Diese Hinweise sind als Anhaltspunkte für die Gestaltung eines Seminarvortrags gedacht. Sie sollten als Richtschnur verstanden werden, deren konkrete Umsetzung von der jeweiligen Vortragssituation abhängt. Eine situative Anpassung oder Erweiterung der Empfehlungen bleibt daher jedem Referenten freigestellt. Wichtiger als alle diese Hinweise ist weiterhin der Inhalt eines jeden Referats! Häufig gehen jedoch gute Ergebnisse aufgrund einer schlechten Präsentation unter. Zweck einer guten Vortragsgestaltung ist es daher, die Übermittlung der Inhalte und gefundenen Ergebnisse ansprechend zu unterstützen.
Vorbereitung
- Ein Vortragskonzept - am besten nur Stichpunkte - erleichtert den Vortrag. Karteikarten können hier zum Beispiel als Merkblätter eingesetzt werden.
Auf diesen können neben dem Redekonzept auch Stichpunkte für die Vortragsgestaltung aufgenommen werden
(z.B. wann Pausen, Pufferzonen, welche Folien auflegen, Zeitplan).
- Bei der Verwendung von Karteikarten diese nummerieren - das Chaospotential während eines Referats darf nicht unterschätzt werden.
- Eine qualifizierte Vorbereitung wählen, d.h. der Referent weiß mehr, als er tatsächlich vorträgt. Zwischenfragen bringen ihn so nicht aus dem Konzept.
Gliederung
Den Zuhörer nicht mit der Gliederung des Referats alleine lassen. Er muss immer darüber orientiert sein, bei welchem Punkt der Gliederung sich der Referent befindet!
- Die Gliederung des Vortrages sollte als Orientierungshilfe für die Zuhörer zu Beginn und während des Vortrages aufgelegt werden.
- Den Vortrag nicht zu detailliert gliedern. Häufig reicht es, bis in die zweite Ebene zu untergliedern. Dadurch ist es für die Zuhörer leichter, sich während des Referats anhand der Gliederungsstruktur zu orientieren.
- Der erste Referent sollte die Gliederung, seine Mitreferenten und sich selbst vorstellen. Es wird dabei aufgezeigt, welcher Referent welchen Teil der Gliederung bearbeiten wird.
- Ist ein Gliederungspunkt abgeschlossen, kann ggf. ein Zwischenfazit gezogen werden. Dabei die wesentlichen Ergebnisse der bisherigen Analyse nochmal herausstellen. Zwischen den Referenten Überleitungen bilden. Hier kann aufgezeigt werden, welche Punkte vom nächsten Referenten bearbeitet werden.
Anfang und Schluss
Anfang und Schluss sind - genau wie in der schriftlichen Fassung - strategisch entscheidende Vortragselemente. Sie sollten besonders gut vorbereitet sein.
- Der Anfang soll die Zuhörer neugierig machen. Hier ist es sinnvoll, mit einem inhaltlichen Aperitif zu beginnen. Dabei kann ein besonders interessanter Aspekt der Fragestellung, eine verblüffende Erkenntnis oder eine Frage, die erst im Schlussteil beantwortet wird, herausgestellt werden. Die Zuhörer sollten wissen, warum es interessant sein kann, dieses Referat zu hören.
- Eventuell kann die Bedeutung/Stellung des Referats im Gesamtseminar aufgezeigt werden. Hierzu kann man auf Berührungspunkte mit anderen Referatsthemen hinweisen. Solche Berührungspunkte können z.B. Fragen aus anderen Referaten sein, die jetzt beantwortet werden.
- Bei Überschneidungen mit vorhergehenden Vorträgen anderer Gruppen sollte ggf. mit einem entsprechenden Hinweis auf die bereits erfolgte Darstellung dieser Teile verzichtet werden.
- Zu Beginn des Vortrages bzw. an geeigneter Stelle sollten Fachausdrücke definiert werden.
- Im Schlussteil werden die wesentlichen Ergebnisse nochmal zusammengefasst. Er rundet den Vortrag ab - dabei muss klar erkennbar sein, wann das Referat beendet ist! Hierzu einen konkreten Schlusssatz formulieren. Der Schluss sollte die Möglichkeit zur anschließenden Diskussion bieten. Hier ist es hilfreich, Thesen zu formulieren. Thesen sind umstrittene evtl. überspitzt formulierte Aussagen. Sie fassen die Kernaussage des Referats in einem Satz zusammen und erleichtern den Einstieg in eine Diskussion. Evtl. können Thesen und Gegenthesen formuliert werden (z.B. Pro-These, Contra-These).
Zeitmanagement
Die Vortragszeit bestimmt die Gestalt des Referats. Sie ist die bestimmende Rahmenbedingung. Die Zuhörer stellen sich auf die vorgesehene Vortragszeit ein. Wird sie überschritten stört dies die Zuhörer.
- Die Netto-Referatszeit daher strikt einhalten! Hierzu den Vortrag "trocken" d. h. ohne Auditorium üben.
- Zwischenfragen oder Hinweise aus dem Publikum zählen zur Brutto-Referatszeit. Sie werden nicht von der Zeit der Referenten abgezogen.
- Pufferzonen erleichtern das Zeitmanagement. Wird die Zeit knapp, kann man diese schneller referieren (eventuell können einzelne Abbildungen - für den Zuhörer unmerklich - weggelassen werden). Bei ausreichendem Zeitspielraum kann auf Pufferzonen mehr Zeit verwendet werden.
Persönliche Wirkungsmittel
Wirkungsmittel unterstützen den Vortrag. Der Inhalt eines Referats ist natürlich immer wichtiger als die Wirkung - es ist jedoch schade, wenn ein inhaltlich guter Vortrag durch eine schlechte Übermittlung an Qualität verliert.
- Die Haltung bei einem Vortrag bestimmt wesentlich den ersten Eindruck. Sie ist daher von prägender Wirkung. Der Referent sollte aufrecht und ruhig stehend vortragen. Er hat so besser die Möglichkeit, Gesten in seinen Vortrag einzubauen. Der Referent geht dann nicht hinter dem Tageslichtprojektor unter, es fällt ihm auch leichter, Blickkontakt mit allen Zuhörern zu halten. Allerdings sollte auch darauf geachtet werden, dass die Projektionswand nicht verdeckt wird. Die Arme sollten nicht verschränkt (Abwehrhaltung) und auch nicht in die Hosentaschen gesteckt werden. Ein Kaugummi im und Hände vor dem Mund stören die Verständlichkeit. Die Hände und Unterarme daher ruhig im Bereich der Gürtellinie halten.
- Die Gestik spiegelt die eigene Persönlichkeit wider und erhält dadurch eine besondere Bedeutung. Die persönliche Art, sich auszudrücken sollte nicht künstlich verändert werden. Unsicherheit zeigt sich häufig in Kopfschiefhalten einem defokussierten Blick oder Putzgesten. Sog. Putzgesten sind Gesten, die oft und ohne Grund gemacht werden (am Kopf kratzen, durch die Haare streichen, Kleidung ordnen). Werden Karteikarten als Hilfsmittel eingesetzt nicht mit der Kartenhand agieren, sondern mit der freien Hand. Gesten sollen den Vortrag unterstützen - nicht von ihm ablenken.
- Beim Vortrag immer Blickkontakt zum Publikum wahren. Dabei gleichmäßig und langsam in die Runde blicken. Werden Fragen gestellt, den Fragenden direkt ansehen. Den Fragenden nicht unterbrechen, auf die Fragen eingehen und die Antwort in den Vortragskontext einbauen. Bei der Antwort Blickkontakt halten.
- Bei der Sprache Lautstärke und Geschwindigkeit beachten. Nicht zu leise und nicht zu schnell sprechen. Pausen einbauen, Atmung nicht vergessen, keine Urlaute (äh, hm ...). Vorsicht bei Zusätzen, die vom Redekonzept abweichen - sie können schnell in sprachliche und gedankliche Sackgassen führen.
- Und schließlich die Mimik: Im Zweifelsfall hilft immer ein Lächeln.
Technische Wirkungsmittel
Overheadfolien oder PC-Präsentationen visualisieren den verbalen Vortrag des Referenten. Sie sollen zur Unterstützung des Vortrags eingesetzt werden und das Zuhören erleichtern.
- Overhead-Projektor bzw. Beamer sollten vor dem Vortrag getestet werden.
- Auf den Charts befindet sich eine stichwortartige Zusammenfassung des Gesagten. Die Charts nicht mit Text überladen. Die Zuhörer sollen nicht durch das Lesen ganzer Sätze vom Vortrag abgelenkt werden. Sparsam mit dem Text umgehen! Keine Informationen auf den Charts geben, die nicht auch erklärt werden. Charts müssen mindestens solange zu sehen sein, dass der gesamte Text gelesen werden kann. Keine ganzen Sätze oder Zitate auflegen, die die Zuhörer alleine lesen sollen.
- Große Schriftart wählen: Bei PC-Präsentationen Text mindestens 18 Pkt. (Arial), Highlights und Überschriften 20-24 Pkt.; bei Overheadfolien mindestens 20 Pkt. Übersichtliche Chartgestaltung: Spiegelstriche, Absätze verwenden. Außerdem sollte der Zuhörer erkennen, zu welchem Gliederungspunkt ein Chart gehört.
- Bei der Verwendung von Overheadfolien diese in der richtigen Reihenfolge vorher abheften. So verhindert man ein chaotisches Folienmanagement und behält die Übersicht.
- Diagramme sind immer besser als Tabellen! Zahlenfriedhöfe stören jeden Vortrag. Zahlen daher besser in Diagramme umsetzten. Jedes Diagramm sollte zuerst kurz erklärt werden. Die Zuhörer müssen Zeit haben, sich in die Diagramme eindenken zu können. Hierzu das Dargestellte und die Darstellungsform erläutern (Was wird auf Ordinate und Abszisse dargestellt? Welcher Diagrammtyp ist gewählt? Was ist die Kernaussage der Abbildung?).
- Die Daten sollten so aufbereitet sein, dass das Chart einen direkt erkennbaren Aussagewert hat.
- Werden Abbildungen verwendet um theoretische Zusammenhänge aufzuzeigen, nach der Sandwichtaktik vorgehen. Die Abbildung wird hierzu langsam aus mehreren Charts aufgebaut. Dem Zuhörer werden so nur die jeweils relevanten Informationen gegeben.
- Bei Diagrammen und Abbildungen immer alle Beschriftungen angeben.
|