Institut für Genossenschaftswesen

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Prof. Dr. Theresia Theurl
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Oberseminar zum Genossenschaftswesen, Dorint Hotel Hannover, 10. März 2003

"Outsourcing und Finanzverbund - Strategien für eine effiziente Arbeitsteilung"



Bündelung der Kräfte ist noch nicht am Ziel

In einem war man sich einig: Die Strategie der genossenschaftlichen Bankengruppe "Bündelung der Kräfte" ist weder Vision noch Illusion, sondern bereits Realität. "Die Genossenschaftsbanken und ihre Partner im FinanzVerbund sind auf dem richtigen Weg, aber noch lange nicht am Ziel." Dieses Resümee zog Prof. Dr. Theresia Theurl am Ende des Seminars "Wissenschaft & Praxis im Gespräch".


Prof. Dr. Theresia Theurl

Detlef Großweischede

Rund 150 Vertreter aus Genossenschaftswirtschaft, Politik, Verwaltung und Wissenschaft konnten die beiden Gastgeber Verbandsdirektor Detlef Großweischede vom GVN und Prof. Dr. Theresia Theurl vom IfG Münster am 10. März im Dorint Hotel Hannover begrüßen. Damit erlebte das Oberseminar zum Genossenschaftswesen, zu dem der GVN und das IfG Münster bereits zum achten Mal eingeladen hatten, einen Besucherrekord. Anziehungskraft hatte nicht nur das hochaktuelle Oberthema "Outsourcing und Finanzverbund - Strategien für eine effiziente Arbeitsteilung", sondern auch die hochkarätige Referentenliste. Mit Detlef Großweischede, Heinz Hilgert (DZ Bank), Anno Lederer (GAD), Dr. Christopher Pleister (BVR), Michael Siegers (Volksbank Hildesheim) und Thomas Ulrich (WGZ Bank) standen immerhin Vorstände von fünf bedeutenden Institutionen des genossenschaftlichen FinanzVerbundes sowie einer Primärbank dem Auditorium Rede und Antwort. Höhepunkt war eine abwechslungsreiche Podiumsdiskussion unter der Leitung von Prof. Dr. Theurl, die der Frage nachging: "Bündelung der Kräfte: Vision oder Illusion?".

IT-Prozesskosten senken

Anno Lederer, Vorstandssprecher der GAD eG, zeigte in einem einführenden Referat Perspektiven für das genossenschaftliche IT-Netzwerk auf. Er erinnerte daran, dass die Auslagerung und Bündelung der IT-Leistungen eine der ersten Outsourcing-Maßnahmen im genossenschaftlichen FinanzVerbund gewesen sei. Die Komplexität des IT-Netzwerkes habe sich kontinuierlich erhöht, betonte Lederer. Deshalb müsse sich das genossenschaftliche IT-Netzwerk durch die Umsetzung einer Multi-Solutions-Strategie von der Produktbefriedigung zur Bedürfnisbefriedigung weiterentwickeln, folgerte Lederer. Als eine der Hauptaufgaben nannte Lederer die Senkung der IT-Prozesskosten, um die GuV der Genossenschaftsbanken zu entlasten. Aus dem ungeregelten Netzwerk der Anfangsjahre mit zahlreichen, sich überschneidenden Datenleitungen und unterschiedlichsten Prozessen müsse deshalb ein geregeltes Netzwerk werden. Insbesondere müsse man die zur Zeit noch fünf unterschiedlichen Bankverfahren vereinheitlichen. Die GAD sei bereits gut positioniert. Mit BB3 verfüge man über ein modernes, prozesskostensparendes einheitliches Bankenverfahren, das unter dem Titel "bank 21" weiterentwickelt werde.



Anno Lederer
Wolfgang Crimmann
   
Thomas Ullrich

Verbriefung als Chance

"Jeder sollte das tun, was er am besten kann" fasste Wolfgang Crimmann, Regionaldirektor der DG Hyp, die grundlegende Handlungsmaxime zum Vortragsthema "Kooperation und Wettbewerb in der Immobilienfinanzierung" zusammen. Crimmann war für den im ersten Teil der Veranstaltung verhinderten Dr. Walter Weber, Mitglied des Vorstandes, eingesprungen. Die DG Hyp forciere die Weiterentwicklung ihrer Kernkompetenz im Hypothekengeschäft, unterstrich Crimmann. Im Vertrieb von Baufinanzierungen komme dem Abbau des verbundinternen Wettbewerbs große Bedeutung zu, da durch standardisierte Produkte und eine koordinierte Marktbearbeitung die Kosten reduziert und das Neugeschäft gesteigert werden könne. Als Produktionsbank stehe seit Juli 2000 die VR Kreditwerk AG, ein Gemeinschaftsunternehmen der DG Hyp und der Bausparkasse Schwäbisch-Hall, zur Verfügung. Um die Prozesskosten zu reduzieren, diskutiere man zur Zeit die Zusammenführung aller Anbieter für Immobilienfinanzierung im genossenschaftlichen Verbund unter dem Dach der VR Immobilien AG. Darüber hinaus wolle sich die DG Hyp als Portfoliobank für den gesamten Verbund etablieren. Die DG Hyp biete den Primärbanken in Zusammenarbeit mit der DZ Bank an, Kredite zu verbriefen und am Kapitalmarkt als Mortgage Backed Securities (MBS) zu platzieren. Auf diese Weise könne Eigenkapital gespart und die Risikostruktur des Portfolios im Sinne von VR Control gezielt gesteuert werden. "Dabei kommt uns unsere Erfahrung in der Verbriefung von Krediten zugute", erläuterte Crimmann.

Effiziente Arbeitsteilung im regionalen Verbund

"Die Auslagerung oder der Zukauf von Tätigkeiten durch Genossenschaftsbanken ist so alt wie die Genossenschaftsbank selber", erläuterte Thomas Ullrich, Mitglied des Vorstandes der WGZ Bank. Er übernahm das Referat "Outsourcing im regionalen Finanzverbund" für den erkrankten WGZ-Vorstandsvorsitzenden Werner Böhnke. Outsourcing habe durch den zunehmenden Wettbewerb eine gesteigerte Aktualität erfahren. Wie schon in der Industrie müsse die Wertschöpfungsquote der Banken nach Angaben einer Studie der Unternehmensberatung Roland Berger in den nächsten 10 Jahren von 80% auf etwa 30% verringert werden. Outsourcing böte die Chance, die Mitarbeiter in den Volks- und Raiffeisenbanken von Marktfolge- und Verwaltungsarbeiten zu befreien und ihnen mehr Spielraum für die eigentliche Kernkompetenz der Primärbanken zu verschaffen, die qualifizierte individuelle Beratung und den Vertrieb. Durch die Bündelung der ausgelagerten Tätigkeiten auf Spezialisten ließen sich zudem Kostenvorteile erzielen. Diese Vorteile werden aber erkauft durch den Verlust von Einflussmöglichkeiten und das Entstehen von Abhängigkeiten gegenüber den Lieferanten. Als Vertragspartner für die Auslagerung komme nur ein Unternehmen in Frage, dem man vertrauen könne. "Geeignet sind insbesondere die Unternehmen im genossenschaftlichen FinanzVerbund, mit denen man auf eine jahrlange positive Erfahrung in der Zusammenarbeit zurückblicken kann", meinte das WGZ-Vorstandsmitglied. Um die Arbeitsteilung im regionalen FinanzVerbund in Rheinland und Westfalen weiterzuentwickeln, habe die WGZ unter dem Titel "Initiative zur Stärkung der Mitgliedsbanken" gemeinsam mit dem RWGV und der GAD vier Einzelprojekte auf den Weg gebracht.


Rund 150 Teilnehmer nahmen am Seminar "Wissenschaft & Praxis im Gespräch" teil.

Gut vorbereitet durch die einleitenden Referate erwartete die zahlreichen Teilnehmer die abschließende Podiumsdiskussion. Echte Neuigkeiten gaben die fünf Podiumsteilnehmer zwar nicht preis, aber die unterschiedlichen Sichtweisen wurden mehr als deutlich. Prof. Dr. Theurl sorgte mit gezielten Fragen für die nötige Abwechslung und lockte so manche pointierte Äußerung hervor.

Bündelung der Kräfte ist Daueraufgabe

"Die genossenschaftliche Vielfalt in den neunziger Jahren hat uns unendlich viel Geld gekostet", gab Dr. Christopher Pleister unumwunden zu. Mit der Strategie Bündelung der Kräfte sei man jetzt jedoch auf einem guten Wege, den Verbund effizienter zu gestalten. Leider komme es aus "irrationalen Gründen" jedoch immer wieder dazu, dass sinnvolle und im Vorfeld bereits abgestimmte Maßnahmen, wie das Klassifizierungsverfahren für die Sicherungseinrichtung, wegen des Widerstandes Einzelner nicht umgesetzt werden könnten. "Dieser genossenschaftliche Populismus schadet unserer Weiterentwicklung", urteilte Pleister. Auf die Frage, ob er mit dem Fortschritt bei der Umsetzung der Strategie zufrieden sei, meinte Pleister: "Angesichts der genossenschaftlichen Realitäten, die täglich auf mich einprasseln, bin ich froh, dass wir so weit sind, wie wir sind." Nach wie vor schöpfe der genossenschaftliche FinanzVerbund das Potenzial seiner 30 Million Kunden jedoch noch nicht ausreichend aus. "Die Bündelung der Kräfte bleibt deshalb eine Daueraufgabe", prognostizierte Pleister.

Kooperation der Zentralbanken

"Im Vergleich zur Sparkassengruppe ist unser Verbund gut aufgestellt", urteilte Heinz Hilgert. Als Kernkompetenzen der DZ Bank führte Hilgert die Mitgliedsbankenbetreuung, das Emissionsgeschäft und das transaktionsbezogene Banking an. Thomas Ullrich reklamierte die Kernkompetenz in der Mitgliedsbankenbetreuung jedoch ebenso für die WGZ Bank: "Die Mitgliedsbankenbetreuung bei uns sieht etwas anders aus als diejenige in der DZ Bank". Eine Fusion zwischen der DZ Bank und der WGZ Bank hielten beide Vorstände auf mittlere Frist zumindest für "denkbar". Hilgert betonte: "Zur Zeit stehen nicht Überlegungen für eine Fusion, sondern konkrete Kooperationsprojekte im Mittelpunkt der Arbeit". "Die Zeit, in der sich die WGZ Bank und die DZ Bank einen ruinösen Wettkampf um Kunden geliefert haben, ist endgültig vorbei", unterstrich auch Ullrich. Doppelarbeiten auf Ebene der Primärbanken wolle man durch intensive Absprache vermeiden, war man sich einig. Hilgert gestand in Einzelbereichen Nachholbedarf ein: "Outsourcing-Dienstleistungen, wie die Funktion des Geldwäschebeauftragten, welche die WGZ Bank ihren Mitgliedern bereits anbietet, wollen wir zukünftig zu vergleichbaren Konditionen auch den von uns betreuten Banken verfügbar machen".


Podiumsdiskussion mit Michael Siegers, Dr. Christopher Pleister, Prof. Dr. Theresia Theurl, Detlef Großweischede, Thomas Ullrich, Heinz Hilgert (v.l.n.r.)

Konsolidierung statt Fusion

Der Schaffung eines einzigen nationalen Prüfungsverbandes erteilte Detlef Großweischede keine grundsätzliche Absage. "Es wäre jedoch abenteuerlich, wenn man überhastet, womöglich durch Sprungfusionen, einen gemeinsamen Prüfungsverband schaffen wollte, ohne alle betroffenen Einzelverbände zu beteiligen", gab Großweischede diesem Projekt eher langfristigen Charakter. Durch Kooperationen der Regionalverbände untereinander oder durch Bündelung beim DGRV vermeide man bereits heute Doppelarbeiten. Weitere Synergieeffekte habe man bereits durch Fusionen realisiert. "Der GVN mit seinen 1600 Mitgliedsgenossenschaften in acht von 16 Bundesländern ist gerade aus einer Fusion hervorgegangen und muss sich deshalb zunächst einmal konsolidieren, bevor weitere Veränderungen anstehen", beschrieb Großweischede das weitere Vorgehen.

Uns läuft die Zeit weg!

"Es dauert alles viel zu lange", kritisierte Michael Siegers den Fortschritt bei der Umsetzung der Strategie Bündelung der Kräfte. Die Wettbewerbssituation der Volks- und Raiffeisenbanken ließe es nicht zu, dass man Effizienzpotenziale nicht hebe, wenn sie einmal identifiziert seien und nannte als Beispiel die Harmonisierung der IT-Strukturen im Verbund und das Klassifizierungsverfahren der Sicherungseinrichtung. Er forderte eine schnellere und verbindlichere Umsetzung der erarbeiteten Maßnahmen: "Uns läuft die Zeit weg!" Die sektorübergreifende Zusammenarbeit stelle für ihn kein Tabu dar, meinte Siegers. "Wir sollten die Chancen und Risiken einer Zusammenarbeit mit den Sparkassen nicht nur im Kartengeschäft oder in der Wertpapierabwicklung, sondern auch auf der Primärebene prüfen".

Die Vorträge und Statements der Podiumsteilnehmer dieser Veranstaltung sind in einem Sammelband dokumentiert, der als Buch zum Preis von 19,50 € beim

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Tel.: +49 (0)251 / 83-2 28 01
Fax: +49 (0)251 / 83-2 28 04

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oder als kostenloser Download im Internet unter www.ifg-muenster.de erhältlich ist.


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