich der jährlichen Mitgliederversammlung der Forschungsgesellschaft für Genossenschaftswesen des IfG sprach Prof. Dr. Thomas Straubhaar vom Hamburger WeltWirtschaftsInstitut (HWWI) über das hochaktuelle Thema Wirtschaftskrise. Zu Beginn der sehr gut besuchten Veranstaltung in den Räumen der WGZ BANK stand jedoch zunächst ein kleines Geständnis von Frau Prof. Theurl: Eigentlich hätte sie bei der Planung des Vortragsthemas vor acht Monaten an einen ökonomisch-analytischen Rückblick auf die Krise gedacht. – Die weltweite Wirtschaftskrise hält jedoch an und ein Rückblick auf diese scheint in weiter Ferne zu liegen. Im Fokus stehen somit vielmehr die Fragen, welche Ausmaße die Krise noch annehmen wird und welche ökonomischen Folgen daraus zu erwarten sind. Hochaktuelle und brisante Fragen folglich, denen Herr Prof. Straubhaar in seinem Vortrag begegnen musste, der von der Zuhörerschaft mit Spannung erwartete wurde. Sie setzte sich aus Unternehmern, Vertretern der Kammern, Wissenschaftlern und Studierenden zusammen und spiegelte das große Interesse an den Einschätzungen Prof. Straubhaars über die Krise und ihre Folgen wider.


Prof. Dr. Thomas Straubhaar

Zu Beginn des Vortrags stellte Prof. Straubhaar zunächst fest, dass er als rationaler Optimist den allgemeinen negativen Einschätzungen in seinem Vortrag wenig Platz eingeräumt hätte. Vielmehr gehe es darum, der Krise ökonomisch-nüchtern zu begegnen und aus ihren Folgen zu lernen. Im Rahmen dieser nüchternen Auseinandersetzung mit der Krise betonte Prof. Straubhaar, dass die Ökonomie lehrt, nicht absolute Zahlen wie den Dow Jones oder Bilanzkennzahlen zu betrachten, sondern vielmehr relative Veränderungen in den Fokus der Betrachtung zu setzen. Dann zeige sich nämlich, dass Deutschland natürlich Einbußen zu verzeichnen hat, jedoch im relativen Vergleich aufgrund des weltweiten Ausmaßes der Krise und der weltweiten Betroffenheit aller Länder weiter auf seine Stärken und seine Wettbewerbsfähigkeit setzen könne. Da die Krise alle Länder betrifft, bleiben die relativen Stärken Deutschlands erhalten. Das, so Prof. Straubhaar, sei eine gute Nachricht in der Krise – und er nannte weitere: die Entwicklung des Ölpreis, die Wechselkurzentwicklung, der überraschend stabil gebliebene Konsum. Anders folglich als bei der Ölkrise oder der Japankrise, wo Anziehungs- und Entleerungseffekte zu starken Ungleichgewichten in der Weltwirtschaft geführt hätten, sei dies in der gegenwärtigen Krise nicht zu erwarten.


Prof. Dr. Theresia Theurl

Trotzdem ist die Krise laut Prof. Straubhaar „eine außergewöhnliche“, der auch von Seiten des Staates „mit viel Geld“ begegnet werden müsse, folglich eine schnell wirkende Konjunkturpolitik erfordere. Ein Konjunkturprogramm wie in Deutschland in Höhe von 80 Mrd. Euro wäre somit aus Prof. Straubhaars Sicht gerechtfertigt, wenn mit dem Geld tatsächlich konjunktur- und nicht strukturpolitisch gehandelt werden würde. Straubhaar betonte, dass konjunkturelle Schwankungen stark psychologisch beeinflusst sind. Sinnvolle konjunkturpolitische Maßnahmen setzen also genau an diesen Erwartungen an. "Es gilt, die Erwartungen der Konsumenten und Unternehmen zu drehen", so Straubhaar. Vor diesem Hintergrund stellte er dem Konjunkturpaket der Bundesregierung ein eher schlechtes Zeugnis aus. Wenn man die schnell wirkenden Maßnahmen addiert, so gelangt man allenfalls zu einem einstelligen Milliardenbetrag, der in diesem Sinne wirklich konjunkturpolitisch wirken könne. Der Rest sind strukturplolitische Maßnahmen, die erst längerfristig wirken. Den neben der Fiskalpolitik der deutschen Politik zur Verfügung stehenden Instrumenten wie der Arbeitsmarkt- oder Außenwirtschaftspolitik attestierte Prof. Straubhaar jedoch, „auf einem guten Weg zu sein“.


Peter Gaux, WGZ BANK AG

Als Fazit hielt er fest: Fehler sind typisch und unvermeidbar. 30 Jahre langes Fehlverhalten auf dem Kapitalmarkt mit zweistelligen Renditen hätte zum Stolpern geführt, nun müsse man wieder aufstehen und aus den gemachten Fehlern lernen. Da jedoch auch beim Aufstehen Fehler nicht vermeidbar seien, war sich Prof. Straubhaar am Ende seines Vortrages sicher: Die nächste Krise kommt bestimmt – worauf Frau Prof. Theurl ergänzte: Zu Tode gefürchtet, ist auch gestorben.


Plenum

Zur Person:

Prof. Dr. Thomas Straubhaar promovierte und habilitierte an der Universität Bern. Er lehrte an den Universitäten Konstanz, Freiburg und Basel ehe er 1992 Professor an der Universität der Bundeswehr Hamburg wurde. Seit 1999 ist er Professor an der Universität Hamburg und seit 2005 ist er Direktor des Hamburgischen WeltWirtschaftsInstituts (HWWI).

Prof. Straubhaar ist Experte für internationale Wirtschaftsbeziehungen, Ordnungspolitik sowie Bildungs- und Bevölkerungsökonomie. Er meldet sich regelmäßig zu aktuellen wirtschaftspolitischen Themen zu Wort.


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