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III.1. Institutionalisierung der Europäischen Genossenschaft und die Konsequenzen im Systemwettbewerb (SCE und Genossenschaftsrecht)
Die EU-Verordnung zur Europäischen Genossenschaft bedarf eines Umsetzungsaktes in den Mitgliedstaaten. Sie enthält Wahlrechte und an die Mitgliedsstaaten adressierte Regelungsaufträge. In Deutschland wie in den anderen EU-Staaten wird ein SCE-Ausführungsgesetz vorbereitet, das die konkrete Institutionalisierung der SCE festlegen wird. Damit entsteht eine äußerst interessante Konstellation, die eine Analyse im Kontext der ökonomischen Theorie des Systemwettbewerbs nahe legt. Es wird 15 (und mehr) konkrete Ausformungen der SCE in Europa geben. Diese bestehen jeweils neben den Genossenschaften, die auf der Basis der Gesetze für nationale Genossenschaften gegründet werden. Es kann zu einem Wettbewerb der SCE-Systeme zwischen den Mitgliedsstaaten kommen, der in der Wahl des Sitzes zum Ausdruck kommt. Daneben kann bei abweichender Ausgestaltung, die durch die europäischen Elemente der Verordnung bereits vorgegeben sind, ein Druck auf die Reform des nationalen Genossenschaftsgesetzes entstehen. Diese Zusammenhänge sowie die zu erwartenden Wettbewerbsprozesse und die Perspektiven werden untersucht.
Theresia Theurl (Fertigstellung 2004)

III.2. Die Governancestrukturen des genossenschaftlichen Finanzverbundes
Das gesamte Wirken des Genossenschaftlichen Finanzverbundes wird durch die Governancestrukturen beeinflusst und gesteuert. Sie weisen die Bahnen der Entscheidungsfindung, der Kontrolle, der Verantwortung, der Kommunikation und der Konfliktbewältigung. Die Governancestrukturen bestehen aus einem gesetzlichen/ statuarischen Rahmen, Verträgen und aus informellen Verhaltensweisen, welche sich im Laufe einer langjährigen Zusammenarbeit entwickelt haben. Das als Ausgangspunkt dienende Referenzmodell, welches Vorgehensweisen, Richtlinien und Prozesse eines Finanzverbundes modellhaft, abstrahierend beschreibt, zeigt eine idealtypische Organisationsform eines effizienten Finanzverbundes auf. Dabei steht die Spezialisierung der einzelnen "Kooperationspartner" auf die jeweilige Kernkompetenz im Vordergrund. Das Modell stellt theoretisch fundiert einen Maßstab für den Genossenschaftlichen Finanzverbund dar, liefert Vergleichswerte und dient dazu, Normstrategien und Handlungsempfehlungen für die Praxis abzuleiten. Ziel des Forschungsprojektes ist es, die Strukturen der Governance darzustellen und zu systematisieren, wobei eine Effizienzbeurteilung vorgenommen werden soll. Um die komplexen Strukturen der Governance des Genossenschaftlichen Finanzverbundes möglichst realistisch abbilden und beurteilen zu können, dienen die wichtigsten Mitglieder aller Ebenen als Untersuchungsobjekte.
Alexander Eim (Fertigstellung 2006)

III.3. Die optimale Größe von Kreditgenossenschaften
Die Anzahl der Genossenschaftsbanken in Deutschland ist seit Jahren rückläufig, was durch Fusionen hervorgerufen wird. Die Fusionen werden häufig mit einer zu geringen Unternehmensgröße der einzelnen Kreditgenossenschaften begründet. Empirische industrieökonomische Untersuchungen zur optimalen Unternehmensgröße von Kreditinstituten erbringen in dieser Hinsicht allerdings keine eindeutigen Ergebnisse. Deshalb wird die Größenproblematik in diesem Projekt mit dem Instrumentarium der Neuen Institutionenökonomik (NIÖ), insbesondere dem Verfügungsrechteansatz und der Prinzipal-Agent-Theorie, untersucht. Tiefere Einblicke in die Organisation einer Genossenschaftsbank, die Analyse des Verhaltens einzelner Akteursgruppen sowie der Einfluss der Unternehmensgröße auf diese Akteure können berücksichtigt werden. In diesem Zusammenhang werden auch die komparativen Anreizwirkungen und Größeneffekte von Kooperationen und Fusionen aufgezeigt.
Holger Brunn (Fertigstellung 2004)

III.4. Governancestrukturen der Finanzverbünde im europäischen Vergleich
Jedes europäische Land verfügt über einen oder mehrere genossenschaftliche Finanzverbünde, die sich jedoch hinsichtlich ihrer Governancestrukturen stark unterscheiden. Auf der anderen Seite wird es mittelfristig eine sich verstärkende Tendenz zu grenzüberschreitenden Fusionen und Kooperationen im Finanzbereich geben. Deshalb ist eine frühzeitige Beschäftigung mit den Ähnlichkeiten und Unterschieden der europäischen Finanzverbünde wesentlich, damit dem genossenschaftlichen Finanzsektor diese Entwicklungsoption nicht verschlossen bleibt.
In diesem Projekt erfolgt in einer ersten Phase (unter Nutzung der Erkenntnisse aus dem voran stehenden Projekt III.3.) eine Systematisierung der Kriterien zur Klassifizierung von Governancestrukturen. In der zweiten Phase können damit die unterschiedlichen europäischen genossenschaftlichen Finanzverbünde analysiert werden. In einer optionalen letzten Phase können dann auch die Möglichkeiten grenzüberschreitender Kooperationen untersucht werden.
Theresia Theurl / Eric Meyer (Fertigstellung 2006)

III.5. Strategisches Management in Genossenschaftsbanken - eine institutionenökonomische Analyse
Wie gelingt es einer Genossenschaftsbank, eine erfolgreiche Strategie zu entwickeln und im Tagesgeschäft umzusetzen? Diese Kernfrage steht im Mittelpunkt eines Forschungsprojektes, das sich mit dem Strategischen Management in Genossenschaftsbank auseinandersetzt.
Den Ausgangspunkt zu diesen Überlegungen bilden methodische Managementdefizite, die im Rahmen einer empirischen Analyse der Genossenschaftsbanken identifiziert werden konnten. Es wird aufgezeigt, wie sich diese Managementdefizite theoretisch erklären lassen und über welche methodischen Ansätze existierende Problemfelder behoben werden können.
Im Zentrum steht bei diesen Überlegungen der Einsatz der Balanced Scorecard - ein Managementsystem, mit dem eine allgemein formulierte Strategie in konkrete strategische Ziele überführt und mit Hilfe von geeigneten "ausgewogenen" Kennzahlen gesteuert werden kann. Neben einer theoretischen Beurteilung der Balanced Scorecard wird in der Arbeit ein Implementierungskonzept beschrieben, dass die besondere Struktur der Genossenschaftsbanken, ihre Einbettung in den Finanzverbund und die wettbewerblichen Rahmenbedingungen berücksichtigt. Durch eine parallel verlaufende Diskussion dieser Konzeption - anfangs mit Vertretern des Rheinisch-Westfälischen Genossenschaftsverbandes und aktuell mit Vertretern aus dem gesamten Finanzverbund in einem Arbeitskreis des Bundesverband der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken - wird ein Praxistransfer der theoretischen Forschungsergebnisse angestrebt.
Thorn Kring (Fertigstellung 2004)

III.6. Member-Value: Operationalisierung der genossenschaftlichen Mitgliedschaft
Im Zuge der anhaltenden Shareholder-Value-Diskussion in Wissenschaft, Medien und Politik werden die Vor- und Nachteile dieser strategischen Orientierung von Unternehmen offen gelegt. Auch im genossenschaftlich organisierten Bereich der Ökonomie ist die adäquate zukunftsfähige strategische Ausrichtung ein Thema, dem viel Aufmerksamkeit gewidmet wird. Diesbezüglich gilt es, den Besonderheiten der genossenschaftlichen Organisations- und Kooperationsform Rechnung zu tragen. Der Shareholder-Value ist in einen Member-Value zu transformieren. Eine entsprechende strategische Ausrichtung hat die schädlichen Effekte der Shareholder-Value-Orientierung zu vermeiden und deren positive Anreizkonstellation zu nutzen. Da der Member-Value den Wert des genossenschaftlichen Unternehmens und seiner Wertschöpfung für die Mitglieder zum Ausdruck bringt, werden gleichzeitig die aktuelle Bedeutung der Mitgliedschaft und ihre Ausgestaltungsmöglichkeiten thematisiert. Eine umfangreiche empirische Erhebung soll Informationen über die Operationalisierung von Mitgliederwertkonzepten liefern. Zusätzlich erfolgt eine theoretische Fundierung des Member-Values für Genossenschaften. Schließlich werden Schlussfolgerungen für die konkrete Umsetzung in zukunftsorientierte Mitgliederkonzepte abgeleitet.
Theresia Theurl / Eric Meyer (Fertigstellung 2005)

III.7. Kooperationspotenziale von Wohnungsgenossenschaften
Die schwierige wirtschaftliche Situation macht auch vor dem Wohnungsmarkt nicht halt. Demographische Entwicklung, gesetzliche Vorgaben, geänderte Nachfrageranforderungen sind nur einige der Herausforderungen, denen sich die Wohnungsunternehmen stellen müssen. Auch Wohnungsgenossenschaften haben sich mit diesen Rahmenbedingungen auseinanderzusetzen. Hinzu kommt für viele die Schwierigkeit, als kleines Unternehmen mit 500 oder weniger Wohneinheiten auf einem stark umkämpften Markt zu bestehen.
Vor diesem Hintergrund wird untersucht, inwieweit Kooperationen in allen Geschäftsbereichen für Wohnungsgenossenschaften eine Alternative darstellen, um ihre Wettbewerbsfähigkeit zu steigern und am Markt im Dienste ihrer Mitglieder zu bestehen. Dazu ist es zunächst notwendig, sich ein Bild über bereits bestehende wohnungsgenossenschaftliche Kooperationen zu verschaffen und ihren Erfolg zu überprüfen. Mit Hilfe einer umfassenden empirischen Erhebung unter Wohnungsgenossenschaften sollen diese Daten gesammelt und Zusammenhänge für eine erfolgreiche Kooperation aufgedeckt werden. Gleichzeitig wird eine theoretische Analyse durchgeführt, um wissenschaftlich fundierte Erklärungsansätze aufzudecken, wie Kooperationen von Wohnungsgenossenschaften zur Steigerung des Member-Value eingesetzt werden können. In einem weiteren Schritt werden die empirischen und theoretischen Ergebnisse verglichen und abschließend der Versuch unternommen, Handlungsempfehlungen für die wohnungsgenossenschaftliche Praxis zu formulieren.
Bettina Schlelein (Fertigstellung 2005)

III.8. Finanzierungsstrategien für Wohnungsgenossenschaften
Wohnungsgenossenschaften sehen sich einem ausgeprägten Investitionsbedarf gegenüber. Dies ist der gemeinsame Nenner für Unternehmen unterschiedlicher Größe, Lage, Struktur, Alter und Positionierung. Die Entwicklungen auf der Finanzierungsseite bewirken die Herausbildung einer Lücke zwischen steigendem Finanzierungsbedarf und sinkenden Finanzierungsangeboten. Öffentliche Finanzierungsquellen versiegen zunehmend. Genossenschaftliches Beteiligungskapital ist nicht unbegrenzt zu akquirieren. Darüber hinausgehend zählen Wohnungsgenossenschaften zu jenen Unternehmen, die den Konsequenzen von "Basel II" beunruhigt entgegensehen. Diese Situation soll transparent gemacht, nach innovativen Finanzierungsmöglichkeiten gefragt und das Potenzial der traditionellen Instrumente ausgelotet werden. Dieses Projekt besteht aus einem theoretischen und einem empirischen Teil. Es korrespondiert mit der Arbeit in der Expertenkommission Wohnungsgenossenschaften.
Theresia Theurl (Fertigstellung 2004)

III.9. Die Genossenschaft im System des Unternehmenssteuerrechts - rechtsvergleichende Betrachtung des genossenschaftlichen Sondersteuerrechts und des Körperschaftsteuersystems in Deutschland und Italien
Genossenschaften sind in die nationalen Unternehmenssteuersysteme eingeordnet, die einem häufigen Wandel und zudem europäischen Einflüssen unterliegen. Dies ist der Ausgangspunkt für eine Analyse der Position der Genossenschaft im Unternehmenssteuerrecht und des genossenschaftlichen Sondersteuerrechts am Beispiel Deutschlands und Italiens. Dabei wird insbesondere untersucht, in welcher Weise die Sondersteuerrechtsnormen bzw. die dafür relevanten allgemeinen Steuerrechtsnormen den tatsächlichen Besonderheiten genossenschaftlichen Wirtschaftens entsprechen (können). Vor dem Hintergrund der erforderlichen systematischen Einordnung in das gegenwärtige Unternehmenssteuerrecht und der verfassungsrechtlichen Rechtfertigung lässt sich nur eine ganz bestimmte Art von Sondersteuerrechtsnormen bzw. der steuerrechtlichen Behandlung genossenschaftlichen Wirtschaftens rechtfertigen. Daraus wird ein Teilsteuersystem innerhalb des geltenden Unternehmenssteuersystems entwickelt, das sich über Genossenschaften hinaus auf andere Formen der Unternehmenskooperation mittels Beteiligungen an Körperschaften anwenden lässt.
Gerhard Specker (Fertigstellung 2004)

III.10. Organstruktur der Europäischen Genossenschaft (SCE) im Vergleich zur eingetragenen Genossenschaft deutschen Rechts
Am 22. Juli 2003 ist der Katalog der Gesellschaftsformen, die von deutschen Unternehmen gewählt werden können, um ein supranationales Vehikel erweitert worden. Bei der hinzugetretenen Gesellschaftsform handelt es sich um die Europäische Genossenschaft (abgekürzt: SCE = Societas Cooperativa Europaea). Ziel der Einführung der SCE als mittlerweile dritter gemeinschaftsrechtlicher Gesellschaftsform ist es, speziell genossenschaftlich organisierten Unternehmen einen geeigneten Rechtsrahmen für deren grenzüberschreitende Wirtschaftstätigkeit an die Hand zu geben. Damit vermeidet der europäische Gesetzgeber die Einflussnahme auf die nationalen genossenschaftsrechtlichen Vorschriften, die von der neuen Rechtsform unberührt bleiben.
Dennoch lohnt es sich, einen genauen Blick auf das Konzept der SCE zu werfen. Denn die SCE-Verordnung gesteht den Gründern nicht nur ein wesentlich größeres Maß an Satzungsfreiheit zu, sie stellt darüber hinaus Organisationsmöglichkeiten bereit, die dem deutschen Genossenschaftsrecht bisher völlig fremd sind. Zu nennen ist hier vor allem die Möglichkeit der Organisation der SCE mit einem einzigen Verwaltungsorgan, also unter Verzicht auf die dem deutschen Genossenschaftsrecht innewohnende Aufgabenteilung zwischen Vorstand und Aufsichtsrat. Neben anderen gravierenden Neuerungen sieht die SCE-Verordnung auch die Option zur Aufnahme nicht nutzender (investierender) Mitglieder vor und liefert in Form erweiterter Möglichkeiten zur Vergabe von Mehrstimmrechten und größerer Flexibilität in der Verwendung des Betriebsergebnisses auch ein geeignetes Mittel zur Erhöhung der Attraktivität einer (rein) kapitalmäßigen Beteiligung. Bereits aus den genannten Punkten ergibt sich, dass die SCE-Verordnung auch im Zusammenhang mit einer zukünftigen Reform des Genossenschaftsgesetzes diskussionswürdige Ansätze beinhaltet. Die Untersuchung und Bewertung dieser Ansätze ist Gegenstand des oben genannten Forschungsvorhabens.
Matthias Wiese (Fertigstellung 2006) |