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II.1. Die Dynamik von Unternehmenskooperationen: eine komparative Analyse
Unternehmen kooperieren zunehmend und in unterschiedlichen Formen. Unter dem Einfluss eines geänderten Umfeldes reoptimieren sie ihre Unternehmensgrenzen und tragen dabei auch den negativen Ergebnissen realer Größe durch Fusionen Rechnung. Viele Institutionalisierungen der zwischenbetrieblichen Kooperationen haben sich herausgebildet, die sich durch ihre konstituierenden Merkmale voneinander unterscheiden. Viele Kooperationen scheitern oder bringen nicht die erwarteten Effekte. Dies kann durch eine nicht zielführende Institutionalisierung, durch ein ineffektives Kooperationsmanagement oder durch eine mangelhafte Einschätzung der Entwicklungsperspektive der Kooperation hervorgerufen werden. Dieses Projekt thematisiert Letzteres, indem es nach der Dynamik von Kooperationen fragt. Dabei wird die dynamische Perspektive durch das Zusammenwirken von Flexibilität und Stabilisierung - zwei Merkmalen, die widersprüchliche Anforderungen an die Ausgestaltung von Kooperationen stellen - bestimmt. Es erfolgt ein Vergleich der unterschiedlichen Kooperationsformen im Hinblick auf die Möglichkeiten, stabilisierende und flexibilisierende Mechanismen zu institutionalisieren und zu entwickeln. Auf dieser Basis werden konkrete Institutionalisierungshinweise erarbeitet sowie Empfehlungen für das Kooperationsmanagement formuliert.
Theresia Theurl (Fertigstellung 2005)

II.2. Interne Stabilisierung von globalen Unternehmenskooperationen
Im Zuge der Internationalisierung (Globalisierung) des Wirtschaftens vollzieht sich ein organisatorischer Wandel, um den sich stellenden Anforderungen nach Flexibilität, Geschwindigkeit und wirtschaftlicher Größe gerecht werden zu können. Empirisch nachweisen lässt sich ein Trend zur Kooperation von Unternehmen, deren Ausgestaltung sehr vielfältig sein kann.
Wie sehen die Anforderungen aus, die an eine internationale Kooperation gestellt werden? Es soll die optimale organisatorische Ausgestaltung ausgelotet werden. Ein entscheidendes Kriterium für das entsprechende Arrangement ist die Ermöglichung von Flexibilität. Ausgestaltungs- und Anpassungsflexibilität sind gleichermaßen von Bedeutung, wenn es darum geht, internationale Wettbewerbsfähigkeit zu erreichen. Als Extremum in diesem Bereich gelten virtuelle Unternehmen bzw. virtuelle Netzwerke. Doch um dauerhaft erfolgreich sein zu können, sind Mechanismen der Stabilisierung der Binnenbeziehungen erforderlich. Eine Erfolgsbedingung einer jeden Kooperation besteht daher darin, gleichzeitig Flexibilität und Stabilisierung zu ermöglichen. An der Existenz dieses Trade-offs scheitern viele Kooperationen. Es ist zu klären, ob virtuelle Unternehmen und Kooperationen geeignet sind, diesen parallelen Anforderungen gerecht zu werden. Es wird mit dem institutionenökonomischen Instrumentarium analysiert. Die Betrachtung von Verhaltensunsicherheiten und inkonsistenten Anreizstrukturen steht dabei im Mittelpunkt. Um eine tiefergehende Untersuchung vornehmen zu können, wird die Institutionenökonomik um Ansätze der Soziologie und der Kulturwissenschaft erweitert. Der Aufgabenstellung entsprechend werden Aspekte der Konfliktforschung und der (Unternehmens-)Kulturforschung im Mittelpunkt stehen. Auch Erkenntnisse der Ethikforschung sollen zur Beantwortung der Frage nach dem Einbezug von stabilisierenden Institutionen in virtuelle Unternehmen genutzt werden, die in der Lage sind, eine Verringerung von Unsicherheiten zu erreichen.
Andrea Schweinsberg (Fertigstellung 2005)

II.3. Externe Stabilisierung von globalen Unternehmenskooperationen - eine wettbewerbspolitische Analyse
Die rasant voranschreitende Globalisierung der Märkte begünstigt eine erhebliche Zunahme grenzüberschreitender Unternehmenskooperationen. Solche Vereinbarungen treten in den unterschiedlichsten Formen auf, sowohl was die Ausgestaltung anbetrifft, von losen Absprachen bis hin zu Gemeinschaftsunternehmen, als auch bezüglich der Stufen in der Wertschöpfungskette. Kooperationen weisen jedoch nicht nur Effizienzvorteile auf. Jede Kooperation beinhaltet eine Form der Absprache zwischen Unternehmen, die potenziell den Wettbewerb beschränkt. Aus diesem Trade-off ergibt sich eine wichtige Aufgabe für die europäische Wettbewerbspolitik.
Um internationale Kooperationen aus wettbewerbspolitischer Sicht beurteilen zu können, muss der Beurteilungsmaßstab zunächst genau definiert werden. Wettbewerbsbeschränkungen können nur vermieden werden, wenn klar ist, was unter freiem Wettbewerb zu verstehen ist. Zunächst wird daher unbeschränkter Wettbewerb anhand der Funktionen definiert, die er erfüllen soll. Diese Funktionen werden aus gesellschaftlichen Grundwerten abgeleitet. Anschließend wird der Tradeoff zwischen Wettbewerbsbeschränkungen und Effizienzvorteilen dargestellt. In diesem Zusammenhang sollen Bedingungen herausgearbeitet werden, die bei einer solchen Abwägung zu beachten sind. Im folgenden Abschnitt erfolgt eine Analyse der verschiedenen Formen von Kooperationsvereinbarungen. Dabei werden die Effizienzvorteile solcher Kooperationen gegen die einhergehenden Beschränkungen des Wettbewerbs abgewogen. Diese Analyse soll als ökonomisches Fundament dienen, auf dem schließlich die derzeit gültigen Regeln der europäischen Wettbewerbspolitik beurteilt werden. Ziel ist die Entwicklung von Vorschlägen für eine ökonomisch fundierte Gesetzgebung in der europäischen Wettbewerbspolitik, die den Akteuren Rechtssicherheit im Bezug auf Kooperationsvereinbarungen geben soll. Anders gewendet bezweckt diese Arbeit eine externe Stabilisierung internationaler Unternehmenskooperationen.
Neben dieser externen Stabilisierung (Teil 2) bildet die interne Stabilisierung von Unternehmenskooperationen den ersten Teil des Gesamtprojektes "Globales Wirtschaften - globale Unternehmenskooperationen - globale Regulierung". Im ersten Teilprojekt beschäftigt sich Dipl.-Volkswirtin Andrea Schweinsberg mit der optimalen Ausgestaltung globaler Unternehmenskooperationen.
Tholen Eekhoff (Fertigstellung 2005)

II.4. Finanzierungsrelevante Risikomerkmale von Kooperationen - Operationalisierung, Konsequenzen, Maßnahmen
Vor dem Hintergrund einer verstärkt risikoorientierten Kreditvergabe deutscher Banken und zunehmend restriktiveren Finanzierungsbedingungen für den deutschen Mittelstand wird in diesem Forschungsprojekt untersucht, ob sich Mitgliedschaft eines Unternehmens in einer Verbundgruppe auf die Risikolage eines Unternehmens auswirkt.
Dazu hat der Zentralverband Gewerblicher Verbundgruppen (ZGV) das Institut für Genossenschaftswesen im Sommer 2003 beauftragt, eine empirische Untersuchung bei Verbundgruppen-Zentralen und deren Mitgliedern durchzuführen. Als Risikoindikator für die Unternehmen wurde der Creditreform Bonitätsindex herangezogen. Im Rahmen einer umfangreichen Datenerhebung wurden die Bonitätsindizes von über 15000 Unternehmen, die Mitglied in einer Verbundgruppe sind, ermittelt und mit einer ebenso großen Zufallsstichprobe verglichen. Zusätzlich wurden über Fragebögen an die Verbundgruppen-Zentralen und ihre Mitglieder u. a. Einschätzungen über die Finanzierungsbedingungen der Mitglieder und über die Unterstützung der Mitglieder durch die Zentralen in qualitativen Rating-Kriterien erhoben. Die Ergebnisse erscheinen viel versprechend: Verbundgruppenmitglieder weisen mit einer höheren Wahrscheinlichkeit ein niedrigeres Risiko auf als nicht kooperierende Unternehmen.
Peter Ebertz (Fertigstellung 2005)

II.5. Management von Kooperationen
In der Praxis finden sich eine Vielzahl von Kooperationsformen. Die wissenschaftlichen Fragen nach der Klassifikation und den Erklärungen für Kooperationen gelten bereits als weiträumig beantwortet. Doch die Frage, wie das Management von Kooperationen konkret ausgestaltet wird, ist nicht hinreichend geklärt. In der Praxis können unterschiedlichste Institutionalisierungsformen beobachtet werden. Sie reichen von einzelnen Kooperationsbeauftragten, über Abteilungen für strategische Allianzen bis hin zu eigens gegründeten Unternehmen, die ausschließlich mit dem Kooperationsmanagement einer Kooperation beauftragt sind (bswp. Star Alliance).
Das Ziel des Projekts ist es, Institutionalisierungsformen, Strukturen und Instrumente eines erfolgreichen Kooperationsmanagements zu identifizieren und daraus konkrete Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Cengiz Iristay (Fertigstellung 2006)

II.6. Freiberufler-eG: eine Alternative zu den freiberuflichen Kooperationsformen der GbR, PartG und GmbH
Die Diskussion um eine moderne und flexible Organisationsform für Freiberufler hat in den vergangenen Jahren als Folge eines gewachsenen Kooperationsbedürfnisses wieder an Aktualität gewonnen. In diesem Zusammenhang sei stellvertretend nur das Stichwort "Freiberufler-GmbH" genannt. Auffallend und zugleich kaum zu verstehen ist hierbei, dass die Genossenschaft als (ideal-)typische Organisationsform für Kooperation in dieser Debatte nicht auftaucht. Das Forschungsprojekt untersucht daher, ob die eG für freiberufliche Zusammenschlüsse eine geeignete und wettbewerbsfähige Organisationsform ist bzw. ob sie durch Änderungen des Genossenschaftsgesetzes zu einer solchen werden kann. Dabei soll auch der sich kontinuierlich vergrößernde Kreis der Freiberufler als ein interessanter und chancenreicher Markt für genossenschaftliche "Neugründungen" in den Blickwinkel genommen werden.
Nadja Lämmert (Fertigstellung 2004)

II.7. Unternehmenskooperationen mit Schwellenländern - Ihr Beitrag zur wirtschaftlichen Entwicklung
Der explosionsartige Anstieg der Kooperationen im internationalen Kontext ist kein neues Phänomen. Zuerst als periphere Markteintrittsstrategie in sozialistische Nationen und protektionistische Entwicklungsländer gedacht, haben Kooperationen mittlerweile eine neue Position in der Unternehmensstrategie eingenommen. Kooperationen bieten eine organisatorische Lösung, um die Anforderungen der heutigen wissensbasierten Gesellschaft zu bewältigen, die durch hohe Unsicherheit geprägt ist. Dies gilt insbesondere im internationalen Zusammenhang, bei der Unsicherheit durch einen lokalen Partner reduziert werden kann. Aber auch die Host Economies profitieren von internationalen Unternehmenskooperationen: Sie ermöglichen im Gegensatz zu anderen Internationalisierungsformen (Absatzorientierte Strategie, Greenfield Investment ) eine direkte Interaktion zwischen inländischen und ausländischen Akteuren, die nicht über den Markt erfolgt. Know-How wird somit schneller transferiert und implizites Wissen zugänglich gemacht, welches wiederum die Entwicklung der Host Economies fördert.
Die Studie soll das mikroökonomische Entscheidungskalkül bei der Wahl der Kooperationsform einerseits und den Entwicklungsbeitrag der Kooperationen im makroökonomischen Kontext andererseits untersuchen.
- Das ausländische Unternehmen wählt, je nach Motiv/Zielsetzung der Internationalisierung, die aus Unternehmenssicht optimale Kooperationsform. Dabei hängt die Entscheidung nicht nur von dem ex ante festgelegten Kooperationsprofil ab, sondern wird ebenfalls durch lokale Determinanten (wirtschaftsspezifische und unsicherheitsrelevante Merkmale, politische Rahmenbedingungen, etc.) beeinflusst. Es gilt also im Rahmen dieser Studie eine Entscheidungsregel für die optimale Kooperationsform bei gegebenen Umweltbedingungen herauszuarbeiten. Dabei müssen Wechselwirkungen zwischen der Kooperationsausgestaltung und dem Kooperationskontext berücksichtigt werden.
Die Wahl der Kooperationsform beeinflusst unmittelbar und mittelbar über Kooperationsausgestaltung und -erfolg das Wachstum der Industrie in der Region, in der es agiert. Dies geschieht vornehmlich über Kapital- und Wissenstransfer. Die Intensität dieses Transmissionsmechanismus auf das Wachstum hängt wiederum von lokalen Determinanten ab, die ihrerseits durch die Kooperation beeinflusst werden. Es existiert also eine multikausale Wirkungskette zwischen der Institutionalisierungsform internationaler Kooperationen und dem Wachstum der Host Economies . Dieser Zusammenhang soll im Rahmen des Projektes modelliert werden. Dabei soll der unterschiedliche Beitrag der verschiedenen Kooperationsformen auf das Wachstum im Fokus der Analyse stehen.
Julia Trampel (Fertigstellung 2006)

II.8. Kooperationsinformationssysteme Kooperationen spielen im wirtschaftlichen Geschehen eine zunehmend wichtige Rolle. Dementsprechend nimmt auch der Bedarf an wissenschaftlichen Erkenntnissen über Kooperationen zu. Bei der systematischen Auswertung von Kooperationsfällen sieht sich der Forscher jedoch mit einer großen Anzahl unterschiedlichster Informationsquellen konfrontiert. Sowohl die Dokumentation des Kooperationsgeschehens in einer Vielzahl von Medien (Zeitungen, Zeitschriften, Internet, Firmenpublikationen etc.) als auch der relativ niedrige Strukturierungsgrad der Inhalte in den Medien erschweren den Umgang mit den verfügbaren Informationen. Wünschenswert wäre es daher, wenn die existierenden Informationen in strukturierter Form vorlägen und über ein zentrales Medium abrufbar wären, um auf dieser Basis sowohl rechnerunterstützte als auch automatisierte Auswertungen vornehmen zu können.
Im Rahmen des Dissertationsprojektes "Kooperationsinformationssysteme" sollen die theoretischen Vorarbeiten geleistet und die Konzeption sowie die praktische Umsetzung eines Informationssystems entwickelt werden, welche als Instrument für weiterführende Analysen des Kooperationsgeschehens dienen kann.
Der Abschluss des Forschungsprojektes ist für das zweite Quartal 2006 geplant. Die theoretischen und konzeptionellen Vorarbeiten werden jedoch schon Anfang 2005 weitgehend abgeschlossen sein.
Andre van den Boom (Fertigstellung 2006) |